Schwächelnde Weltmärkte

Deutschlands Exporteure zeigen sich robust

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Im September 2019 wurden Waren "Made in Germany" im Wert von 114,2 Milliarden Euro ins Ausland verkauft und damit 4,6 Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Foto: Stefan Puchner/dpa

Nach einer Serie schlechter Wirtschaftsdaten gibt es mal wieder eine gute Nachricht: Der deutsche Außenhandel überrascht mit einem guten Monatsergebnis. Kommt jetzt die Trendwende?

Frankfurt/Wiesbaden (dpa) - Die Exportnation Deutschland trotzt der Schwäche auf den Weltmärkten.

Zwar mehren sich die Anzeichen, dass auch Europas größte Volkswirtschaft angesichts von Handelskonflikten, Brexit-Drama und einer allgemeinen Abkühlung der Konjunktur zunehmend ausgebremst wird. Einen herben Absturz der deutschen Wirtschaft nach Jahren des Aufschwungs erwarten die meisten Volkswirte jedoch nicht.

Im September zeigten sich Deutschlands Exporteure robust: Sie verkauften in dem Monat Waren "Made in Germany" im Wert von 114,2 Milliarden Euro ins Ausland. Das waren 4,6 Prozent mehr als ein Jahr zuvor, wie das Statistische Bundesamt am Freitag mitteilte. Auf Jahressicht liegen die Exporte nach Berechnungen der Wiesbadener Behörde mit 997,1 Milliarden Euro noch um knapp ein Prozent im Plus.

Die Einfuhren nach Deutschland summierten sich im September auf 93 Milliarden Euro - ein Plus von 2,3 Prozent zum Vorjahresmonat. Von Januar bis einschließlich September liegen die Importe mit 828,3 Milliarden Euro um 2,0 Prozent über dem Wert des Vorjahreszeitraums.

"Der Anstieg der Exporte im September ist ein kleiner Lichtblick, aber bei weitem kein Grund für Euphorie im Außenhandel", kommentierte der Außenwirtschaftsexperte des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK), Kevin Heidenreich. "Der weltweit zunehmende Protektionismus und eine schwächelnde Weltwirtschaft belasten weiterhin die exportstarke deutsche Wirtschaft."

Das überraschend gute September-Ergebnis sei "kein Grund zur Entwarnung und auch noch keine Trendwende", bekräftigte der Präsident des Außenhandelsverbandes BGA, Holger Bingmann. "Optimistisch stimmen uns die Signale aus den USA und China. Sollten die beiden Seiten aufeinander zugehen und Zölle sowie ihre Streitigkeiten zurückfahren, wäre das ein richtiger Hoffnungsschimmer und ein lang ersehntes Signal, das sich auch positiv auf die Weltwirtschaft auswirken würde."

Die Prognose für das Gesamtjahr hat der BGA bereits nach unten geschraubt: "Wir müssen das laufende Jahr 2019 wohl abschreiben und uns mit einer schwarzen Null im Export zufriedengeben", erklärte Bingmann im Oktober. Maximal sei mit 0,5 Prozent Wachstum im Außenhandel zu rechnen.

Schlechte Nachrichten gab es zuletzt aus etlichen deutschen Schlüsselbranchen: Die Auftragsflaute im Maschinenbau hielt im September an. Die Chemieindustrie stellt sich nach einem schwachen dritten Quartal auf Umsatzrückgang und Produktionsminus im Gesamtjahr ein. Die Elektroindustrie hat nicht mehr so volle Auftragsbücher und sieht "keine Trendwende zu einer nachhaltigen Aufwärtsentwicklung".

Nach Einschätzung der Bundesregierung und führender Wirtschaftsforschungsinstitute wird das Wachstum der deutschen Wirtschaft 2019 deutlich geringer ausfallen als im vergangenen Jahr. Die jüngsten Prognosen gehen von 0,5 Prozent Plus aus. 2018 hatte die deutsche Wirtschaftsleistung noch um 1,5 Prozent zugelegt. Die Zahlen für das dritte Quartal 2019 veröffentlicht das Statistische Bundesamt nächste Woche Donnerstag (14.11.).

Eine schwere Wirtschaftskrise wie zuletzt im Jahr 2009 in Deutschland, als das Bruttoinlandsprodukt (BIP) um 5,6 Prozent eingebrochen war, erwarten die meisten Experten nicht. "Der Aufschwung ist beendet, bislang ist jedoch nicht von einer breiten und tiefgehenden Rezession auszugehen", schreiben die fünf "Wirtschaftsweisen" als Top-Berater der Bundesregierung in ihrem Herbstgutachten. Der Staat müsse jedoch mehr tun, um "Wachstumskräfte" zu stärken: Unternehmen steuerlich entlasten, mehr Geld in Bildung und Forschung stecken, den Ausbau des schnellen Internets vorantreiben und sich notfalls höher verschulden.

Eine stabile Stütze der Konjunktur ist bislang der private Konsum - auch dank niedriger Arbeitslosenzahlen. Commerzbank-Chefvolkswirt Jörg Krämer sieht gute Chancen, dass das trotz der industriellen Flaute so bleibt: Die Unternehmen werden nach seiner Einschätzung wegen des Fachkräftemangels "alles tun, um ihre Stammbelegschaft ohne Entlassungen durch den Konjunkturabschwung zu bringen". Tendenziell steigende Tariflöhne dürften den privaten Konsum weiterhin ankurbeln, niedrige Zinsen den Boom in der Bauwirtschaft verlängern.

"Ordentliche Zuwächse beim Konsum und bei den Bauinvestitionen bilden ein Gegengewicht zur geplatzten Globalisierungsblase", stellt Krämer fest. Insgesamt dürfte Deutschland nach seiner Einschätzung "noch eine Weile in einem Graubereich zwischen Magerwachstum und leichten Rückgängen beim Bruttoinlandsprodukt bleiben".