Altersbezüge

Gewaltige Kluft zwischen Rente und Beamtenpensionen – „Millionenfache Altersarmut“ droht

Zwei ältere Frauen gehen mit ihren Rollatoren über einen Platz.
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In Deutschland besteht eine tiefe Kluft zwischen der gesetzlichen Rente und den Pensionen der Bundesbeamten. (Symbolbild)

Die finanzielle Kluft zwischen der gesetzlichen Rente und Beamtenpensionen in Deutschland ist gewaltig. Linken-Fraktionschef Bartsch macht eine düstere Prognose.

  • Dass die gesetzliche Rente in Deutschland niedriger ausfällt als die Pensionen der Bundesbeamt:innen ist bekannt.
  • Zahlen der Bundesregierung zeigen jetzt, wie groß die Unterschiede zwischen Rente* und Pension sind.
  • Die Partei Die Linke befürchtet eine zunehmende Altersarmut in Deutschland und fordert eine Reform.

Frankfurt – Die Diskrepanz zwischen der gesetzlichen Rente und den Pensionen, die Bundesbeamt:innen im Alter beziehen, in Deutschland ist groß. Wie groß, das belegen auch die offiziellen Zahlen der Bundesregierung, die der Bundesfraktion der Partei Die Linke als Antwort auf eine parlamentarische Anfrage vorgelegt wurden.

Wie das „Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND)„, dem die entsprechenden Zahlen vorliegen, berichtet, erhalten mehr als 50 Prozent aller Rentner:innen in Deutschland weniger als 1000 Euro im Monat als gesetzliche Rente. Nicht selten müssen sich Menschen auch nach dem Renteneintritt arbeiten gehen, um das nötige Geld zu verdienen. Die Pensionen der Menschen, die in ihrem Arbeitsleben verbeamtet waren, sind dagegen um ein Vielfaches höher.

Zahlen der Regierung bestätigen Unterschied zwischen Beamtenpensionen und gesetzlicher Rente

Aus der Antwort der Bundesregierung auf die Anfragen der Bundestagsfraktion der Linken geht hervor, dass die gesetzliche Rente in 56,2 Prozent der Fälle unter 1000 Euro liegt. 23,8 Prozent der Rentner:innen, das entspricht fast fünf Millionen Menschen in Deutschland, haben monatlich sogar weniger als 500 Euro zur Verfügung. Zum Vergleich: Die Pensionen der ehemaligen Bundesbeamtinnen und -beamten fallen deutlich höher aus. Fast zwei Drittel (65,2 Prozent) der Pensionen liegen laut diesen Zahlen über 2000 Euro im Monat.

Pensionen der Bundesbeamt:innen in EuroAnteil
unter 2000 Euro34,8 Prozent
zwischen 2000 und 3000 Euro45,6 Prozent
zwischen 3000 und 4000 Euro14,6 Prozent
zwischen 4000 und 5000 Euro3,0 Prozent
über 5000 Euro1,9 Prozent
Quelle: Redaktionsnetzwerk Deutschland

Große Kluft zwischen Beamtenpensionen und gesetzlicher Rente: Regierung begründet die Zahlen

Nach Informationen des RND begründet die Bundesregierung die vorgelegten Zahlen damit, dass der Anspruch auf die gesetzliche Rentenversicherung schon nach einer Wartezeit von nur fünf Jahren entsteht und dass demnach auch eine geringere Rente ausgezahlt wird.

Darüber hinaus machte die Regierung darauf aufmerksam, dass eine Vielzahl der Beamt:innen über einen Hochschulabschluss, das Abitur oder eine abgeschlossene qualifizierte Berufsausbildung verfügen. Die Beamtenpension beinhalte im Gegensatz zur gesetzlichen Rente zudem stets eine betriebliche Altersvorsorge.* Die parlamentarische Staatssekretärin im Arbeitsministerium, Kerstin Griese von der SPD, wird in diesem Zusammengang vom RND wie folgt zitiert: „Es ist nicht verwunderlich, dass höhere Zahlbeträge in der Beamtenversorgung häufiger vorkommen als in der gesetzlichen Rentenversicherung.“

Zu wenig Geld im Alter: Linken-Fraktionschef Bartsch befürchtet Altersarmut durch niedrige Rente

Dennoch: Die Zahlen zur gesetzlichen Rente sind für Linken-Fraktionschef Dietmar Bartsch besorgniserregend. „Wir steuern auf eine millionenfache Altersarmut zu“, sagte er gegenüber dem RND und fordert, die Menschen in Deutschland besser zu bezahlen und abzusichern. „Löhne, die Hartz 4 im Alter bedeuten, darf es nicht mehr geben“, so der Linken-Fraktionschef.

Laut Bartsch seien aber nicht die Pensionen zu hoch, sondern vielmehr die Renten in Deutschland zu niedrig. Er fordert eine neue Rentenversicherung, an der sich auch Abgeordnete, Beamte und Selbstständige finanziell beteiligen sollen und eine Rentenreform, die sich an den Systemen von Nachbarländern wie Österreich orientiert.*

Niedrige Rente in Deutschland: Frauen sollten sich früher um private Altersvorsorge bemühen

Doch nicht nur zwischen den Beamtenpensionen und der gesetzlichen Rente gibt es gravierende Unterschiede: Auch zwischen den Geschlechtern existiert ein erhebliches Gefälle bei den Altersbezügen. Das geht aus den Zahlen der Deutschen Rentenversicherung (DR) hervor.

Statistisch gesehen erhalten Rentnerinnen und Rentner in Deutschland eine Durchschnittsrente von 1048 Euro im Monat. Während Männer im Bundesdurchschnitt 1166 Euro beziehen, beläuft sich die monatliche Rente bei Frauen nur auf 959 Euro. Das entspricht einer Differenz von knapp 18 Prozent. Diese Zahlen machen deutlich, dass sich insbesondere Frauen wesentlich früher um ihre Altersvorsorge kümmern sollten als Männer.*fr.de ist Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Netzwerks.