Mutmaßliche Luftbuchungen 

Milliardenschwerer Bilanz-Skandal zwingt Wirecard in die Knie - Insolvenzantrag eingereicht

In Zuge des milliardenschweren Bilanz-Skandals rund um Wirecard hat das Unternehmen jetzt einen Insolvenzantrag eingereicht.

  • Im Wirecard-Skandal ist der Ex-Chef des Finanzdienstleisters festgenommen worden. 
  • Gegen Wirecard wird gegen Bilanzmanipulation ermittelt. 
  • Insgesamt sollen 1,9 Milliarden Euro verschwunden sein - Wirecard reicht den Insolvenzantrag ein 

Update vom Donnerstag, 25.06.2020, 18.39 Uhr: Der in einen milliardenschweren Bilanz-Skandal verwickelte Zahlungsdienstleister Wirecard hat am Donnerstag wegen Überschuldung und drohender Zahlungsunfähigkeit Insolvenzantrag eingereicht, wie das Münchner Amtsgericht mitteilte. 

Auch die Tochtergesellschaften kann die Insolvenz treffen. Lediglich die Wirecard Bank soll ausgenommen bleiben. Diese wird laut Wirecard mit Einverständnis der Finanzaufsicht Bafin finanziell und organisatorisch von der Muttergesellschaft abgekoppelt.

Vorläufiger Insolvenzverwalter bei Wirecard ist der Anwalt Michael Jaffé, der Erfahrung bei der Aufarbeitung von Luftgeschäften mitbringt. So ist Jaffé bereits Insolvenzverwalter der Kapitalanlagegesellschaft P&R, die nichtexistente Container vermietete und tausende Anleger betrog.

Wirecard: Bilanz-Skandal zwingt Unternehmen in die Knie - Insolvenz angemeldet

Update vom Donnerstag, 25.06.2020, 10.40 Uhr: Der wegen eines Bilanzskandals schwer angeschlagene Zahlungsdienstleister Wirecard stellt Antrag auf Insolvenz. Das habe der Vorstand am Donnerstag beschlossen, teilte das Unternehmen in Aschheim bei München in einer Mitteilung an die Börse mit. Die Deutsche Börse setzte den Handel mit der Aktie vorerst aus.

„Der Vorstand der Wirecard AG hat heute entschieden, für die Wirecard AG beim zuständigen Amtsgericht München einen Antrag auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens wegen drohender Zahlungsunfähigkeit und Überschuldung zu stellen“, teilte das Unternehmen am Donnerstag mit.

Wirecard-Skandal: Ex-Chef Markus Braun kommt gegen Millionenkaution frei

Update vom Dienstag, 23.06.2020, 14.56 Uhr: Der festgenommene frühere Wirecard-Chef Markus Braun kommt gegen Kaution von fünf Millionen Euro wieder auf freien Fuß. Das Amtsgericht hat den Haftbefehl gegen Auflagen außer Vollzug gesetzt, wie die Staatsanwaltschaft München am Dienstag mitteilte.

Im Bilanzskandal beim Dax-Konzern Wirecard ist der ehemalige Vorstandschef Markus Braun festgenommen worden.

Erstmeldung vom Dienstag, 23.06.2020, 10.34 Uhr: München – Nach dem Eingeständnis mutmaßlicher Luftbuchungen in Milliardenhöhe muss der in einem Bilanzskandal verwickelte Dax-Konzern Wirecard weitere Ermittlungen fürchten. „Wir prüfen alle in Betracht kommenden Straftaten“, sagte eine Sprecherin der Staatsanwaltschaft München I am Montag. Ob konkret gegen ehemalige oder amtierende Wirecard-Manager wegen Bilanzmanipulation ermittelt wird oder dies geplant ist, sagte die Sprecherin nicht: Einzelheiten zum Vorgehen würden nicht genannt.

Wirecard-Skandal: Luftbuchungen in Milliardenhöhe 

In diesem Zusammenhang ist der Ex-Chef des Finanzdienstleisters, Markus Braun, festgenommen worden. Die Staatsanwaltschaft München I hatte nach eigenen Angaben vom Dienstag bereits am Montag bei der zuständigen Ermittlungsrichterin des Amtsgerichtes München einen Haftbefehl gegen Braun beantragt und erhalten; Braun habe sich noch am Montagabend der Staatsanwaltschaft gestellt. Er war erst am Freitag im Skandal um fehlende 1,9 Milliarden Euro in der Unternehmensbilanz zurückgetreten.

Wirecard-Skandal: Ex-Chef Markus Braun festgenommen 

Der Dax-Konzern Wirecard hatte am Montag mitgeteilt, dass die verschwundenen 1,9 Milliarden Euro aus seiner Jahresbilanz gar nicht existieren. Die Hintergründe blieben zunächst unklar. Das Unternehmen ist durch die Vorgänge in schwere Turbulenzen geraten. 

Der Bezahldienstleister steht inzwischen am Abgrund. Seine Zukunft hängt vom Wohlwollen der Banken ab, denn die vermissten 1,9 Milliarden Euro auf Treuhandkonten in Asien gibt es mit ziemlicher Sicherheit nicht. Und so bekommt Wirecard auch kein Testat für die Jahreszahlen 2019. Die Einschätzungen zu 2019 sowie zum ersten Quartal und auch die Prognosen für 2025 nahm der Konzern zurück. Die Ratingagentur Moody's zog nun ihr erst am späten Freitagabend gesenktes Bonitätsurteil komplett zurück. (marv mit afp) 

Rubriklistenbild: © Christof STACHE /AFP

Mehr zum Thema