Aktivist deckt ein großes Problem beim Verbot von Strohhalmen aus Plastik auf

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Der Aktivist Raul Krauthausen kritisiert das geplante Verbot von Plastik-Strohhalmen. Foto: dpa

Der Aktivist Raul Krauthausen kritisiert das Verbot von Strohhalmen aus Plastik. Der Grund: Einige Menschen mit Behinderungen sind darauf angewiesen.

Der Inklusionsaktivist Raul Krauthausen sieht das von der EU geplante Verbot von Strohhalmen aus Plastik kritisch an. Er sagt, dass die EU bei ihrer Entscheidung eine Gruppe, die auf Strohhalme angewiesen ist, dabei völlig vergisst. Das sind Menschen mit Behinderungen.

Ab dem Jahr 2021 sollen verschiedene Einmalprodukte aus Plastik, darunter Strohhalme und Teller nicht mehr verkauft werden. Das EU-Parlament hat die entsprechenden neuen Regeln am Mittwoch (27. März) auf den Weg gebracht.

Strohhalm aus Plastik ist für einige Menschen notwendig

Der Aktivist Raul Krauthausen stimmt der Ansicht zu, dass Plastik mittlerweile zu einem großen Problem geworden ist. Doch dass nun ausgerechnet der Strohhalm verboten werden soll, würde seiner Meinung nach zu kurz greifen.

"Außerdem lässt ein Verbot vollkommen außer Acht, dass Strohhalme für manche Leute nicht nur Schnickschnack im Cocktailglas sind, sondern lebenserleichternde und notwendige Alltagshelfer", schreibt er in einem Blogeintrag.

Das seien Menschen, die auf einen Strohhalm angewiesen sind, weil sie ihre Arme nicht bewegen können oder vom Hals an abwärts gelähmt sind. Menschen, die an Parkinson erkrankt sind, deren Hände zittern oder diejenigen, die eine Spastik haben.

Halme aus anderen Materialien sind keine Alternative

Krauthausen merkt im gleichen Atemzug an, dass Möglichkeiten wie Metallstrohhalme keine Alternative darstellen. Sie lassen sich nicht biegen, haben ein Allergierisiko oder sogar eine Verletzungsgefahr. Wer an einer Spastik leidet, schneide sich daran den Mund auf oder könne sich einen Zahn ausbeißen.

Auch ein Strohhalm aus einem anderen Material schließt der Aktivist begründet aus. Bambus sei zu unflexibel und zu teuer, Silikon werde zu schnell unhygienisch, Papier sei zu unflexibel.

Plastik-Strohhalme hingegen seien perfekt. "Sie sind günstig, hygienisch, mehrfach verwendbar, sie haben im Idealfall einen Knick, bergen kein Verletzungsrisiko und lassen sich mit den Zähnen problemlos festhalten", schreibt der Aktivist.

Auch Metallstrohhalme sind nicht geeignet. Die Polizei warnt sogar vor diesen. Eine Frau stürzte und fiel mit dem Gesicht in einen Metallstrohhalm.

Menschen mit Behinderungen als Umweltsünder

Menschen mit Behinderungen, die sowieso schon von der Gesellschaft benachteiligt werden, müssten durch das Verbot die Position eines Bittsteller einnehmen. Im schlimmsten Falle stehen sie noch als Umweltsünder dar.

Raul Krauthausen plädiert dafür, eine Umgebung zu schaffen, die auf Menschen mit und ohne Behinderung gleichermaßen ausgelegt ist. Auch, wenn das ein paar Plastikstrohhalme mehr bedeutet. So könne man das Personal darin schulen, dass es jeden Gast - ob mit oder ohne ersichtliche Behinderung - fragt, ob er zu dem Getränk einen Strohhalm haben möchte.