Sea-Watch-Kapitänin Rackete - jetzt will sie italiens Innenminister Salvini verklagen

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Carola Rackete aus Kiel, deutsche Kapitänin der "Sea Watch 3".Foto: Till M. Egen/Sea-Watch.org/dpa

Das Drama um das Rettungsschiff "Sea Watch 3" hat ein Ende. Nachdem die Kapitänin verhaftet wurde, ist sie nun wieder frei und will klagen.

Das Drama um das Rettungsschiff "Sea Watch 3" hat vorerst ein Ende. 40 Flüchtlinge konnten am Samstagmorgen (29. Juni) in Italien von Bord gehen. Nachdem die Kapitänin Carola Rackete unter Arrest war, wurde sie nun freigelassen.

  • "Sea Watch 3" hatte Mitte Juni 53 Flüchtlinge gerettet.
  • Die Kapitänin Carola Rackete war in der Nacht unerlaubt in den Hafen von Lampedusa eingelaufen.
  • Die Migranten konnten am Morgen von Bord gehen.
  • Carola Rackete wurde aus dem Arrest entlassen, jetzt will sie klagen.

Update, Samstag (6. Juli), 15.46 Uhr: Nachdem Kapitänin Carola Rackete festgenommen und unter Hausarrest gestellt worden war, strebt sie nun nach ihrer Freilassung eine Verleumdungsklage gegen italiens Innenminister Matteo Salvini an. Laut der Zeit habe ihr Anwalt bereits eine Klage vorbereitet.

Salvini hatte die deutsche Kapitänin immer wieder attackiert und beschimpft. Unter anderem bezeichnete er sie als Verbrecherin. Mit der Klage wollen Rackete und ihr Anwalt ein Zeichen gegen die Welle des Hasses setzen, die nach ihren Aussagen unter anderem von Salvini losgetreten und befeuert wurde.

Update, Mittwoch (3. Juli), 6.23 Uhr: Nachdem die Kapitänin Carola Rackete am Samstag unter Hausarrest gestellt wurde, wurde sie am Dienstag (2. Juli) wieder freigelassen. Ein italienischer Ermittlungsrichter hob den Arrest aus. Nun soll Rackete allerdings des Landes verwiesen werden. Sie stelle eine Gefährdung für die nationale Sicherheit dar. Sie selbst bezeichnete ihre Entlassung als einen großen Gewinn für die Solidarität mit Flüchtlingen und gegen die Kriminalisierung von Helfern.

In NRW und in Dortmund hat die Bewegung "Seebrücke" zu Demonstrationen aufgerufen. Dabei wolle man sich auch mit Rackete solidarisieren.

Erstmeldung:

Ein Schiff der deutschen Hilfsorganisation "Sea Watch" ist am Freitagabend (28. Juni) unerlaubt in den Hafen der italienischen Insel Lampedusa eingelaufen. Jetzt wurde es von den Behörden beschlagnahmt, die Kapitänin wurde festgenommen.

Ihr werden Beihilfe zur illegalen Einwanderung und Verletzung des Seerechts vorgeworfen. Ihr drohen laut der Nachrichtenagentur Ansa drei bis zehn Jahre Haft, weil sie Widerstand gegen ein Kriegsschiff geleistet haben soll.

Jan Böhmermann und Klaas Heufer-Umlauf haben einen Spendenaufruf für die Rechtskosten gestartet.

"Sea Watch 3" lag zwei Wochen vor Lampedusa

Das Schiff lag zwei Wochen auf offener See vor Lampedusa. Dann reichte es der Kapitänin: "Ich fahre in italienische Gewässer und ich bringe die Migranten in Sicherheit auf Lampedusa", hatte Carola Rackete zuvor gesagt.

Nur wenige hundert Seemeilen entfernt brach der Stromboli aus und spuckte Lava und Asche. Ein Mensch kam bei dem Vulkan-Ausbruch ums Leben.

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13 der 53 an der libyschen Küste aufgenommenen Menschen wurden bereits zuvor aus medizinischen Gründen nach Lampedusa gebracht.

Deutschland wollte Flüchtlinge aufnehmen

Laut Sea-Watch-Sprecherin Giorgia Linardi haben sich vier Länder - Deutschland, Portugal, Frankreich und Luxemburg - bereit erklärt, einige der 40 Migranten von dem Schiff zu aufzunehmen.

Auch Ullrich Sierau, Oberbürgermeister von Dortmund, hatte Innenminister Horst Seehofer aufgefordert, Flüchtlinge aus Seenot zu retten. Zuvor hatte bereits der Stadtrat beschlossen, mehr Flüchtlinge in Dortmund aufzunehmen. Die Grünen forderten die schon länger.

Salvini erklärt Carola Rackete zum "Feind"

Zuvor hatte Italiens Innenminister Matteo Salvini die Kapitänin als "Feind" bezeichnet. Sie konterte in einem Video: "Ich muss mich um mehr als 60 Menschen kümmern. Da muss sich Herr Salvini einfach hinten anstellen."

Seit Jahren streiten die EU-Länder über einen Mechanismus zur Verteilung der Bootsflüchtlinge. Salvini verlangte nun konkrete "Garantien" der aufnahmebereiten Länder, bevor die Menschen von Bord des Schiffes gehen dürften. Daneben sei die Regierung "entschlossen", gegen jeden vorzugehen, der die Gesetze gebrochen habe. Mit dpa-Material