War Walter Lübcke bereits sein zweites Opfer? Ermittlungen gegen mutmaßlichen Mörder ausgeweitet

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Mord an Walter Lübcke: Tatverdächtiger Stephan E.

Anfang Juni wurde Walter Lübcke (CDU) getötet. Für seinen mutmaßlichen Mörder Stephan E. scheint das nicht der erste Tötungsversuch gewesen zu sein.

Anfang Juni wurde Walter Lübcke (CDU) mit einem Schuss in den Kopf getötet. Doch der heimtückische Mord an ihn scheint für seinen mutmaßlichen Mörder Stephan E. nicht das erste schwere Gewaltverbrechen gewesen zu sein.

  • Walter Lübcke wurde am 2. Juni 2019 mit einem Schuss in den Kopf getötet.
  • Gegen seinen mutmaßlicher Mörder wird nun in einem zweiten Fall ermittelt.
  • Der Tatverdächtige Stephan E. gehört der rechtsradikalen Szene an.

Mord an Walter Lübcke warf neues Licht auf Fall aus 2016

Die Ermittlungen gegen Stephan E. laufen nun auch wegen des versuchten Mordes an einem irakischen Flüchtling. Das ging heute (19. September) aus einer Erklärung der Generalbundesstaatsanwaltschaft hervor. Der damals 22-Jährige war 2016 von einem bislang Unbekannten hinterrücks niedergestochen und schwer verletzt worden.

Die Ermittlungen zu dieser Gewalttat liefen jahrelang erfolglos, berichtet Spiegel Online. Doch nach dem Mord an Walter Lübcke rückte der mutmaßliche Mörder des Politikers auch in den Fokus der Ermittler im Fall des 22-jährigen Irakers.

Walter Lübcke wurde drei Jahre nach der Messer-Tat, an einem Sonntag im Juni 2019, erschossen. Gut zwei Wochen später setzte die Polizei einen dringend tatverdächtigen Mann fest: Stephan E. Der 45-Jährige steht seitdem unter Verdacht, Lübcke heimtückisch durch einen Kopfschuss getötet zu haben.

Erst versuchter Mord, dann Mord: Stephan E. gilt als Tatverdächtiger

Am Tag seiner Festnahme, dem 17. Juni 2019, gesteht der Tatverdächtige Stephan E. den Mord an Lübcke. Doch nur kurze Zeit später, am 2. Juli widerruft er sein Geständnis in dem Mordfall. Trotzdem ermittelt die Staatsanwaltschaft weiter gegen ihn als Mörder des CDU-Politikers, und jetzt auch wegen des versuchten Mordes an den Iraker in 2016.

Am 6. Januar soll der rechtsextreme Stephan E. in Lohfelden, nahe seines damaligen Wohnhauses, den Asylbewerber angegriffen haben. Er habe sich seinem Opfer von hinten genähert und ihm dann unvermittelt das Messer in den Rücken gestochen.

Ein hinterlistiger und heimtückischer Mordversuch, nach dem sein Opfer schwer verletzt auf der Intensivstation eines Krankenhauses behandeltet werden musste. Und das ganze aus niederen Beweggründen: Die Staatsanwaltschaft vermutet auch hier rassistische Motive.

Indizien belasten Tatverdächtigen schwer

Laut Spiegel Online sind es eine Reihe von Indizien, die Stephan E. auch in diesem Fall zum Tatverdächtigen machen. Auch diesmal gestand er zunächst, in eine verbale Auseinandersetzung mit dem Asylbewerber geraten zu sein. Wie auch im Fall Lübcke zog er sein Geständnis dann aber wieder zurück.

Walter Lübcke

Der hessische Landtagsabgeordnete Walter Lübcke. Foto: Uwe Zucchi dpa/lhe

Walter Lübcke war Abgeordneter des Hessischen Landtags. Von 2009 bis zu seinem Tod 2019 war der CDU-Politiker Regierungspräsident in Kassel. Der Politiker war für sein Engagement für Flüchtlinge und seinen Widerspruch gegen Pegida-Anhänger bekannt.

Die Messerattacke fand zudem nach Informationen von Spiegel Online nur 2,5 Kilometer vom Wohnhaus des mutmaßlichen Täters statt. Eine weitere Rolle spiele auch die offen rechtsextremistische Gesinnung und seine Vergangenheit als rechtsextremistischer Gewalttäter.