Hausverbot im Schlachtunternehmen

Brisantes Video aus Tönnies-Kantine: Mitarbeiterin fristlos entlassen

Ein Video aus der Kantine des Schlachtkonzerns Tönnies hat für einen Aufschrei gesorgt. Menschen sitzen dichtgedrängt - und das mitten in der Corona-Krise. Jetzt hat das Video ein Nachspiel vor Gericht.

  • Ein Video zeigt, wie trotz Coronavirus*-Krise Menschen in der Tönnies-Kantine dicht gedrängt sitzen.
  • Einer Mitarbeiterin der Catering-Firma wurde wegen des Videos gekündigt.
  • Sie steht vor dem Arbeitsgericht Bielefeld.

Gütersloh/Bielefeld - Keine Abstandsregeln, hunderte Mitarbeiter sitzen eng beieinander an schmucklosen Tischen - und das auf dem Höhepunkt der Corona-Krise in Nordrhein-Westfalen*. Ein brisantes Video aus der Tönnies-Kantine schockierte die Öffentlichkeit.

Tönnies-Holding

Mitarbeiterzahl:

9007 (Stand 2018)

Zentrale:

Rheda-Wiedenbrück

Gründung:

1971

"Wie sollen wir uns hier schützen“, fragt eine Frauenstimme in dem Video. Und: „Das ist Tönnies“. Das Video war aufgetaucht, kurz nachdem im Schlachtbetrieb in Rheda-Wiedenbrück (Kreis Gütersloh) mehr als 1500 Menschen positiv auf das Coronavirus getestet* worden waren, berichtet WA.de*. 

Video aus Tönnies-Kantine: Frau vor Gericht

Das Kantinen-Video sorgte für einen öffentlichen Aufschrei. Der Vorwurf: Tönnies habe gegen die Corona-Schutzverordnung verstoßen - mit gravierenden Folgen: Der Kreis Gütersloh befindet sich wegen des Corona-Massenausbruchs in dem Fleischunternehmen im Lockdown-Status. Seit dem 23. Juni und mindestens noch bis zum 7. Juli gelten für mehr als 360.000 Menschen Einschränkungen im Alltag.

Das Kantinen-Video hat jetzt ein Nachspiel vor Gericht. Allerdings nicht für Tönnies, sondern für die Frau, die es ins Internet gestellt haben soll. Das berichtet das Westfalen-Blatt unter Berufung auf das Arbeitsgericht Bielefeld.

Kantinen-Video: Tönnies erteilt Frau Hausverbot

Demnach klagt die Mitarbeiterin eines Catering-Unternehmens aus Gütersloh vor der 1. Kammer des Arbeitsgerichts, weil ihr im April fristlos gekündigt worden ist. Ihr wurde vorgeworfen, in sozialen Netzwerken das Video aus der Tönnies-Kantine gepostet zu haben. Bei Tönnies habe die Mitarbeiterin bereits Hausverbot erhalten.

Die Frau zog vor das Arbeitsgericht. Dort wurde die fristlose in eine fristgerechte Kündigung plus Abfindung umgewandelt. Die Klägerin widerrief jedoch den Vergleich. Es kommt also demnächst zu einer Verhandlung. Bei einem Gütetermin bestritt die Frau, das Video gepostet zu haben.

Tönnies-Video: Wirbel um Aufnahmedatum

Um das Video aus der Tönnies-Kantine hatte es Verwirrung auch bezüglich des Aufnahmezeitpunktes gegeben. Ein Tönnies-Sprecher hatte gegenüber der Bild-Zeitung behauptet: „Das Video stammt von Ende März. Es zeigt unsere Kantine, die ganz am Anfang der Pandemie-Phase hier gefilmt wurde."

Nach dem Coronavirus-Massenausbruch beim Schlachtkonzern Tönnies wurden im Kreis Gütersloh tausende Corona-Tests durchgeführt.

Der SWR fand nach Analyse der Metadaten jedoch heraus, dass das Video im April entstanden ist und damit erst nach Inkrafttreten der Hygieneverschärfungen in NRW* am 30. März 2020.

Corona-Ausbruch bei Tönnies: Quarantäne für Mitarbeiter verlängert

Das NRW-Gesundheitsministerium hat mittlerweile die Quarantäne für Menschen, die bei Tönnies in Rheda-Wiedenbrück gearbeitet haben oder in einer der Gemeinschaftsunterkünfte leben, um zwei Wochen verlängert. In der entsprechenden Allgemeinverfügung wird häusliche Quarantäne bis zum 17. Juli angeordnet. - WA.de* ist Teil des Ippen-Digal-Netzwerks

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