42.000 Prostituierte in NRW: Trotz Gesetz melden sich nur wenige Frauen an

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Nur etwa jede zehnte Prostituierte in Nordrhein-Westfalen meldet sich behördlich an. Foto: Andreas Arnold/dpa

Seit 2017 gibt es in NRW das Prostituiertenschutzgesetz. Doch eine aktuelle Studie zeigt, dass nur wenige Prostituierte sich anmelden und beraten lassen.

Seit 2017 gibt es in NRW das Prostituiertenschutzgesetz. Doch eine aktuelle Studie zeigt, dass nur wenige Prostituierte sich wie vorgeschrieben anmelden und gesundheitlich beraten lassen.

Die Zahl der Prostituierten in Nordrhein-Westfalen wird auf 42.000 geschätzt. Angemeldet waren laut einem Bericht des Gleichstellungsministeriums zu Menschenhandel und Prostitution zum 31. März 2018 davon jedoch gerade einmal 3.900 Prostituierte.

Das bedeutet: Obwohl das Prostituiertenschutzgesetz in NRW seit Juli 2017 in Kraft getreten ist, meldet sich nur etwa jede zehnte Sexarbeiterin bei den Behörden an.

Trotz Gesetz: Prostituierte umgehen Kondompflicht

Dabei schreibt das Gesetz vor, dass sich Prostituierte in NRW bei den Behörden in Städten oder Kreisen anmelden und gesundheitlich beraten lassen müssen. Im Gegenzug erhalten sie einen amtlichen Ausweis, der ihre Beschäftigung bestätigt. Außerdem wurde die Kondompflicht beim Geschlechtsverkehr mit Freiern eingeführt.

Ziel des Gesetzes zum Schutz für Prostituierte ist, die Arbeitsbedingungen der Betroffenen zu verbessern und kriminelle Ausbeutung früher zu erkennen.

Wie die Zahlen des Gleichstellungsministeriums zeigen, verspricht die Umsetzung in der Praxis bislang jedoch keinen großen Erfolg. Gründe für die geringe Zahl der Anmeldungen seien unter anderem Angst vor dem Finanzamt oder auch Angst vor Stigmatisierung und demütigender Behandlung durch Behörden, heißt es in dem Bericht.

4.100 Prostituierte ließen sich gesundheitlich beraten

Das neue Gesetz habe in NRW zwar bei Kontrollen erste Erfolge bei der Identifizierung von Opfern von Zwangsprostitution gezeigt, jedoch nicht bei Anmeldung und Beratung. Auch die Kondompflicht werde oft umgangen. Immerhin die Zahl der gesundheitlichen Beratungen lag mit knapp 4.100 etwas höher.

Neben der Anmeldung zur Prostitution beschäftigt sich der Bericht des Gleichstellungsministeriums außerdem mit dem Thema Menschenhandel. Hier haben die Strafverfolger 2017 in NRW 131 Opfer von Menschenhandel zur sexuellen Ausbeutung identifiziert. Die meisten Opfer sind rumänisch (fast 30 Prozent), gefolgt von nigerianischen (20,6 Prozent), deutschen (17,6 Prozent) und bulgarischen (16,8 Prozent) Staatsangehörigen.

Des weiteren konnte man im vergangenen Jahr 130 Tatverdächtige ausmachen. Diese waren zu jeweils 18,5 Prozent Deutsche und Rumänen, gefolgt von Bulgaren und Nigerianern. Nach wie vor gehen die Behörden von einem großen Dunkelfeld in diesem Bereich aus.

NRW fördert spezialisierte Beratungsstellen

Umso wichtiger ist es, dass Prostituierte sich trotz einer möglichen Demütigung beraten lassen. Das Land NRW förder zu diesem Zweck acht spezialisierte Beratungsstellen für Frauen und Mädchen, die Opfer von Menschenhandel sind. Die Mittel für diese Einrichtungen sollen 2019 um knapp 670.000 Euro auf 1,7 Millionen Euro steigen.

Hilfe und Beratung finden Betroffene unter anderem bei den Beratungsstellen Madonna e.V. in Bochum und Kober in Dortmund.