Militärische Strategie

Eskalation im Ukraine-Krieg: 9. Mai als „Wendepunkt“ – Ruft Putin den „weltweiten Krieg“ aus?

Russlands Präsident Putin könnte am 9. Mai, dem „Tag des Sieges“, eine neue militärische Mobilisierung verkünden. Fachleute sind sich weitestgehend einig.

Update vom Montag, 02. Mai, 14.30 Uhr: Zahlreiche Fachleute haben sich kürzlich zum möglichen weiteren Kriegsverlauf in der Ukraine geäußert. Die übereinstimmende Prognose dabei: Russland wird den 9. Mai, den „Tag des Sieges“ über Nazi-Deutschland, nicht nur für die jährlich stattfindende, pompöse Militärparade, sondern auch für eine erneute Mobilisierung von Streitkräften nutzen. Dieser Prognose hat nun auch der britische Verteidigungsminister zugestimmt, berichtet wa.de.

Russlands Präsident im Kreml, fotografiert im Jahr 2013. (Archivfoto)

Ben Wallace sagte im Interview mit LBC Radio, dass er eine entsprechende Ankündigung Wladimir Putins in Moskau erwarte. Es sei wahrscheinlich, dass der russische Präsident einen weltweiten Krieg gegen „Nazis“, als Teil der „Militäroperation“, ausrufe.

Somit könne Putin die schweren Verluste im Ukraine-Krieg möglicherweise „konsolidieren“, wie es Wallace nannte. Demnach gilt es als Option, dass Reservistengruppen in die Ukraine geschickt werden könnten. Die Versuche des Kreml, die Verluste zu kaschieren, bezeichnete der britische Verteidigungsminister als „erbärmlich“.

Ben Wallace, britischer Verteidigungsminister.

9. Mai als „Wendepunkt“ im Ukraine-Krieg – Putin ändert wohl Russlands Strategie

Erstmeldung vom Freitag, 29. April, 09.00 Uhr: Moskau – Der 9. Mai, ein Montag, spielt in Wladimir Putins Kriegsplanungen eine entscheidende Rolle. Der Kreml feiert an diesem Datum den Sieg über Nazi-Deutschland im Jahr 1945, den „Tag des Sieges“. Anlässlich dessen marschieren Soldaten in Moskau auf, eine pompöse Militärparade findet statt. An jenem Montag würde Putin wohl zu gerne einen weiteren Sieg verkünden: im Ukraine-Krieg.

Angesichts der Tatsache, dass Russlands Offensive im Donbass nur schleppend vorangeht, wird dieses Szenario immer unwahrscheinlicher. Deshalb gehen Fachleute nun davon aus, dass Putin seine Strategie ändern wird. Expertinnen und Experten des Thinktanks „Zentrums für europäische politische Analyse“ prognostizieren in einem Bericht, dass Russland am 9. Mai neue Truppen für den Krieg mobilisieren wird.

„Russlands Militär glaubt, dass es ein Fehler ist, die Ziele des Kriegs zu begrenzen. Sie argumentieren, dass Russland nicht die Ukraine bekämpft, sondern die Nato“, heißt es in der Analyse.

„Tag des Sieges“ am 9. Mai: Ändert Wladimir Putin seine Strategie im Ukraine-Krieg?

Ähnlich argumentieren Fachleute des „Royal United Services Institute“. In der neuesten Studie heißt es: „Der 9. Mai hat sich von einer Deadline für den Sieg in einen Beginn einer riesigen Mobilisierung gewandelt.“ Die schleppende Donbass-Offensive fordere eine größere Heeresstärke. Die Fachleute sprechen in diesem Kontext von einem „Wendepunkt“ im Ukraine-Krieg: „Der 9. Mai könnte der Tag sein, an dem die russische Führung nicht mehr von einer ‚militärischen Spezialoperation‘ spricht, sondern von ‚Krieg‘.“

Die Einschätzung der genannten Fachleute teilt auch Michael Mazarr vom Thinktank Rand Corporation. „Es könnten Drohgebärden der Russen sein. Aber es könnte auch stimmen und Putin ändert den Kurs tatsächlich. Das Risiko eines solchen Szenarios darf nicht ignoriert werden“, so Mazarr in einem Statement.

Im Zuge der Berufung von Alexander Dwornikow zum neuen Oberkommandierenden der russischen Armee im Ukraine-Krieg war bekannt geworden, dass Putin den „Tag des Sieges“ zum Zieldatum der Invasion ausgerufen hat. Das ging unter anderem aus einem internen Briefing der Nato hervor. Darin hieß es unter anderem: „Die russische Militärführung steht unter einem gewaltigen politischen Druck, endlich einen militärischen Durchbruch in der Ukraine zu erzielen, der auf der Parade am 9. Mai als Sieg präsentiert werden kann.“ (tu)

Rubriklistenbild: © Bertrand Langlois/AFP

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