Logistiik

Container-Chaos: Kik und Rossmann warnen vor Liefer-Engpässen - „Wird zu Preiserhöhungen führen“

Container-Hafen in China: Weltweit sind die Logistik-Ketten so angespannt wie selten zuvor.
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Container-Hafen in China: Weltweit sind die Logistik-Ketten so angespannt wie selten zuvor.

Die Engpässe im Handel haben zu drastischen Anstiegen der Frachtraten geführt. Das dürften demnächst auch die Verbraucher in Deutschland zu spüren bekommen, warnen die Chefs von Rossmann und Kik.

München - Die anhaltenden Störungen im weltweiten Frachtverkehr dürften nach Einschätzung führender Handelsunternehmen demnächst auch die Verbraucher in Deutschland zu spüren bekommen. „Wir haben große Schwierigkeiten, Frachtkapazitäten für unsere Bestellungen auf den Schiffen zu bekommen“, sagte der Chef des Textildiscounters Kik, Patrick Zahn, dem Handelsblatt. „In der wichtigsten Zeit des Jahres fehlt uns die Ware.“

Angesichts knapper Transportkapazitäten steigen die Frachtraten rapide an. Die Folgen dieser Entwicklung dürften Verbraucher demnächst auch an der Kasse sehen, warnt Zahn: „Preiserhöhungen im Handel werden nicht zu vermeiden sein“, warnte der Kik-Chef.

Rossmann-Chef: Wird immer schwieriger Waren pünktlich in die Läden zu bekommen

Ähnlich äußerte sich auch der Chef der Drogeriekette Rossmann, Raoul Roßmann. Wegen der gestörten Lieferketten werde es immer schwieriger, „Waren aus Asien pünktlich in die Läden zu bekommen“, sagte Roßmann der Wirtschaftszeitung. Der starke Anstieg bei den Frachtkosten werde daher „auf jeden Fall zu Preiserhöhungen im Handel führen“.

Nach einer Übersicht des Branchenspezialisten Drewry kostet der Transport eines 40-Fuß-Standardcontainers im Schnitt derzeit rund 8300 Dollar. Das sind gut 300 Prozent mehr als noch vor Jahresfrist. Auf besonders beliebten Strecken wie der Route Shanghai-Rotterdam oder Shanghai-Genua fällt der Preisanstieg mit gut 400 Prozent auf rund 12.000 Dollar noch heftiger aus. Alleine Anfang Juni kletterten die Spotpreise für einen Container binnen Wochenfrist um gut 15 Prozent.

Immer mehr Händler bringt das jetzt in die Bredouille. Denn in vielen Containern sind etwa Produkte mit großem Volumen, aber geringem Wert unterwegs, wie etwa Gartenmöbel, made in China. Wenn der Gesamtwert etwa bei 30.000 Dollar liegt, die Transportkosten aber um 8.000 Dollar steigen, ist die Kalkulation der Unternehmen Makulatur. Preiserhöhungen sind daher nahezu unvermeidbar.

Container-Stau: US-Nachfrage und Hafen-Stillstand werden für Logistik-Ketten zur Zerreißprobe

Die Entwicklung hat zahlreiche Ursachen. So hat die Blockade des Suezkanals durch die Ever Given Ende März* dem ohnehin stockenden Welthandel einen schweren Schlag versetzt. Dazu steigt der US-Konsum mit den Fortschritten in der Impfkampagne seit Wochen steil an. Alleine im Mai lagen die Einzelhandelsumsätze um fast ein Drittel über dem Vorjahreszeitraum. Vor allem Kleidung, Elektronik, Haushaltsgeräte und Möbel sind bei den US-Verbrauchern heiß begehrt.

Zuletzt kam auch noch die weitgehende Schließung des weltweit viertgrößten Hafens im chinesischen Yantian hinzu. Inzwischen läuft der Betrieb am chinesischen Perlflussdelta zwar wieder einigermaßen normal. Doch jetzt fehlt es an Containern, Stellplätzen auf Schiffen, Lkw-Kapazitäten oder Paletten weltweit. Viele Häfen sind am Anschlag*.

Container-Stau: Experte warnt - „Haben wir so nicht erlebt“

Branchen-Experten sind entsprechend beunruhigt. „Eine solche Situation“, resümiert etwa der Chef des Onlinehändlers Berlin Brands Group (BBG), Peter Chaljawski „haben wir in der Logistik noch nicht erlebt“. Die Lage sei für viele inzwischen „dramatisch“. Doch eine rasche Besserung ist kaum in Sicht. Mit einer Entspannung, sagte Chaljawski dem Handelsblatt, sei wohl erst im ersten Quartal 2022 zu rechnen. (dpa/pb) *Merkur.de ist Teil von IPPEN.DIGITAL.