Nachfolger gefunden

Paukenschlag in deutscher Wirtschaft: Top-Manager wird Vorstandschef bei der Commerzbank - Experten überrascht

Manfred Knof blickt mit Brille und grauem Kurzhaarschnitt in die Kamera
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Deutsche Bank-Manager Manfred Knof wird Vorstandschef der Commerzbank.

Der Deutsche-Bank-Manager Manfred Knof wird neuer Vorstandschef bei der Commerzbank. Die Entscheidung sei einstimmig gefallen, so die Commerzbank.

  • Die Commerzbank hat einen neuen Vorstandschef benannt: Manfred Knof soll von der Deutschen Bank kommen.
  • Finanzexperten zeigen sich überrascht, weil der 52-Jährige über wenige Erfahrungen im Bankenbereich verfügt.
  • Ihn erwarten - nach Führungschaos bei der Commerzbank - schwierige Aufgaben: Für Kunden und Mitarbeiter könnten Einschnitte folgen.

Frankfurt - Die Commerzbank bekommt ab 1. Januar 2021 einen neuen Vorstandschef: Der Deutsche-Bank-Manager Manfred Knof wird Nachfolger von Martin Zielke, wie die Commerzbank am Samstagabend mitteilte. Damit ist eine der spannendsten Fragen in der deutschen Bankenszene beantwortet. Dass die Wahl auf den erst 52-jährigen Knof fiel, wird von Experten allerdings als „Paukenschlag“ gewertet - denn er gilt noch nicht als besonders erfahren in Bankenbereich.

Wie der einschlägige Newsletter für Finanzexperten, finanz-szene, schreibt, kommt die Entscheidung insofern überraschend, als Knof erst vor einem Jahr zur Deutschen Bank gewechselt war. Davor war der Jurist lange Jahre im Versicherungsbereich tätig, unter anderem bei der Allianz AG. Zuletzt leitete er das Privatkundengeschäft der Deutschen Bank.

Nach Vorwürfe durch Großaktionäre: Jetzt Führungs-Chaos bei der Commerzbank beendet?

Seit August war die börsennotierte* Commerzbank in ein Führungschaos geraten. Angestoßen durch den US-Fonds Cerberus, den zweitgrößten Aktionär* der Bank, war der damalige Vorstandschef in starke Kritik geraten - und schließlich zurückgetreten. Cerberus hatte der Führung der Commerzbank vorgeworfen, „über Jahre eklatant versagt“ zu haben.

Zielke selbst hatte danach eingestanden, dass die ergriffenen Maßnahmen eventuell nicht durchgreifend genug gewesen sein könnten und seinen Rücktritt angekündigt. Die Bank hatte daraufhin entschieden, den Vertrag mit dem seit Anfang Mai 2016 amtierenden Konzernchef spätestens zum 31. Dezember aufzulösen.

Neuen Commerzbank-Vorstandschef Knof erwarten unangenehme Aufgaben - Einschnitte für Kunden und Mitarbeiter?

Knof sei „ein erfahrener und umsetzungsstarker Topmanager, der sich in unterschiedlichsten Aufgaben in der Finanzdienstleistungsindustrie bewiesen hat“, erklärte Commerzbank-Aufsichtsratschef Hans-Jörg Vetter, der ebenfalls erst Anfang August seinen Posten angetreten hatte. Die beiden erwarten bei der Commerzbank einige unangenehme Aufgaben, die auch Auswirkungen auf Mitarbeiter und Kunden haben dürften.

Seit Monaten wird intern bereits über eine Verschärfung des Sparkurses diskutiert. Knapp ein Viertel der zuletzt 40.000 Vollzeitstellen könnte gestrichen werden. Außerdem ist die Rede davon, dass den Kunden deutschlandweit eventuell nur noch 200 Beratungsfilialen zur Verfügung stehen könnten - bisher sind es noch 1000.

Die Entscheidung sei in einer Sitzung des Aufsichtsrats am Samstag (26.09.2020) gefallen - und zwar einstimmig. Allerdings steht sie noch unter dem Vorbehalt der Zustimmung von Aufsichtsratsbehörden. (kat/dpa) *Merkur.de ist Teil des deutschlandweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerks.

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