Corona-Pandemie und Wirtschaft

Ist nach dem Börsencrash vor der Wirtschaftskrise?

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Nach dem Börsencrash könnten Rezession und Wirtschaftskrise drohen.

Die Börsen sind im Zuge der Corona-Pandemie tief in den Keller gesackt. Eine Wirtschaftskrise scheint möglich, wenn nicht sogar wahrscheinlich.

  • Die Corona-Pandemie hat einen Börsencrash verursacht
  • Schon vor dem Crash bestand Gefahr durch wachsendeSchulden
  • Die Bundesregierung ergreift Maßnahmen, um eine Wirtschaftskrise abzuwenden

Frankfurt - Nach einer mehr als turbulenten DAX-Woche geht es um die Frage, welche weiteren wirtschaftlichen Auswirkungen der Börsencrash und die Corona-Pandemie mit sich bringen werden. Eine klare oder auch nur einfache Antwort darauf gibt es nicht.

Der Börsencrash ist nicht der einzige Grund für eine drohende Wirtschaftskrise

Aber die Krise könnte der Auslöser sein, auf den viele Analysten in der Finanzwelt schon seit einiger Zeit warten. Denn die wirtschaftliche Entwicklung verläuft stets in Wellen, Einbrüche und Rezessionen sind normal, man spricht von Konjunkturzyklen. Der aktuelle Börsencrash war stark und abrupt, überraschend kam er aber nur bedingt.

Gefahr droht aber auch aus der Vergangenheit. Denn in den Jahren vor der Corona-Krise haben viele Unternehmen aufgrund der niedrigen Zinsen teils enorme Schulden angehäuft. Dabei sind diese niedrigen Zinsen bereits auf den vergangenen Börsencrash und die folgende Wirtschaftskrise von 2008 zurückzuführen. Schon damals wollten Zentralbanken mit günstigem Geld die Wirtschaft wieder ankurbeln. Wer sich günstig Geld leihen kann, gibt es eben auch schneller aus.

Schuldenberge werden durch einen Börsencrash größer und eine Wirtschaftskrise gefährlicher

Auf rund 13,5 Billionen US-Dollar (rund 67 Billionen Euro) summieren sich weltweit die Schulden nach Angaben des Institute of International Finance bei Unternehmen, die keine Banken sind. Der Internationale Währungsfond (IWF) warnte schon im Oktober 2019 vor dem Schuldenberg. Außerdem ist in den vergangenen Jahren das Interesse an Hochrisikopapieren wieder gewachsen, da diese – bedingt durch geringe Leitzinsen – eine bessere Rendite versprachen als sichere Anlagen wie Staatsanleihen.

Eine Gemengelage, in der ein Börsencrash bedingt durch zwangsweise Einnahmeeinbußen das Streichholz sein könnten, die das Pulverfass zum Explodieren bringen. An der Front stehen Konzerne, die von Reisebeschränkungen und unterbrochenen Lieferketten getroffen werden können. Im DAX zählen dazu Schwergewichte wie Bayer, BASF und Siemens. Die Lufthansa und Konzerne der Logistik- und Reisebranche könnten ebenfalls schwer unter einer Wirtschaftskrise in Folge der Verbreitung des Coronavirus leiden.

Nach dem Börsencrash: Kurzarbeit gegen die Wirtschaftskrise

Um dem Entstehen einer Wirtschaftskrise nach dem Börsencrash so früh wie möglich entgegenzuwirken, hat die Bundesregierung bereits Maßnahmen ergriffen. Eine davon ist die vereinfachte Einführung eines Kurzarbeitergeldes. Das ist vor allem für Unternehmen sinnvoll, die hohe Fixkosten haben. Dort kann am ehesten am Lohn gespart werden.

Das Kurzarbeitergeld wird vom Arbeitsamt gezahlt. Es entspricht generell 60 Prozent des Geldes, das Arbeitnehmer aufgrund der verkürzten Arbeitszeit infolge der Wirtschaftskrise nicht erhalten haben. Wenn mindestens ein Kinderfreibetrag von 0,5 auf der Lohnsteuerkarte eingetragen ist, erhalten Arbeitnehmer 67 Prozent des ausgefallenen Lohns.

Zusätzliche Finanzhilfen nach dem Börsencrash sollen Wirtschaftskrise abwenden

Außerdem sollen Unternehmen mit zusätzlichen Finanzmitteln unterstützt werden, um nach dem Börsencrash wieder auf die Beine zu kommen. Die Zahlung von Steuern soll leichter verschoben werden können, für Verzögerungen der Zahlung soll es bis auf Weiteres keine Strafen geben. Außerdem wird die Vergabe von Krediten erheblich erleichtert, und zwar als „im Volumen unbegrenzte Maßnahme“, wie es auf der Website des Bundeswirtschaftsministeriums heißt. Auf europäischer Ebene werden die Maßnahmen koordiniert, die Europäische Kommission hat eine „Corona Response Initiative“ mit einem Volumen von 25 Milliarden Euro beschlossen.

Mit diesen Entscheidungen reagiert die Bundesregierung auch auf entsprechende Empfehlungen des Internationalen Währungsfonds IWF und der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung OECD zur Abwendung einer Wirtschaftskrise. Der IWF hatte bereits vor dem Börsencrash empfohlen, dass „politische Entscheidungsträger auf globaler Ebene entschlossen handeln und zusammenarbeiten, um die Währungs- und Finanzstabilität zu erhalten“.

Maßnahmen gegen Wirtschaftskrise und Börsencrash in den USA mit wenig Wirkung

Ob die Maßnahmen ausreichen, wird sich aber erst mit der Zeit zeigen. Denn auch erste Rettungspakete der US-Notenbank Fed sind nahezu wirkungslos verpufft, trotz eines umgerechneten Wertes von mehreren Billionen Euro und einem Leitzins von 0 Prozent. Die OECD rechnet bei einer anhaltenden Pandemie mit einem geringen Wachstum von rund 0,3 Prozent in Deutschland für das Jahr 2020. 

Im aktuellen ersten Quartal könnte die Wirtschaft sogar schrumpfen. Faktisch rutscht Deutschland damit in eine Rezession, deren Definition ein Wachstum von unter 0,5 Prozent ist. Vorerst bleibt nicht viel mehr, als auf einen möglichst milden Verlauf der Corona-Pandemie zu hoffen, damit aus dem Börsencrash keine allzu schwerwiegende Wirtschaftskrise wird.

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