Verbandschef schlägt Alarm

Vor Corona-Gipfel: Handel fordert rasche Öffnung - sonst droht „wirtschaftlicher Totalschaden“

Angesichts des Lockdowns wächst im stationären Handel die Verzweiflung. Der Corona-Gipfel am Mittwoch müsse nun endlich eine klare Perspektive bringen, fordert HDE-Chef Stefan Genth im Interview.

  • Der Lockdown hat vor allem die Gastronomie und den stationären Handel schwer getroffen.
  • Inzwischen kämpfen viele Betriebe um die Existenz.
  • Angesichts dessen fordert der Chef des Handelsverbands HDE, Stefan Genth, nun rasch Klarheit - und übt harsche Kritik an Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier.

München – Der Handelsverband HDE drängt im Vorfeld des Corona*-Gipfels von Bund und Ländern am Mittwoch auf einen klaren Öffnungsfahrplan. Die Rahmenbedingungen für Öffnungsschritte müssten „eindeutig festgeschrieben werden“, forderte HDE-Hauptgeschäftsführer Stefan Genth in einem Interview mit Merkur.de*. Der Einzelhandel müsse „auch schon bei einer Inzidenz über 50 unter dann sehr strengen Bedingungen öffnen dürfen“, sagte Genth. Der „richtige Weg“ seien Stufenpläne, die an die Inzidenzahlen angepasst seien.

Genth warnte eindringlich vor einer deutlichen Verlängerung des Lockdowns. Sollten bis Ostern keine weiteren Öffnungsschritte erfolgen, drohe „ein wirtschaftlicher Totalschaden für zehntausende Einzelhändler und viele Innenstädte. Dann erleben wir Geisterstädte und leere Ladenlokale in ganz Deutschland.“

Handelsverband: Harsche Kritik an Bundeswirtschaftsminister Altmaier

Überraschend deutliche Kritik übte Genth auch an Peter Altmaier (CDU). Er verstehe die Rolle des Bundeswirtschaftsministers „nicht ganz“. Seine Aufgabe müsse sein, die Folgen der Pandemie für die Wirtschaft abzufedern und Mut zu machen. Da sei „noch viel zu tun.“

Auch bei der Auszahlung der staatlichen Corona-Hilfen sieht Genth noch erheblichen Korrekturbedarf. Zwar bringe die jüngste Überarbeitung „in einigen Punkten echte Fortschritte“. Allerdings sei bislang „noch kein Geld geflossen“. Zudem blieben die Hilfen trotz der Anpassungen in „vielerlei Hinsicht sehr bürokratisch und umständlich“.

Handelsverband fordert Sonntagsöffnungen

Um dem stationären Handel nach einer Öffnung möglichst schnell wieder auf die Beine zu helfen,  plädierte der HDE-Chef zudem für eine Lockerung des Verkaufsverbots an Sonntagen. „Gerade nach dem Lockdown müssen die Händler die Chance bekommen, verlorene Umsätze nachzuholen“, sagte Genth. „Da wäre es sehr gut, wenn das Verkaufsverbot an Sonntagen gelockert werden würde.“

Im Vorfeld des Bund-Länder-Gipfels am Mittwoch hatten auch andere Wirtschaftsverbände Perspektiven zum Ende des Lockdowns gefordert. Erst am Dienstagmorgen hatte etwa Handwerkspräsident Hans Peter Wollseifer Bund und Länder in die Pflicht genommen. Es gehe um „das schiere Überleben sehr vieler Betriebe“, erklärte Wollseifer. Zuvor hatte auch der einflussreiche Verband der Automobilindustrie (VDA) den Druck auf die Politik erhöht und eine Öffnung der Autohäuser ab dem 15. Februar gefordert. Die aktuelle Situation bedrohe nicht nur „die Autohäuser selbst“, sondern wirke „sich über die Lieferketten auf Hersteller und Zulieferer aus“, warnte sie.

Lockdown-Ende: Politik mahnt Geduld an

In der Politik wächst unterdessen die Sorge vor einer zu frühen Lockerung. SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach sieht angesichts neuer Virusvarianten den Lockerungsspielraum „bei Null“. Auch der bayerische Ministerpräsident Markus Söder und Hamburgs Erster Bürgermeister hatten sich zuletzt für eine Verlängerung des Lockdowns ausgesprochen. *Merkur.de ist Teil des Ippen Digital Netzwerks.

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