400 Millionen Euro fehlen

Tausenden Apotheken droht Schließung: Staatsanwaltschaft ermittelt wegen Betrug

  • Der Rezeptabrechner AvP hat Insolvenz angemeldet.
  • Die Staatsanwaltschaft ermittelt wegen Betrug.
  • Bis zu 3500 Apotheken droht die Zahlungsunfähigkeit.

Düsseldorf - Schon Anfang September bemerkten einige Filialen, dass der Rezept-Abrechner AvP keine Zahlungen mehr tätigte. Das berichtete der Mitteldeutsche Rundfunk (MDR). Geschätzt schuldet AvP den Apotheken durchschnittlich 120.000 Euro. Insgesamt handelt es sich um 420 Millionen Euro. Einzelnen Filialen soll der Abrechner sogar mehr als eine Million Umsatz schulden.

Vor diesem Hintergrund sagte der Vorsitzende des Deutschen Apothekerverbandes (DAV) Fritz Becker dem MDR, dass in den kommenden Wochen womöglich viele Apotheken finanzielle Schwierigkeiten bekommen könnten.

Dem DAV zufolge ist rund jede sechste Apotheke in Deutschland AvP-Kunde. Insgesamt handelt es sich somit um 3500 Filialen, die sich nun infolge der AvP-Insolvenz um ihr Überleben sorgen müssen.

AvP-Abrechnungsbetrug: Ermittlungen wegen betrügerischer Insolvenz

Nachdem das Ausbleiben der Zahlungen bekannt wurde, stellte die deutsche Finanzaufsicht Bafin Mitte des Monats einen Insolvenzantrag für AvP, übertrug anschließend einem Senderbeauftragen die Geschäftsführung und erstatte zudem Strafanzeige gegen Mitarbeiter des Rezept-Abrechners. „Wir ermitteln gegen zwei Beschuldigte wegen Bankrotts“, erklärte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft, verweigerte jedoch Informationen darüber, um wen es sich bei den Verdächtigen handelt. In Haft befände sich aktuell niemand.

Die genauen Hintergründe der Insolvenz untersucht nun die Düsseldorfer Staatsanwaltschaft. Denn es besteht der Verdacht, dass es sich bei der Insolvenz um einen Betrug handelt, da vorher Vermögenswerte beiseite geschafft wurden. DAV-Chef Becker fordert laut dem MDR aus diesem Grund, dass die Angelegenheit schnellstmöglich aufgeklärt wird, sodass die Apotheken erfahren, wie es weiter gehen wird.

AvP-Abrechnungsbetrug: Ein Hilfsprogramm von Noventi könnte den Filialen helfen

Problematisch würde es für die Apotheken-Filialen besonders dann, wenn sich der Verdacht auf Insolvenz-Betrug bestätigt. Sofern die fehlenden rund 400 Millionen Euro nicht von den Behörden gefunden werden, kommen enorme finanzielle Verluste auf die Apotheken zu.

Noventi, das sich selbst „als Europas größtes Abrechnungsunternehmen im Gesundheitswesen“ bezeichnet, will die Filialen unmittelbar und unbürokratisch unterstützen. Das Unternehmen hat ein 250 Millionen Euro schweres Hilfsprogramm allein für die von der Angelegenheit betroffenen AvP-Kunden eingerichtet. *Merkur.de ist Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Zentralnetzwerks.

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