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Amazon greift zu umstrittener Maßnahme: Kamera soll Fahrer „schützen“ – Datenschützer laufen Sturm

Amazon-Logistik-Center: Der Internet-Versandhändler steht in den USA derzeit wegen einer neuen Kamera-Technologie für seine Fahrer in der Kritik.
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Amazon-Logistik-Center: Der Internet-Versandhändler steht in den USA derzeit wegen einer neuen Kamera-Technologie für seine Fahrer in der Kritik.

Neuer Ärger für Amazon: Der Konzern will die Sicherheit seiner Fahrer in den USA künftig mit Videokameras erhöhen. Datenschützer finden das gar nicht gut.

Seattle - Fahrer von Lieferwagen des Online-Versandhändlers Amazon in den USA sollen künftig bei ihrer Arbeit gefilmt werden. Das Unternehmen habe „kürzlich damit begonnen, eine Sicherheitstechnologie in unserer Flotte zu installieren, die auf Kameras basiert“, sagte eine Amazon-Sprecherin der Nachrichtenagentur AFP. Sie bestätigte damit entsprechende Berichte von US-Medien.

Das System solle den Lieferdienstpartnern dabei helfen, die Sicherheit „ihrer Fahrer auf der Straße zu gewährleisten“, erklärte eine Amazon-Sprecherin am Freitag gegenüber Merkur.de*. In der EU und in Deutschland werde die Technologie aber nicht eingesetzt, heißt es bei Amazon.

Amazon will seine Fahrer filmen: Warnhinweise in Echtzeit

Die Technologie basiert auf Künstlicher Intelligenz und gibt Warnhinweise in Echtzeit an die Fahrer, während diese auf der Straße unterwegs seien. Studien hätten gezeigt, dass auf diese Weise Unfälle um rund ein Drittel reduziert werden könnten, heißt es in einem Video, das die Technologie vorstellt.

Amazon nutzt Kameras des kalifornischen Herstellers Netradyne. Sie sind mit mehreren Objektiven ausgestattet und filmen sowohl die Straße als auch den Fahrer, nehmen aber keinen Ton auf und senden auch nicht „live“. Niemand könne sich einschalten und während der Auslieferungen zuhören, versicherte Amazon in dem internen Video. Die Warnungen werden etwa ausgelöst, wenn der Abstand zum vorausfahrenden Fahrzeug zu gering ist, der Transporter zu schnell unterwegs ist, oder der Fahrer abgelenkt ist, etwa, weil er unterwegs auf sein Handy schaut.

Amazons neues Sicherheitskonzept: Datenschutz-Aktivisten fordern sofortigen Stopp

Mehrere Organisationen, die für den Arbeitsschutz im digitalen Zeitalter kämpfen, liefen Sturm gegen diese umfangreiche „Überwachung“. Amazon müsse diese Praxis „sofort stoppen“, forderten etwa die Datenschutz-Aktivisten von Fight for the Future. Die Organisation gilt als einer der schärfsten Kritiker des Unternehmens. Der US-Kongress müsse zudem eine umfangreiche Untersuchung der Überwachungstätigkeiten des Konzerns einleiten.

Amazon ist in den USA der zweitgrößte Arbeitgeber. Das Unternehmen beschäftigt dort mehr als 800.000 Menschen. Allerdings steht der Konzern wegen der Arbeitsbedingungen regelmäßig in der Kritik. Auch in Deutschland gibt es immer wieder Streiks* und vor allem Forderungen nach höheren Löhnen und einem Tarifvertrag. Erst am Dienstagabend hatte Amazon-Chef Jeff Bezos angekündigt, den Chefposten aufzugeben und in den Verwaltungsrat zu wechseln. (AFP/utz) *Merkur.de ist Teil des bundesweiten Ippen Digital Redaktionsnetzwerks.

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