Ermittlungen laufen auf „Hochtouren“

Terroranschlag in Wien: Ex-DFB-Nationalspieler schildert Szenen - Auch Tennisprofi war „ganz in der Nähe“

Terror in Wien: Innenminister Nehammer gibt Details zum Täter bekannt. Mittlerweile gibt es fünf tote Passanten.

  • In Wien kam es am Montag (2.11.) zu einem Terror-Anschlag. Es gibt sechs Tatorte und fünf Tote.
  • Laut österreichischem Innenministerium hat einer der mutmaßlichen Täter, ein 20-Jähriger, einen österreichischen und nordmazedonischen Pass und wurde erschossen (Updates 10.23 Uhr und 11.08 Uhr).
  • Ein Komplize ist wohl noch auf der Flucht. Am Dienstag gibt es noch keine Entwarnung. Bürger sollen zu Hause bleiben.
  • Dieser News-Ticker wird laufend aktualisiert.

17.56 Uhr: Es ist eine Deutsche unter den Opfern. Dies bestätigte der deutsche Außenminister Heiko Maas.

15.07 Uhr: Das österreichische Innenministerium hat noch keinen Hinweis auf einen zweiten Täter beim Terroranschlag in Wien. Das gehe aus den bisherigen Ermittlungen und der Auswertungen von vielen der rund 20.000 Videos hervor, die die Bürger der Polizei zur Verfügung gestellt hätten, sagte Innenminister Karl Nehammer in Wien.

Nach Hausdurchsuchungen im Umfeld des erschossenen 20 Jahre alten Attentäters seien 14 Verdächtige vorläufig festgenommen worden. Dem bereits wegen versuchter Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung inhaftierten Mann sei es gelungen, die Behörden bei seiner vorzeitigen Entlassung über den Misserfolg seiner Deradikalisierung zu täuschen, so Nehammer. Es habe keine Warnhinweise über die Gefahr durch den 20-Jährigen gegeben.

14.14 Uhr: Ein fünftes Opfer ist mittlerweile bestätigt. Wie oe24.at berichtet, ist ein 21-Jähriger seinen schweren Verletzungen im Spital erlegen.

13.27 Uhr: Neben dem Fußball-Trainer Patrick Helmes war auch der ehemalige Tennisprofi Nicolas Massu nah am Geschehen in Wien. Der Tennis-Olympiasieger im Einzel und Doppel, seit April 2019 Trainer des österreichischen US-Open-Siegers Dominic Thiem, twitterte zunächst: „Hallo Leute, ich bin im Zentrum von Wien ganz in der Nähe der Angriffe.“ Später ergänzte er: „Ich bin bereits im Hotel. Wir waren vorsichtshalber im Restaurant eingesperrt. Danke an alle für die besorgten Nachrichten.“

Nach Anschlag: Wien ersucht Nordmazedonien um Täter-Informationen

12.56 Uhr: Österreich hat sich an die Behörden in Nordmazedonien gewandt, von wo der Attentäter von Wien stammte. Dies teilte das nordmazedonische Innenministerium am Dienstag in der Hauptstadt Skopje mit. Die österreichische Polizei habe über den Polizeiverbund Europol um Zusammenarbeit und relevante Informationen über den Attentäter ersucht, berichtete der Fernsehsender A1.

Namen und Herkunft nach gehörte der Terrorist der albanischen Minderheit in Nordmazedonien an. Wie lokale Medien am Dienstag berichteten, stammte er aus dem Dorf Celopek (albanisch: Cellopek) nahe der Stadt Tetovo. Das Gebiet ist nahezu ausschließlich von ethnischen Albanern bewohnt. Diese Minderheit bildet etwa 25 Prozent der Bevölkerung des kleinen Balkanlandes und bekennt sich größtenteils zum Islam. Die Mehrheitsbevölkerung besteht aus orthodoxen slawischen Mazedoniern.

Der Islam gilt auf dem Balkan als moderat. Während und nach dem Bosnien-Krieg (1992-1995) setzte unter dortigen Muslimen eine begrenzte Radikalisierung ein. So schlossen sich mehrere Hundert vornehmlich junge Muslime vom Balkan um 2014 der Terrormiliz IS an, als diese vorübergehende militärische Erfolge in Syrien und im Irak verzeichnete. Die Regierungen der Balkanländer stellten die Mitgliedschaft im IS unter Strafe. Zahlreiche IS-Rückkehrer wurden vor Gericht gestellt und verurteilt.

Anschlag in Wien: Bayern erhöht Kontrollen und Fahndung an Grenze

12.30 Uhr: Bundes- und Grenzpolizei in Bayern haben Kontrollen sowie Fahndung an der Grenze zu Österreich noch in der Nacht verstärkt. Man stehe in engem Kontakt mit den Behörden des Nachbarlands und dem Bundeskriminalamt, um die aktuelle Gefährdungslage zu bewerten, sagte Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU).

„Der Terroranschlag in Wien zeigt leider einmal mehr die hässliche Fratze des islamistischen Terrorismus“, so Herrmann. Auch in Bayern gebe es eine „Reihe gefährlicher Islamisten“, die im Fokus von Polizei und Verfassungsschutz stünden.

12.15 Uhr: Nähere Details zum Täter wurden nun bekannt. Der 20-jährige Kujtim F. hatte laut österreichischem Innenministerium am Montagabend nahe der Hauptsynagoge in der Wiener Innenstadt um sich geschossen, mindestens vier Menschen getötet und mehr als ein Dutzend weitere verletzt. Danach wurde er von der Polizei erschossen. Mindestens sieben Menschen seien „in kritischem, lebensbedrohlichem Zustand“, sagte eine Klinikverbandssprecherin. Ein Polizist sei vom Täter niedergeschossen und verletzt worden, sagte Kurz. Nach Angaben der Kliniksprecherin befindet er sich „kritisch-stabilem“ Zustand.

Innenminister Nehammer erklärte am Dienstag zum Attentäter: „Er war mit einer Sprengstoffgürtel-Attrappe und einer automatischen Langwaffe, einer Faustfeuerwaffe und einer Machete ausgestattet, um diesen widerwärtigen Anschlag auf unschuldige Bürgerinnen und Bürger zu verüben.“ Es habe umfangreiche Razzien im Umfeld des Täters gegeben. Dabei seien mehrere Personen festgenommen worden.

In St. Pölten wurden zwei Menschen festgenommen. Wie APA unter Berufung auf einen Polizeisprecher berichtete, gab es in der niederösterreichischen Landeshauptstadt zudem zwei Hausdurchsuchungen. Der „Kurier“ berichtete am Dienstag auf seiner Website, es handele sich um Kontaktadressen des mutmaßlichen Attentäters. Widerstand geleistet habe niemand. Österreich ehrt die Opfer des Terrorakts vom Montagabend mit einer dreitägigen Staatstrauer.

Der Polizei zufolge gab es sechs verschiedene Tatorte. Einer davon liegt direkt neben der Synagoge. Der Vorsitzende der Israelitischen Kultusgemeinde, Oskar Deutsch, schrieb auf Twitter, es könne nicht gesagt werden, ob sie eines der Ziele war.

Terroranschlag in Wien: Schweigeminute bei Champions-League-Spiel

11.54 Uhr: Nach dem Terror-Anschlag wird es vor dem Champions-League-Spiel des FC Bayern München am Dienstag (21.00 Uhr) bei Red Bull Salzburg eine Schweigeminute geben. Der österreichische Meister trägt im Gedenken an die Opfer zudem Trauerflor. Dies berichtete die Nachrichtenagentur Apa.

Von erhöhten Sicherheitsvorkehrungen rund um das Stadion sei vorerst nicht die Rede gewesen. Die Salzburger Polizei habe indes angekündigt, unter anderem auf öffentlichen Plätzen, Verkehrsknotenpunkten und in der Salzburger Altstadt erhöhte Präsenz zu zeigen. Der FC Bayern war am Montagabend mit dem Bus in Salzburg zum nächsten Gruppenspiel angekommen.

11.41 Uhr: Nur neun Minuten nach den ersten Schüssen soll der Attentäter von Wien bereits selbst von WEGA-Polizisten (Sondereinheit der österreichischen Polizei) erschossen worden sein. Das berichtet die „Bild“. Demnach habe der Terrorist auch einen Sprengstoffgürtel getragen, der sich als Attrappe herausgestellt habe. Um 4.35 Uhr wurde die Leiche des Attentäters demnach abtransportiert.

Ex-Fußball-Nationalspieler Patrick Helmes und Familie erlebten Terror in Wien mit

11.24 Uhr: Patrick Helmes und seine Familie haben die Terroranschläge am Montagabend in Wien miterleben müssen. Der 36-Jährige Ex-Fußball-Nationalspieler ist für den österreichischen Erstligisten Admira Wacker Mödling als Trainer tätig und besuchte mit dem Betreuerteam des Klubs sowie seiner Ehefrau und den beiden Kindern (2 Jahre, 6 Monate) ein Restaurant am Schwedenplatz.

„Wir waren mittendrin“, so Helmes zum „Express“, „nur 100 Meter entfernt.“ Auf der Straße seien Schüsse zu hören gewesen, flüchtende Menschen seien in das Restaurant gestürmt, teilweise unter Tische gesprungen, um Schutz zu suchen.

Der Ex-Bundesligaspieler und seine Familie verbarrikadierten sich im Müllraum. „Das war eine absolute Ausnahme und Stresssituation mit Bildern von Menschen in Todesangst, die man nicht sehen will“, so der langjährige Kölner und Leverkusener.

Das Personal habe die Türen verriegelt und die Aufzüge ausgeschaltet. Wenig später sicherten vermummte Einsatzkräfte das Gebäude in direkter Gefahrenlage. Erst um 2 Uhr nachts konnten die Gäste das Restaurant verlassen.

11.19 Uhr: Auch der Iran und die Türkei haben den tödlichen Terroranschlag in Wien scharf verurteilt. „Dieser Anschlag hat erneut gezeigt, dass Terrorismus und Extremismus keine Grenzen kennen und aus welchen Gründen auch immer zu verurteilen sind“, sagte Irans Außenamtssprecher Said Chatibsadeh am Dienstag. Ein Ende der Islamphobie im Westen könnte auch zu einem Ende des islamistischen Terrors führen, fügte der Sprecher nach Angaben der Nachrichtenagentur Isna hinzu.

„Wir sind traurig über die Nachricht, dass es infolge des Terroranschlags in Wien Tote und Verwundete gibt“, teilte das türkische Außenministerium mit. „Wir verurteilen diesen Angriff aufs Schärfste, sprechen den Familien derer, die ihr Leben verloren haben, unser Beileid aus und wünschen den Verwundeten baldige Genesung.“ Die Türkei stehe in Solidarität an der Seite Österreichs.

Terroranschlag in Wien: Mutmaßlicher Täter wollte sich dem IS anschließen und war in Haft

11.08 Uhr: Weitere Details zum Täter werden nun bekannt. Der mutmaßliche Attentäter wollte in der Vergangenheit nach Syrien ausreisen, um sich dort der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) anzuschließen. Er sei daran gehindert worden und stattdessen am 25. April 2019 wegen Mitgliederschaft in einer terroristischen Vereinigung zu 22 Monaten Haft verurteilt worden, sagte Österreichs Innenminister Karl Nehammer (ÖVP) der Nachrichtenagentur APA. Der Mann mit nordmazedonischen Wurzeln sei am 5. Dezember „vorzeitig bedingt entlassen“ worden. Er galt als junger Erwachsener und fiel damit unter die Privilegien des Jugendgerichtsgesetzes.

10.55 Uhr: Zwei junge Männer werden im Internet für ihren selbstlosen Einsatz während der Terrorattacke in Wien gefeiert. Recep Gültekin und Mikail Özen haben am Abend des Anschlags - noch während noch Schüsse fielen - einer älteren Dame und einem angeschossenen österreichischen Polizisten geholfen, wie auf Videos zu sehen ist.

„Wir wollten den letzten Kaffee vor den Ausgangssperren trinken und dabei sind wir mitten im Gefecht gelandet“, so Özen die Situation bei Instagram. Die beiden Kampfsportler hörten nach eigenen Aussagen am Schwedenplatz in der Innenstadt Wiens auf einmal Schüsse und sahen blutende Passanten. Ein Anwohner nahm die Szenen aus seiner Wohnung in einem oberen Stockwerk auf. 

Die Männer halfen zunächst einer älteren Dame, sich in Sicherheit zu bringen. Danach sahen sie einen verwundeten Polizisten. „Wir konnten einfach nicht nur zuschauen. Wir sind hingelaufen und haben ihn zum Krankenwagen befördert“, erklärte Özen. Dabei haben die beiden Wiener selbst ihr Leben riskiert, wie auf den Aufnahmen zu sehen war. In Videos auf ihrem Instagram-Account ist zu sehen, wie die Männer verletzt wurden und bluteten. Sie schienen aber auch nach ihrem Einsatz völlig ruhig. Gültekin musste wegen einer nach eigenen Aussagen „kleinen Schusswunde“ am Bein im Krankenhaus behandelt werden.

Die Männer verurteilten die Tat scharf: „Wir türkisch-stämmigen Muslime verabscheuen jegliche Art von Terror, wir stehen zu Österreich, wir stehen für Wien“, erklärte Özen.

10.43 Uhr: „Das Bundesheer hat den Objektschutz vollständig übernommen. Wir haben den nationalen Sicherheitsrat einberufen. Wir werden heute den Opfern des Anschlags gemeinsam gedenken. Um 12 Uhr soll es seine österreichweite Gedenkminute geben. Wir werden die Opfer niemals vergessen und gemeinsam unsere Grundwerte verteidigen.“

10.41 Uhr: „Unser Dank gilt den Rettungskräften und denen, die Zivilcourage gezeigt haben, auch denen, die Videos gemacht haben. Unser Dank gilt unseren internationalen Partnern, die sofort ihre Anteilnahme und Solidarität zugesprochen haben. Wir werden den Kampf gegen Extremismus und Terrorismus gemeinsam führen. Geeint durch unsere Werte stehen wir Seite an Seite.“

10.40 Uhr: „Wir dürfen nicht in deren Falle tappen. Der Islamismus möchte unsere Gesellschaft spalten. Unser Feind sind die Extremisten und Terroristen, nicht eine Religionsgemeinschaft. Es gab in unserer Gesellschaft keine Toleranz für Intoleranz geben. Es ist ein Kampf zwischen Zivilisation und Barbarei. Den werden wir mit aller Entschlossenheit führen.“

Kanzler Kurz: „Eindeutig islamistischer Anschlag“

10.38 Uhr: „Oft sehen wir Österreich als eine Insel der Seeligen. Wir haben das Glück, in einem grundsätzlich sicheren Land zu leben, aber die Welt ist nicht sicher. Der Anschlag war ein eindeutig islamistischer Anschlag und aus Hass motiviert. Die gestrige Nacht wird auf tragische Weise in unsere Geschichte gehen. Der Anschlag galt uns allen, unserer Gesellschaft. Doch wir werden uns von den Terroristen nicht einschüchtern lassen. Wir werden die Täter jagen, sie verfolgen.“

10.35 Uhr: Kurz ist nun da. „Tief betroffen wende ich mich an Sie. Unsere Bevölkerung wurde gestern Ziel eines brutales Terroranschlages. Vier wehrlose Zivilisten wurden brutal ermordet: Es kamen ein älterer Mann und eine ältere Frau, ein junger Passant und eine Kellnerin ums Leben. Ein Exekutivbeamter wurde dabei angeschossen und verwunden. 14 weitere Menschen wurden schwer verletzt. Unser Mitgefühl gilt den Hinterbliebenen der Opfer.“

10.28 Uhr: Die Pressekonferenz mit Österreichs Kanzler Kurz beginnt in wenigen Momenten.

10.23 Uhr: Der Täter ist wohl ein 20-Jähriger mit nordmazedonischen Wurzeln ist. Der Verdächtige, den auch Sörs‘ Vorgesetzter, Österreichs Innenminister Karl Neuhammer (ÖVP) gegenüber der Nachrichtenagentur APA benannte, war einschlägig wegen Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung vorbestraft. Er wurde von der Polizei erschossen.

Update vom 3. November, 9.42 Uhr: Die Regierung hält angesichts des Anschlags um 9 Uhr - per Videokonferenz - einen Sonderministerrat ab. Um 10.30 Uhr wendet sich Kanzler Sebastian Kurz (ÖVP) dann in einer Rede an die Bevölkerung.

Terroranschlag in Wien: Viertes Todesopfer erliegt seinen Verletzungen - Unklarheit bei Tätersuche

Update vom 3. November, 7.56 Uhr: Wie oe24.at vermeldet, ist ein viertes, ziviles Todesopfer bestätigt. Innenminister Nehammer sagte der Agentur APA, dass eine Frau zwischen 40 und 50 Jahren im Krankenhaus gestorben sei. Zwei Frauen und zwei Männer fielen nun dem Terroranschlag zum Opfer. Außerdem starb der Täter.

Weiterhin ist unklar, ob der erschossene Täter noch Komplizen hatte. Die Behörde geht von maximal vier Tätern aus. Der Sprecher des Inneministeriums sagte, dass die Ermittlungen auf „Hochtouren“ laufen.

Wien: Terroranschlag bestätigt - Bürger sollen daheim bleiben - Grenzkontrollen werden verstärkt

Update vom 2. November, 7.10 Uhr: Bei der Terrorattacke in Wien sind nach Angaben der österreichischen Polizei am Montagabend drei Passanten getötet worden. Es handele sich um zwei Männer und eine Frau. Dazu komme der von der Polizei erschossene Täter, hieß es am Dienstagmorgen. Die Polizei sprach außerdem von mindestens 15 zum Teil schwer verletzten Menschen.

Der während des Anschlags in Wien von der Polizei erschossene Täter war ein Anhänger der Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS). Der österreichische Innenminister Karl Nehammer bezeichnete den getöteten Angreifer am Dienstagmorgen als „Sympathisanten der Terrormiliz IS“. Der Mann sei mit einem Sturmgewehr bewaffnet gewesen und habe außerdem eine Sprengstoffgürtel-Attrappe getragen. Er habe offenbar Panik verbreiten wollen.

Die österreichische Polizei fahndete unterdessen mit einem Großaufgebot von hunderten Beamten nach mindestens einem weiteren flüchtigen Attentäter.

Die Wohnung des Verdächtigen sei auf der Suche nach belastendem Material durchsucht worden, hieß es. 1000 Beamte seien in Wien im Einsatz. „Wir können derzeit nicht ausschließen, dass es noch andere Täter gibt“, sagte Nehammer. Die entsprechenden Ermittlungen liefen auf Hochtouren.

Wien: Terroranschlag bestätigt - Keine Entwarnung, Bürger sollen daheim bleiben - Grenzkontrollen werden verstärkt

Update 3. November, 1.20 Uhr: Vieles an der Lage in Wien ist weiterhin unklar. Für 6 Uhr ist eine weitere Pressekonferenz anberaumt. Bis dahin gilt in Wien: Bürger sollen dringend zu Hause bleiben. Mindestens ein Täter ist noch flüchtig.

Links: Ein Foto des Einsatzes in Wien. Rechts: Innenminister Karl Nehammer bei der Pressekonferenz in der Nacht.

Update 3.11., 1.12 Uhr: Der Generaldirektor für die öffentliche Sicherheit, Franz Ruf, kündigte an, dass die Kontrollen an den österreichischen Grenzen verstärkt würden. Innerhalb Wiens sollten nach seinen Angaben Straßensperren errichtet werden. 

Update 3.11., 1.10 Uhr: Innenminister Karl Nehammer trat nach dem Terroranschlag von Wien gegen 1.08 Uhr in einer Pressekonferenz für die Medien. Er nannte es den „schwersten Tag für Österreich seit vielen Jahren. Wir haben es mit einem Terroranschlag zu tun, dessen Heftigkeit wir zum Glück schon lange nicht mehr in Österreich erleben durften.“

Spezialeinheiten hätten einen Terroristen, der schwer bewaffnet mit einem Sturmgewehr war, ausgeschaltet. Mindestens ein Täter befinde sich auf der Flucht.

Die Bürger in Wien sollen zu Hause bleiben, die Innenstadt meiden. Zudem gebe es keine Schulpflicht am Dienstag, Eltern können ihre Kinder zu Hause lassen, sofern dies möglich sei. „Wer einen von uns angreift, der greift uns alle an“, so Nehammer weiter.

Unser Artikel mit Stand 3.11., 0.30 Uhr: Wien - Ein lauer Novemberabend vor dem Lockdown, Hunderte Menschen flanieren durch das Ausgehviertel Bermuda Dreieck in der Innenstadt von Wien. Plötzlich fallen zahlreiche Schüsse. Panik bricht aus. In der Nähe der Synagoge hat sich am Montagabend ein Vorfall ereignet, den Innenminister Karl Nehammer rund knapp zwei Stunden später als augenscheinliche Terrorattacke bezeichnet (zum Ticker).

Eine erste Bilanz der Polizei: Ein Täter erschossen, ein Passant starb ebenfalls. An sechs Tatorten sind Schüsse gefallen.

Terror in Wien: Keine Entwarnung bis 23.18 Uhr

Später konnte Innenminister Karl Nehammer weiter keine Entwarnung geben. Die Polizei sucht nach dem mutmaßlichen Terroranschlag in Wien weiterhin nach Tatverdächtigen. „Wir sind nach wie vor im Kampf gegen die mutmaßlichen Terroristen“, sagte Nehammer am späten Montagabend im ORF. Er gehe von mehreren schwer bewaffneten Tätern aus. Der Minister appellierte erneut an die Bürger, öffentliche Plätze zu meiden.

Auch die Polizei konnte um 23.18 Uhr in einem Tweet noch keine Entwarnung geben.

Wien: Sebastian Kurz bestätigt: „Definitiv ein Terroranschlag“ - Keine Entwarnung

Ähnlich äußerte sich Österreichs Kanzler Sebastian Kurz (ÖVP) - es gebe keine Entwarnung. „Es ist definitiv ein Terroranschlag“, sagte Kurz in der Nacht zum Dienstag dem Sender ORF. Er forderte die Bevölkerung auf, weiter an einem sicheren Ort zu bleiben und auf die Nachrichten zu achten. „Ob es möglich ist, morgen in der Früh ganz normal das öffentliche Leben aufzunehmen, das wird stark von der heutigen Nacht abhängen und ob es gelingt, die Verdächtigen zu fassen beziehungsweise auszuschalten“, sagte Kurz.

Das Motiv des Anschlags ist nach den Worten von Kurz weiter offen. Ein antisemitischer Hintergrund könne angesichts des Tatorts nicht ausgeschlossen werden, sagte Kurz mit Blick auf den Ort der ersten Schüsse nahe einer Synagoge. „Wir können zu dem Hintergrund noch nicht wirklich etwas sagen.“

Kurz nannte die Sicherheitslage in der Stadt weiterhin sehr angespannt, Einsatzkräfte suchten auf Hochtouren nach mehreren Tätern. Ein Täter sei ausgeschaltet worden. Kurz sprach von 15 Verletzten. Ein angeschossener Polizist sei mittlerweile außer Lebensgefahr.

Auch nach Mitternacht gab es noch keine Entwarnung. Das gesamte Zentrum der österreichischen Hauptstadt war weiträumig abgesperrt. An die zwei Millionen Einwohner appellierten die Behörden, zu Hause zu bleiben. Neben der Polizei waren auch Soldaten im Einsatz.

Für etwa 1 Uhr wird eine Pressekonferenz erwartet.

Terror in Wien: Ein Angreifer und ein Passant getötet - 15 Verletzte

Nach einer vorläufigen Bilanz wurden bei den Schusswechseln in der Wiener Innenstadt ein Angreifer und ein Passant getötet. Außerdem wurden nach Angaben der Rettungsdienste 15 Menschen teils schwer verletzt. Die Polizei sprach von sechs Tatorten. An dem Angriff seien mehrere Täter mit „Langwaffen“ beteiligt gewesen. Die ersten Schüsse seien in der Seitenstettengasse abgegeben worden, einer belebten Straße im Zentrum. Dort befindet sich auch die Synagoge. Der Vorsitzende der Israelitischen Kultusgemeinde, Oskar Deutsch, schrieb auf Twitter, es könne nicht gesagt werden, ob sie eines der Ziele war. „Fest steht allerdings, dass sowohl die Synagoge (...) als auch das Bürogebäude an derselben Adresse zum Zeitpunkt der ersten Schüsse
nicht mehr in Betrieb und geschlossen waren.“

Auf einem Video sei ein Täter zu sehen, wie er in der Nähe der Synagoge wahllos in die Lokale schieße, sagt der Chefredakteur des Stadtmagazins „Falter“, Florian Klenk. Ob die Synagoge selbst das Ziel des Anschlags war, bleibt zunächst unklar. Ein anderes Video zeigt eine große Blutlache vor einem Restaurant. Der Vorsitzende der Israelitischen Kultusgemeinde, Oskar Deutsch, schrieb auf Twitter, es könne nicht gesagt werden, ob der Stadttempel* eines der Ziele war. „Fest steht allerdings, dass sowohl die Synagoge in der Seitenstettengasse als auch das Bürogebäude an der selben Adresse zum Zeitpunkt der ersten Schüsse nicht mehr in Betrieb und geschlossen waren.“

Die Polizei hat alle verfügbaren Kräfte zusammengezogen und sucht nach den Tätern im historischen Zentrum der Zwei-Millionen-Stadt. Einige verunsicherte Passanten heben laut Klenk die Hände, damit die Polizisten sehen, dass sie unbewaffnet sind. Es macht das Gerücht die Runde, dass zumindest einer der Täter einen Sprengstoffgürtel trägt. Das steigert die Nervosität.

Terror in Wien: Google markiert Tatort mit Warnzeichen

Nach dem Anschlag in der Wiener Innenstadt hat Google einen der Tatorte mit einem Warnzeichen markiert. Auf der Seitenstettengasse am Schwedenplatz wurde im Kartendienst von Google ein rotes Ausrufezeichen mit der Beschriftung „Wien - Vorfall“ angezeigt. Die Polizei hatte zuvor getwittert, dass genau dort gegen 20 Uhr Schüsse gefallen seien.

Über der Innenstadt kreisen Hubschrauber, es herrscht am späten Abend Ausnahmezustand. Auf Videos, die der Privatsender „Oe24“ am Montagabend ausstrahlte, war ein maskierter Schütze zu sehen, der auf offener Straße zumindest zwei Schüsse abfeuerte. Ein anderes Video zeigte eine große Blutlache vor einem Restaurant.

Terror in Wien: Bürger sollen öffentliche Plätze meiden

Die Polizei rief die Bürger dazu auf, öffentliche Plätze zu meiden. „Wir sind mit allen möglichen Kräften im Einsatz. Bitte meiden Sie alle öffentlichen Plätze im Stadtgebiet“, hieß es bei Twitter. Zudem wurde darum gebeten, keine Videos oder Fotos hochzuladen. „KEINE Videos und Fotos in sozialen Medien posten, dies gefährdet sowohl Einsatzkräfte als auch Zivilbevölkerung!“

Nach dem mutmaßlichen Terroranschlag ist in der Wiener Innenstadt nun auch die Armee mit Soldaten im Einsatz. Das österreichische Bundesheer habe den gesamten Objektschutz in der Hauptstadt übernommen, berichtete die Nachrichtenagentur APA unter Berufung auf das Kanzleramt. Bundeskanzler Sebastian Kurz sprach von einem „widerwärtigen Terroranschlag“.

Polizisten kontrollieren eine Person nach dem Terroranschlag in Wien.

Die Straßen in den innenstadtnahen Bezirken haben sich am späten Abend geleert, vereinzelte Passanten gehen mit schnellerem Schritt vorbei. Vor einer Bar einige Straßen stadtauswärts des Rings sitzen noch einige Gäste, fast jeder von ihnen schaut gebannt auf sein Smartphone.

In der Wiener Innenstadt werden nach Angaben der Polizei zeitweise keine Haltestellen mehr vom öffentlichen Nahverkehr angefahren. „Bleiben Sie in Sicherheit, verlassen Sie öffentliche Orte umgehend“, twitterte die Polizei. (dpa/lin) *Merkur.de ist Teil des Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerks.

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