“Aus heutiger Sicht ...“

Deutscher Autozulieferer-Gigant gibt Kahlschlag-Maßnahme wegen Corona-Krise bekannt

Der Automobilzulieferer ZF Friedrichshafen fährt nach der Corona-Krise die Produktion wieder hoch
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Der Automobilzulieferer ZF Friedrichshafen fährt nach der Corona-Krise die Produktion wieder hoch.

Die Corona-Krise trifft die deutsche Wirtschaft schwer. Die Regierung verspricht Hilfspakete für viele Unternehmen. Von Zulieferer ZF Friedrichshafen gibt es eine Hiobsbotschaft. News-Ticker.

  • Der Bundesrat billigt weitere umfangreiche Hilfen in der Corona-Krise.
  • Einzelne Wirtschaftssektoren warnen vor Langzeitfolgen der Corona-Pandemie.
  • Große deutsche Unternehmen verkünden Stellenabbau - beschleunigt durch die aktuelle Lage.
  • Alle bisherigen Neuigkeiten zur deutschen Wirtschaft in der Corona-Krise lesen Sie hier.

Update vom 28. Mai, 19.44 Uhr: Deutschlands drittgrößter Automobilzulieferer ZF Friedrichshafen plant laut einem Zeitungsbericht die Streichung von bis zu 15.000 Stellen. "Aus heutiger Sicht müssen wir bis 2025 weltweit unsere Kapazitäten anpassen und 12.000 bis 15.000 Arbeitsplätze abbauen, davon etwa die Hälfte in Deutschland", heißt es in einem internen Schreiben des ZF-Vorstands an die Belegschaft des Unternehmens mit Sitz im baden-württembergischen Friedrichshafen, aus dem der Südkurier zitiert.

Corona-Krise beschleunigt Stellenabbau bei Automobilzulieferer ZF

Details würden in den nächsten Wochen mit den Arbeitnehmervertretern verhandelt, heißt es demnach weiter in dem Mitarbeiterschreiben. Ein Sprecher des Unternehmens wollte sich auf Anfrage des Blattes nicht zu den Plänen äußern. Zu Jahresbeginn beschäftigte ZF konzernweit knapp 148.000 Menschen, knapp 51.000 davon im Inland. Bis Ende 2022 sind betriebsbedingte Kündigungen bei ZF laut des Berichts (hinter Bezahlschranke) bislang ausgeschlossen.

Die Automobilbranche leidet weltweit massiv unter Werksschließungen und Absatzeinbußen infolge der Corona-Krise. Die deutschen Hersteller fordern von der Bundesregierung Unterstützung in Form einer Prämie für den Autokauf. Die Forderung ist aber auch innerhalb der großen Koalition heftig umstritten.

Corona: Ferienflieger Condor zehrt vom staatlichen Rettungskredit

Update vom 25. Mai, 15.17 Uhr: Der staatlich gerettete Ferienflieger Condor hofft trotz der Corona-Krise auf eine schnelle Lösung bei der Suche nach einem neuen Investor. Nach Angaben des Airline-Chefs Ralf Teckentrup wird derzeit ein neuer Schutzschirmplan erarbeitet, der weitgehend dem früheren Plan entsprechen werde. „Wenn es gut läuft, können wir den Schutzschirm in den nächsten drei Monaten verlassen“, sagte der Manager dem Fachmagazin fvw. Allerdings müsse sich zunächst der Markt beruhigen, bevor Condor wieder zum Verkauf angeboten werde.

Condor wird derzeit mit einem neuen staatlichen Rettungskredit über 550 Millionen Euro in der Luft gehalten. Ein erstes Rettungsschirmverfahren war zu Beginn der Corona-Krise gescheitert, als die polnische PGL-Gruppe die bereits vereinbarte Übernahme des deutschen Ferienfliegers platzen ließ. Das Frankfurter Unternehmen mit rund 4900 Beschäftigten und mehr als 50 Flugzeugen war nach der Pleite des britischen Mutter-Konzerns Thomas Cook im September 2019 in ein Schutzschirmverfahren gegangen und darin saniert worden.

Bis zum Beginn der Sommerferienzeit am 25. Juni soll das Flugprogramm auf rund 40 Prozent des ursprünglich geplanten Verkehrs hochgefahren werden. Teckentrup geht davon aus, bis Ende Oktober bis zu 60 Prozent anbieten zu können. Man strebe eine Auslastung der Maschinen von rund 80 Prozent an.

Corona-Krise trifft Wirtschaft - Altmaier plant weiteres Hilfspaket für mittelständische Betriebe

Update vom 25. Mai, 12.28 Uhr: Dass eine Autokauf-Prämie wegen Corona in Deutschland kommen wird, gilt als beschlossen. In welcher Form, sorgt jedoch für eine hitzige Debatte. Angeblich sollen unter die „Abwrackprämie 2.0“ auch Fahrzeuge mit höherem Schadstoffausstoß fallen - Deutschlands bekannteste Klimaaktivistin ist entsetzt.

Update vom 25. Mai 2020: Um die Folgen der Corona-Pandemie für mittelständische Betriebe abzufedern, will Wirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) diese noch stärker unterstützen. Von Juni bis Dezember sollen Firmen mit bis zu 249 Mitarbeitern m onatlich bis zu 50.000 Euro bekommen können. Das berichtete die Neue Osnabrücker Zeitung aus einem Eckpunktepapier, das laut Informationen der dpa aus dem Wirtschaftsministerium stammt. 

Ziel dieser Überbrückungshilfe ist, die Existenz kleiner und mittlerer Betriebe zu sichern, die von coronabedingten Schließungen und Auflagen betroffen sind. Anträge sollen neben Firmen aus allen Wirtschaftsbereichen auch Freiberufler und Solo-Selbstständige stellen können. Voraussetzung für den Antrag: Die Umsätze der Betroffenen müssen im April und im Mai um mindestens 60 Prozent gegenüber den Vorjahresmonaten eingebrochen sein. Auch Unternehmen, die bereits Soforthilfen vom Bund beziehungsweise den Ländern bekommen, dürfen weitere Unterstützung beantragen. Bis August rechnet das Ministerium dem Bericht zufolge mit Kosten von 25 Milliarden Euro - wie viel danach noch anfalle, hänge vom Infektionsgeschehen ab.

Corona-Krise: Wirtschaftsweiser mahnt Merkels Regierung - und bremst auch Söder ein

Update vom 24. Mai 2020: Die Debatte über das geplante Corona-Konjunkturprogramm der Regierung Merkel ist in vollem Gang. Welche Maßnahmen soll es geben und wie teuer darf es sein? Der Vorsitzende der „Wirtschaftsweisen“, Lars P. Feld, fordert: Es müssen Prioritäten gesetzt werden.

Feld hat die Bundesregierung angehalten, beim geplanten Konjunkturprogramm Maß zu halten. „Es darf kein Freibier für alle geben“, sagte Feld der dpa in einem am Sonntag veröffentlichten Interview. „Der Staat darf finanziell nicht überfordert werden.“ Deswegen sollten die Mittel möglichst effektiv eingesetzt werden - dort, wo jeder Euro am meisten bringe. Pläne für einen Familienbonus lehnte Feld ab. „Ein Familienbonus oder auch Konsumgutscheine würden verpuffen.“

„Ich bin kein Fan einer Schuldenobergrenze, wie sie Söder jetzt vorgeschlagen hat, in einer solchen konjunkturellen Situation“, erklärte der Wirtschaftsexperte weiter. Denn es könnte eine höhere Verschuldung erforderlich sein, wenn die Konjunktur noch schlechter laufe. „Aber in der jetzigen Lage haben sich so viele Interessengruppen mit Forderungen geäußert, dass man bremsen muss.“

Corona-Krise: Kurzarbeit könnte bis Jahresende mehr als 30 Milliarden Euro kosten

Mittlerweile werden auch die Kostenausmaße einiger Corona-Hilfsmaßnahmen klar. So könnten bis zum Ende des Jahres laut Bundesagentur für Arbeit die Kosten für Kurzarbeit mehr als 30 Milliarden Euro betragen. „Der Bund müsste dann aushelfen“, sagte BA-Chef Detlef Scheele dem Tagesspiegel. Ausgezahlt habe die BA bislang zwar lediglich 2,5 Milliarden Euro an Kurzarbeitergeld. Dies liege allerdings daran, dass viele Unternehmen noch nicht abgerechnet hätten.

Insgesamt ist in der Corona-Krise für mehr als zehn Millionen Beschäftigte in Deutschland Kurzarbeit angemeldet worden. Die Nürnberger Behörde geht aber davon aus, dass am Ende nicht alle Personen, für die ein Antrag gestellt wurde, tatsächlich Kurzarbeitergeld in Anspruch nehmen.

Update vom 22. Mai, 16.50 Uhr: Die Corona-Pandemie verändert und beeinträchtigt die Wirtschaft in aller Welt. Experten rechnen nun mit eine „Revolution“ - die auch ein Symbol des Kapitalismus in Mitleidenschaft ziehen könnte.

Corona-Krise: McDonald‘s-Filialen hart getroffen - jetzt reagiert die Zentrale

Update vom 22. Mai, 9.43 Uhr: Auch das Fast-Food-Geschäft leidet in der Corona-Krise - McDonald's verzichtet deswegen nun auf einen Teil der Zahlungen seiner Restaurantbetreiber in Deutschland. Ihnen wurden die Pacht- und Franchisegebühren für März und April gestundet, ein Teil der Miete auch erlassen, wie die Wirtschaftswoche berichtet. Zudem plant der Burgerbrater eine Werbeoffensive. Hintergrund sei, dass von Montag an wieder in allen Bundesländern auch die Innenräume der Schnellrestaurants genutzt werden können, sagte ein Sprecher am Freitag.

Auch McDonald‘s in Deutschland spürt die Auswirkungen der Corona-Krise.

Die meisten der 1480 McDonald's-Restaurants in Deutschland werden von rund 200 Franchisenehmern betrieben. Dem Bericht zufolge verzichtet das Unternehmen nun vorübergehend auf einen zweistelligen Millionenbetrag. Über zusätzliche Hilfen solle im Einzelfall entschieden werden. In der Krise hatte McDonald's versucht, möglichst viel über die Drive-In-Schalter zu verkaufen. Den Wegfall in den Innenräumen habe man damit aber bei weitem nicht kompensieren können, sagte Deutschland-Chef Holger Beeck dem Blatt.

Ein Experte hat unterdessen die Hygiene-Regeln für die Gastronomie in Deutschland kritisiert.

Deutsche Wirtschaft in der Corona-Krise: Merkel warnt vor Abschottung

Update vom 20. Mai, 19.22 Uhr: Kanzlerin Angela Merkel warnt vor wirtschaftlicher Abschottung in der Corona-Krise. „Die Antwort auf die Pandemie kann mit Sicherheit nicht sein, alle internationalen Lieferketten jetzt zu renationalisieren“, sagte die CDU-Politikerin in Berlin. „Dann würden alle einen sehr hohen Preis zahlen.“ Sie äußerte sich nach einer Videokonferenz mit den Vorsitzenden von fünf internationalen Wirtschafts- und Finanzorganisationen.

Weiter unterstrich die langjährige Parteichefin die Bedeutung internationaler Zusammenarbeit von Staaten. „Der Multilateralismus stand schon vor der Pandemie vor einer großen Herausforderung, und diese Herausforderung ist nicht kleiner geworden.“ Die Corona-Pandemie sei erst beendet, wenn es einen Impfstoff gegen das Virus oder gute Behandlungsmöglichkeiten gebe. Diese sollten deshalb als „gemeinschaftliche globale Güter“ verstanden werden, müssten also allen zur Verfügung gestellt werden.

Wegen Corona: Wirte und Hotels erleben schlimmsten Monat seit 25 Jahren

Update vom 20. Mai, 16.05 Uhr: Hotels und Restaurants in Deutschland haben im März wegen der coronabedingten Beschränkungen fast die Hälfte ihres Umsatzes eingebüßt. Das Minus im Gastgewerbe betrug 44,6 Prozent zum Vormonat Februar und 45,4 Prozent zum März 2019, wie das Statistische Bundesamt am Mittwoch mitteilte. Der Deutsche Hotel- und Gaststättenverband (Dehoga) rechnet für April mit Umsatzeinbußen von über 90 Prozent und forderte erneut einen Rettungsfonds.

Auch wenn die Tische wieder gedeckt werden: Deutschlands Wirte erwarten keine wirtschaftliche Besserung

Die Einbußen im März waren laut Statistik die schlimmsten seit Beginn der Zeitreihen im Jahr 1994. Der Dehoga verzeichnete konkret bei den Hotels und Beherbergungsbetrieben einen Umsatzeinbruch um 51 Prozent zum Vorjahresmonat, in der Gastronomie einen Rückgang um 42 Prozent.

Bis Ende April würden der Branche mehr als zehn Milliarden Euro Umsatz fehlen, erklärte der Verband. Dieser Umsatz könne auch nach den mittlerweile erlaubten Wiedereröffnungen nicht nachgeholt werden - im Gegenteil: "Aufgrund der Abstandsgebote liegen die Umsätze 50 bis 70 Prozent unter den Vorjahreswerten". Für viele Bars, Diskotheken und Caterer gebe es außerdem weiterhin "keine Öffnungsperspektive".

Coronavirus trifft Wirtschaft hart - EU-Kommission lobt Regierung Merkel

Update vom 20. Mai 15.35 Uhr: Nicht nur Deutschland, die ganze Weltwirtschaft ächzt unter den Folgen der Corona-Pandemie. Eine UN-Agentur fürchtet gar zum ersten Mal einen Rückschritt beim „Grad der menschlichen Entwicklung“ - die EU-Kommission hat unterdessen Lob für die Krisen-Politik der Bundesregierung parat.

Corona-Ausbrüche haben Konsequenzen: Merkels Regierung erlässt neue Regeln für Fleischindustrie

Update vom 20. Mai, 15.30 Uhr: Die Bundesregierung macht nun ernst: Arbeitsminister Hubertus Heil hat am Mittwoch drastische neue Regeln für „Fleischfabriken“ angekündigt.

Update vom 20. Mai, 11.30 Uhr: Das Fleischindustrie bleibt in der Corona-Krise im Fokus - nun ausnahmsweise einmal eher als Opfer der Entwicklungen: Die Großdiscounter Aldi Nord und Aldi Süd wollen offenbar die Preise weiter drücken. Die Pläne stoßen auf herbe Kritik, es kursieren bereits erste Boykott-Aufrufe.

Coronavirus: Fleischfabrikant Tönnies warnt Heil vor Abschaffung von Werkverträgen 

Update vom 20. Mai, 8.19 Uhr: Nach einer Häufung von Corona-Infektionen in Schlachtbetrieben stehen die Arbeitsbedingungen mit Subunternehmern und Sammelunterkünften stark in der Kritik - und Bundesarbeitsminister Hubertus Heil (SPD) hatte schärfere Regeln für die Branche angekündigt und eine Abschaffung von Werkverträgen und höhere Bußgelder angedeutet.

Der Fleischfabrikant und Aufsichtsratschef des Bundesligisten FC Schalke 04, Clemens Tönnies, pflichtet ihm nicht bei - er warnt vor der Abschaffung von Werkverträgen. Das berichtet die Neue Osnabrücker Zeitung unter Berufung auf ein Schreiben des Unternehmers an Heil. „Ein generelles Verbot von Werkverträgen in der Fleischwirtschaft hätte massive, strukturell-negative Veränderungen für die Agrarwirtschaft zur Folge“, argumentiert Tönnies den Angaben zufolge darin.

Fleischfabrikant Tönnies Clemens Tönnies ist gegen die Abschaffung von Werkverträgen in der Branche.

Der Fleischverband legte unterdessen ein Fünf-Punkte-Programm für Verbesserungen vor und warnte davor, Werksverträge zu verbieten. Die dpa berichtet indes, dass ab dem kommenden Jahr Werkverträge in der Fleischindustrie weitgehend verboten werden sollen, und beruft sich dabei auf einen Entwurf, der an diesem Mittwoch im Bundeskabinett verabschiedet werden soll.

Coronavirus: Fleischerei nimmt nach Corona-Skandal Betrieb wieder auf

Update vom 18. Mai, 19.50 Uhr: Eine Woche hat die Zwangspause gedauert, nachdem beim Unternehmen Westfleisch im münsterländischen Coesfeld reihenweise Mitarbeiter positiv auf Corona getestet worden sind. Nun soll am Dienstag der Betrieb testweise wieder starten. Im ersten Schritt würden aber noch keine Schweine geschlachtet, heißt es. Zusammen mit den Überwachungsbehörden würde der Betrieb stufenweise wieder hochgefahren. Am Mittwoch sollen dann die ersten 1500 Schweine in einer zweiten Testphase geschlachtet werden.

Bis Ende vergangener Woche lagen in Coesfeld knapp 270 positive Coronavirus-Tests bei rund 1200 Mitarbeitern vor. Die hohe Zahl hatte dazu geführt, dass im Kreis die Lockerungen erst mit einer Woche Verspätung gültig wurden.

Corona-Krise: Opel-Werk in Kaiserslautern produziert wieder

Update vom 18. Mai, 18.00 Uhr: Zwei Monate standen die Opel-Werke in Kaiserslautern wegen des Coronavirus praktisch still. Nun fährt Opel die Produktion schrittweise wieder hoch. „Auch in Rüsselsheim und Eisenach bereiten wir uns wieder schrittweise auf den Wiederanlauf vor, der dann ebenfalls sehr zeitnahe erfolgen wird“, schrieb Opel-Chef Michael Lohscheller.

Die Nachfrage werde allerdings den Takt vorgeben. „Wir werden keine teuren, zusätzlichen Bestände aufbauen, sondern sehr präzise und zielgerichtet steuern, um unser Geschäft zu sichern.“ Im April war der Absatz coronabedingt um bis zu 90 Prozent eingebrochen.

Coronavirus: Justizminister warnt vor neuen Betrugsmaschen und Pishing-Attacken

Update vom 17. Mai, 16.26 Uhr: Der bayerische Justizminister Georg Eisenreich (CSU) warnte am Sonntag in München vor neuen Betrugsmaschen im Zusammenhang mit dem Coronavirus. Online gebe es verstärkt so genannte Phishing-Attacken, bei denen - etwa bei der Bestellung von Fake-Impfstoffen - Daten abgegriffen werden. Auch offline habe man bereits Fälle registriert, in denen sich Betrüger an Haustüren fälschlicherweise als Mitarbeiter des Gesundheitsamts ausgaben.

Nach Albert Füracker (CSU), Finanzminister in Bayern lehnt nun auch Hessens Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) den von Olaf Scholz (SPD) getätigten Vorschlag eines Milliarden-Schutzschirms für Gemeinden ab. Der CDU-Haushaltsexperte Eckhardt Rehberg wirft Scholz vor,  im Zuge der Coronakrise ein "altes Konzept zur Übernahme der kommunalen Altschulden durchzusetzen, das vorher keine Chance auf Umsetzung hatte". 

Im Kern dreht sich der Streit um eine Entlastung von Altschulden in Gemeinden, die aber nach dem Konzept solidarisch über die Bundesländer getragen werden müssten. Der deutsche Städte- und Gemeindetag begrüßte den Vorschlag.

Coronavirus: Bayern lehnt Schutzschirm für Gemeinden ab

Update vom 16. Mai, 17.56 Uhr: Bayern lehnt die Pläne des Bundesfinanzministeriums zu einem Milliarden-Schutzschirm für die wegen der Coronavirus-Krise in Not geratenen Kommunen ab. Der Vorschlag sieht vor, die Länder an der Finanzierung zur Hälfte zu beteiligen. „Die Vorschläge von Bundesminister Scholz wird Bayern keinesfalls mitmachen“, sagte Finanzminister Albert Füracker (CSU) am Samstag der Deutschen Presse-Agentur in München. „Wenn der Bund den Kommunen helfen möchte, darf er das gern tun - eine Zwangsverpflichtung der Länder nach den Regeln des Bundes ohne Absprache ist aber eine Unverschämtheit.“

Hilfe des Bundes in der Corona-Krise sei wünschenswert, „aber nur mit klarer Abstimmung mit den Ländern und ohne Koppelung an Altschuldentilgung“. Bayern stehe fest an der Seite seiner Kommunen und werde ihnen in der Krise helfen. „Wir ziehen zwei Milliarden Euro Zahlung an die Kommunen aus dem kommunalen Finanzausgleich vor, um schnell und effektiv zu helfen“, sagte Füracker.

In der Corona-Krise will Bundesfinanzminister Olaf Scholz (SPD) einen milliardenschweren Schutzschirm für Kommunen aufspannen und das drängende Altschuldenproblem gleich mitlösen. Ein Konzeptpapier aus seinem Ministerium sieht dazu ein Hilfspaket von bis zu 57 Milliarden Euro vor, das Bund und Länder jeweils zur Hälfte stemmen sollen. „Ich habe angekündigt, dass ich dazu Vorschläge machen will. Ich glaube, das ist jetzt auch der richtige Zeitpunkt sie zu diskutieren“, sagte Scholz dazu am Samstag in der SPD-Parteizentrale, dem Willi-Brandt-Haus. Es dürfe keine Zeit verloren werden.

Coronavirus: Weitere Hilfen gebilligt - Immobilienverband sieht gigantische Krise kommen

Ursprungsartikel vom 15. Mai: 

Berlin - Die Politik arbeitet mit Hochdruck daran, der geschwächten Wirtschaft so gut wie möglich durch die Corona-Pandemie zu helfen. Der Bundesrat billigte am Freitag umfangreiche weitere Corona-Hilfen. Zudem kündigte Finanzminister Olaf Scholz (SPD) an, dass auch Künstler und Kulturschaffende vom geplanten Konjunkturprogramm gegen die Corona-Krise profitieren sollen.

Die Beschlüsse des Bundesrates ziehen diverse Neuerungen nach sich: Pflegebeschäftigte bekommen einen Bonus. Nach der aktualisierten Kurzarbeitergeld-Regelung werden künftig ab dem vierten Monat 70 Prozent des entgangenen Nettolohns gezahlt. Ab dem siebten Monat sind es 80 Prozent. Für Eltern erhöht sich die Leistung von 67 auf 77 Prozent. Für sie werden zugleich die Monate mit geschmälertem Gehalt bei der Berechnung des Elterngeldes weggelassen, auch der Plan, Lohnfortzahlungen zu stoppen, wurde zunächst gekippt.

Corona-Krise: Kurzarbeit ist bis zur Grenze des ursprünglichen Einkommens möglich

Die Kurzarbeit hat auf verschiedenste Weise für Diskussionen gesorgt. Nun dürfen Angestellte in Kurzarbeit ab 1. Mai bis Ende des Jahres soviel dazuverdienen, dass sie ihr volles Monatseinkommen erreichen.  Allerdings darf die Bundesregierung bis 2021 die Bezugsdauer des Kurzarbeitergeldes* von zwölf auf 24 Monate verlängern. Für Menschen, deren Anspruch auf Arbeitslosengeld sich in der Zeit vom 1. Mai 2020 bis zum 31. Dezember 2020 erschöpfen würde, wird die Anspruchsdauer um drei Monate verlängert. Auch Studenten und Wissenschaftler, die gerade promovieren oder habilitieren, bekommen Erleichterungen bei ihren Arbeitszeiten und denBafög-Regeln.

Auch dem Kultur- und Sportbetrieb kommt der Staat entgegen. Sie dürfen für Tickets, die vor dem 8. März verkauft wurden, Gutscheine ausstellen. Zusätzlich Hoffnung dürfte Finanzminister Olaf Scholz (SPD) der Kulturbranche, insbesondere den Künstlern gemacht haben. Laut ihm sollen sie vom neuen Konjunkturprogramm profitieren.

„Das muss und wird Teil des Programms sein“, versprach Scholz. Kunst und Kultur seien für das Zusammenleben von allergrößter Bedeutung - ihre Arbeit müsse daher abgesichert werden. Details zum geplanten Konjunkturprogramm will Scholz aber erst Anfang Juni nennen. Er machte jedoch deutlich, dass es sich auch an Gastronomie, Hotels und Veranstalter richten soll. Wichtig sei, dass die Konjunkturhilfen zur richtigen Zeit, zeitlich befristet und zielgerichtet wirkten.

Video: Bundeskanzlerin Angela Merkel sagt Künstlern in der Corona-Krise Hilfen zu

Immobilienwirtschaft schlägt Alarm: „Anfang einer gigantischen Krise“

Inzwischen tun sich immer neue Löcher auf. Auch die Immobilienwirtschaft schlägt Alarm. „Wir stehen am Anfang einer gigantischen Krise“, sagte Andreas Mattner, Präsident des Zentralen Immobilien Ausschuss (ZIA), dem Spiegel. Einzelhändler hätten binnen eines Monats rund 30 Milliarden Euro Umsatz verloren und Eigentümer von Handelsimmobilien bis zu 70 Prozent der Mieterlöse eingebüßt.

Auch für Mai und Juni sei trotz der Wiederöffnung von Geschäften nur eine Teilzahlung zu erwarten. Keiner könne einen solchen Ausfall schadlos drei Monate durchhalten, sagte Mattner. Was demnächst leer stehe, sei in diesen Zeiten nur schwer wieder vermietbar. Die Fußgängerzonen füllten sich dem Verband zufolge nur langsam: Die Kundenfrequenz in den Innenstädten liege 50 bis 60 Prozent unter dem Vorjahreswert.

Aufgrund der Corona-Krise will die Warenhauskette Galeria Karstadt Kaufhof nun drastische Konsequenzen ziehen. Eine Laufschuhkette muss sogar alle Filialen in Deutschland, Österreich und der Schweiz schließen - was einem Politiker sauer aufstößt.

Heftigen Vorwürfen sieht sich VW ausgesetzt - es geht um einen Werbespot, der rassistische Ressentiments bedient.

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