Wenn die Sommerferien zur Gefahr werden - Zwangsehen im Heimatland

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Sommerferien als Risiko - Die Gefahr der Zwangsehe. Foto: Wolfram Steinberg/dpa.

Ein Flug ins Heimatland ihrer Eltern kann für Schülerinnen mit ausländischen Wurzeln schnell zu einem Risiko werden: Es droht die Zwangsehe.

Bald sind Sommerferien und das bedeutet für viele: Urlaubszeit! Doch der Sommertraum kann für junge Mädchen mit ausländischen Wurzeln schnell zum Risiko werden.

  • Manche Urlaube enden für junge Mädchen mit der Zwangsehe.
  • Es gibt keine verlässlichen Zahlen zum Ausmaß von Zwangsehen.
  • Hilfsorganisationen warnen, dass Zwangsehen kein Einzelfall sind.

Ein Flug ins Heimatland kann für Schülerinnen mit ausländischen Wurzeln schnell zu einem Risiko werden - Zwangsverheiratung im Heimatland ihrer Eltern. Das erklärt Petra Koch-Knöbel. Sie ist Frauenbeauftragte im Berliner Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg

Zwangsehen seien kein Einzelfall

Die Frauenrechtsorganisation Terre des Femmes weiß ebenfalls um das Risiko der Zwangsehen. "Zwangsverheiratungen in Berlin sind keine Einzelfälle", sagt Referentin Myria Böhmecke. Das Problem sei kein typisches islamisches Phänomen, sondern es hat seinen Ursprung eher in streng patriarchalischen Familienstrukturen.

"Die meisten Mädchen haben eine Ahnung, um was es geht. Aber viele glauben, dass sie vor Ort noch Nein sagen können oder dass es nur um eine Verlobung geht", erklärt Böhmecke. "Das stimmt aber oft nicht. Sobald sie dort sind, werden ihnen der Pass, das Rückflugticket und das Handy abgenommen. Sie werden entweder eingesperrt oder stehen unter massiver Kontrolle."

Keine verlässlichen Zahlen

Verlässliche Zahlen gibt es keine. Nur Annäherungen. Die aktuellsten Zahlen aus einer Umfrage zeigen 570 Fälle rund um das Thema Zwangsehe im Jahr 2017.

Ein Großteil der Betroffenen war zwischen 16 und 21 Jahren mit arabischen und türkischen Wurzeln. Die Familien stammten aber auch zum Teil aus kurdischen Gebieten, vom Balkan, aus Bulgarien und Rumänien. Außerdem gab es jüdische, jesidische und christliche Elternhäuser.

Laut der Berliner Umfrage wurden 117 Zwangsehen vollzogen, 92 Mal geplant und 113 Befürchtungen der Zwangsehe. Koch-Knöbel geht aber davon aus, dass die Dunkelziffer viel höher sei. Zuletzt gab es am Flughafen in Düsseldorf einen Vorfall, bei dem eine Familie kurz vorm Einchecken von der Polizei aufgehalten wurde. 

Nein sagen ist oft schwer

Referentin Böhmecke rät davon ab, in Flugzeuge zu steigen. Auch mit deutscher Staatsangehörigkeit sei es schwierig, die Ehen rückgängig zu machen.

Nein sagen ist dabei oft schwer. "Mädchen werden manchmal unter falschen Versprechungen in das Herkunftsland ihrer Eltern gelockt. Ihnen wird zum Beispiel gesagt, dass sie nur in die Ferien fahren," betont Böhmecke.

Weiter erklärt sie: "Die Jugendämter sind häufig mit anderen Gewaltvorfällen beschäftigt und überfordert. Zwangsverheiratungen im Ausland, für die es häufig keine Beweise und Zeugen gibt, fallen deshalb oft hinten runter."

Gesetz zur Bekämpfung der Kinderehen

Das Gesetz zur Bekämpfung von Kinderehen gilt in Deutschland seit 2017. So richtig umgesetzt, werde das laut Böhmecke aber noch nicht. Es fehle an Leitfäden und Schulungen für Behörden und auch Präventionsmaßnahmen und Aufklärung in Schulen.

In Dortmund kämpft diese Frau nach 22 Jahren, die sie in Deutschland lebt, gegen ihre Abschiebung.

Auch diese Frauen wurde gezwungen etwas zu tun, was sie in keinster Weise wollte.

Gegen den Zwang in den USA, ein ungeborenes Kind austragen zu müssen, protestierten zuletzt Promis wie Rihanna oder Rapper P. Diddy. Mit dpa-Material