Rezession in Deutschland

Corona-Krise: Airbus streicht 15.000 Stellen – Deutschland stark betroffen

Die Corona-Pandemie kostet die Weltwirtschaft viele Billionen Dollar. Airbus zieht Konsequenzen.

  • Die Horror-Nachrichten für die Wirtschaft in Deutschland ebben nicht ab.
  • Die Folgen der Corona-Krise* sind gravierend. 
  • Auch die Wirtschaftsweisen mussten ihre Prognose zum Konjunktureinbruch korrigieren.

Update vom Dienstag, 30. Juni 2020, 20.38 Uhr: Der Flugzeugbauer Airbus will wegen der Luftfahrt-Krise weltweit 15.000 Stellen streichen. Allein in Deutschland sollen etwa 5100 Stellen betroffen sein, teilte der Flugzeugbauer mit Schaltzentrale im französischen Toulouse am Dienstagabend mit. „Die Branche befindet sich in einer beispiellosen Krise“, hieß es in einer Mitteilung. Es werde erwartet, dass sich der Luftverkehr nicht vor 2023 erholen werde und möglicherweise erst 2025 wieder auf dem Niveau von vor Corona sein werde.

Luftfahrt in der Corona-Krise: Aerotec in Augsburg betroffen

In Deutschland sollen von den Streichungen auch Stellen der Airbus-Tochter Premium Aerotec mit Sitz in Augsburg betroffen sein. Außerdem will Airbus 5000 Stellen in Frankreich, 900 in Spanien, 1700 in Großbritannien und 1300 an weiteren weltweiten Standorten streichen. Die Einzelheiten dieses Plans müssten noch mit den Sozialpartnern abgestimmt werden. Betriebsbedingte Kündigungen könnten nicht ausgeschlossen werden, hieß es weiter.

+++ 12.45 Uhr: Die irische Billigfluggesellschaft Ryanair klagt gegen die Genehmigung der

EU-Kommission der Staatshilfen für die Lufthansa. Ryanair werde wie in allen Fällen von gebilligten Corona-Hilfen für Airlines auch gegen die frisch gefällte Lufthansa-Entscheidung Rechtsmittel einlegen, sagte der Leiter der Rechtsabteilung des Unternehmens, Juliusz Komorek, am Donnerstag. Covid-19 könne keine Ausrede sein, das Wettbewerbsrecht zu ignorieren.

Ryanair geht bereits gegen die Staatshilfen für Air France und die skandinavische Airline SAS vor. Eine Klage gegen die Hilfen für die finnische Gesellschaft Finair sei zudem in Vorbereitung, sagte Komorek.

Ryanair-Chef Michael O'Leary hatte die Lufthansa im Mai als „abhängig“ von Staatshilfen bezeichnet. Andere Airlines kämen mit der Unterstützung für Kurzarbeit aus. Lufthansa bekomme für seine Tochterunternehmen darüber hinaus auch noch Geld von den Regierungen der Schweiz, Österreichs und Belgiens. Deutschland ist einer der wichtigsten Märkte für Ryanair.

Lufthansa-Rettungspaket der Bundesregierung genehmigt.

+++ 09.55 Uhr: Die Wettbewerbshüter der EU-Kommission haben das Lufthansa-Rettungspaket der Bundesregierung genehmigt. Die Freigabe der Rekapitalisierungshilfen in Höhe von neun Milliarden Euro unterliegt allerdings der Bedingung, dass die größte deutsche Fluggesellschaft Verpflichtungen zur Vermeidung von Wettbewerbsverzerrungen einhält.

Zu diesen zählt, dass die Lufthansa Start- und Landerechte an den Hauptstandorten Frankfurt und München abgeben muss. Dies soll es der Konkurrenz ermöglichen, eine Basis mit bis zu vier Flugzeugen an den Standorten aufzubauen.

Der Rettungsplan für die Lufthansa sieht vor, dass der staatliche Wirtschaftsstabilisierungsfonds (WSF) im Zuge einer Kapitalerhöhung Aktien zeichnet, um eine Beteiligung von 20 Prozent am Grundkapital der Fluggesellschaft aufzubauen.

Der Internationale Währungsfonds kappt seine Konjunkturprognose erneut

Update vom Donnerstag, 25.06.2020, 07.35 Uhr: Der Internationale Währungsfonds (IWF) hat seine Konjunkturprognose erneut gesenkt: Es droht eine Rezession von historischem Ausmaß - und das auch für die Eurozone und Deutschland. „Wir sind in einer beispiellosen Krise“, sagte Chefvolkswirtin Gita Gopinath am Mittwoch bei der Vorlage der jüngsten IWF-Prognose in Washington.

Die Weltwirtschaftsleistung soll demnach in diesem Jahr um 4,9 Prozent einbrechen. Im April hatte der IWF noch einen Rückgang um 3 Prozent vorhergesagt. Im Januar, vor der Ausbreitung des Coronavirus, hatte der IWF noch mit solidem Wachstum gerechnet.

Dies werde die „schlimmste Rezession seit der Weltwirtschaftskrise“ vor rund 90 Jahren sein, warnte Gopinath. Armut und Arbeitslosigkeit würden sich dadurch global verschärfen. Die globale Wirtschaftsleistung werde infolge der Pandemie in diesem und im nächsten Jahr insgesamt um 12,5 Billionen Dollar (11 Billionen Euro) geringer ausfallen, erklärte Gopinath. Kein Land der Welt sei von den Konsequenzen der Pandemie verschont geblieben.

Nächster Traditionskonzern in Schwierigkeiten

Update vom Mittwoch, 24. Juni 2020: Nach der Lufthansa hat nun wohl auch Thyssenkrupp bei der Bundesregierung um staatliche Hilfe gebeten haben. Dies jedenfalls schreibt das Internetportal „Business Insider“

Aus Regierungskreisen heißt es dem Bericht nach, Thyssenkrupp suche nach Finanzpartnern für seine Stahl- und Marine-Sparte. Beide Bereiche bewegen sich in einen wirtschaftlich schwierigen Umfeld. 

Wie viel Geld Thyssenkrupp benötigt und wie zeitlich kritisch die Suche nach Finanzpartnern ist, ist den Angaben zufolge noch offen.

VW gibt keine Rabatte für E-Autos

Update von Dienstag, 23.06.2020, 18.40 Uhr: In vielen Bereichen suchte man die von der Corona-Krise gebeutelte Wirtschaft in Deutschland wieder anzukurbeln. So hat die Bundesregierung beispielsweise eine Senkung der Mehrwertsteuer beschlossen. 

VW will seinen Kunden davon jetzt etwas zurückgeben und gibt ihnen beim Kauf eines Neuwagens Rabatte. Das gelte allerdings nicht für Elektroautos, so der VW Konzern in einer Pressemitteilung. Wieso gerade die E-Autos bei VW, der e-up! sowie die ID.3.-Linie, nicht Teil des Rabatt-Angebotes sind, erklärt der Konzern allerdings nicht.

In der Corona-Krise, die der Wirtschaft in Deutschland stark zusetzt, gibt VW jetzt Rabatte auf Neuwagen, außer auf Elektroautos.

Wirtschaftsweisen rechnen mit noch drastischerem Konjunktureinbruch

Erstmeldung von Dienstag, 23.06.2020: Frankfurt - Die Wirtschaft in Deutschland ächzt unter dem Druck der Corona-Krise. Und der Konjunktureinbruch könnte im Jahr 2020 deutlich gravierender ausfallen, als bisher erwartet wurde. So haben auch die sogenannten Wirtschaftsweisen ihre Prognose zum Konjunktureinbruch nochmals verschärft.

Corona-Krise: Wirtschaftsweisen prognostizieren stärkeren Einbruch der Konjunktur

Ursprünglich hatte das Gremium der Wirtschaftsweisen bereits Ende März eine Prognose zu den Auswirkungen der Corona-Krise auf die deutsche Wirtschaft abgegeben. Damals war der Sachverständigenrat als wahrscheinlichste Prognose von einem fünf Wochen andauernden „Lockdown“ ausgegangen, nach dem die Einschränkungen für Unternehmen und Konsumenten wieder gelockert werden würden. Dieser Annahme zufolge gingen die Wirtschaftsweisen im schlimmsten Fall von einem Konjunktureinbruch um 5,4 Prozent aus.

Jetzt scheinen die Wirtschaftsweisen noch drastischere Auswirkungen der Corona-Krise auf die deutsche Wirtschaft* zu erwarten. Unter anderem auf Twitter meldete das Gremium, es werde ein Konjunktureinbruch von bis zu 6,5 Prozent befürchtet.

Wirtschaft in der Corona-Krise: Exportwirtschaft mit drastischen Rückgängen

Dass die Krise die Wirtschaft in Deutschland schlimmer treffen könnte, als noch im März erwartet, hatte sich bereits abgezeichnet. Die Industrieproduktion sank auf den tiefsten Stand seit 20 Jahren und für die Exportwirtschaft hatte der April keine Besserung parat. So brach der Deutsche Export um 30 Prozent gegenüber dem Vormonat ein. Ebenso litten Inlandstourismus und Gastgewerbe stark unter den Folgen der Corona-Pandemie. Ein Anstieg an Firmenpleiten wird von vielen Experten erwartet.

Trifft die Corona-Krise die Wirtschaft in Deutschland härter als erwartet? Die Wirtschaftsweisen korrigieren ihre Prognose vom März.

Dass man die Ende März getroffene Prognose noch einmal korrigieren wolle, hatte der Vorsitzende des Gremiums der Wirtschaftsweisen, Lars Feld, bereits im Mai angekündigt. Lars Feld nannte bei dieser Ankündigung auch einen weiteren Faktor für die brenzliche Lage der Wirtschaft in Deutschland: „Der Lockdown hat länger gedauert, und die Außenwirtschaft wird härter getroffen als erwartet. Vor allem im Hinblick auf die USA waren wir deutlich zu optimistisch."

Corona-Krise: Schwerste Rezession in Deutschland seit dem Zweiten Weltkrieg

Noch düsterer sieht der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) in die Zukunft. Er ging Mitte Mai sogar von „mindestens zehn Prozent“ Konjunktureinbruch aus. Und auch die Bundesbank kalkuliert mit einem Minus von 7,1 Prozent.

Auch in der Wirtschafts- und Finanzkrise im Jahr 2009 war das Bruttoinlandsprodukt (BIP) nur um 5,7 Prozent eingebrochen. Aufgrund der Corona-Krise rechnen Experten nunmehr mit der schwersten Rezession in Deutschland seit dem Zweiten Weltkrieg. (slo mit dpa)

*fr.de ist Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerks.

Rubriklistenbild: © dpa / Silas Stein

Mehr zum Thema