Russland

Mysteriöse Todesfälle: Zwei russische Oligarchen-Familien sterben innerhalb eines Tages

Ein Polizist steht vor dem Haus in Moskau, in dem der Ex-Gazprom Vize Vladislav Avayev, seine Ehefrau und Tochter tot aufgefunden wurden.
+
Ein Polizist steht vor dem Haus in Moskau, in dem der Ex-Gazprom Vize Vladislav Avayev, seine Ehefrau und Tochter tot aufgefunden wurden.

Die Familie eines russischen Oligarchen wird tot in einer Wohnung in Moskau gefunden, dann die eines weiteren in Spanien. Die Polizei geht von erweitertem Suizid aus.

Lloret de Mar – Innerhalb von zwei Tagen wurden die Leichen von zwei russischen Oligarchen und ihren Familien gefunden – zunächst in Russlands Hauptstadt Moskau und keine 24 Stunden später im spanischen Lloret de Mar. Die Tode der Familien geben den Behörden Rätsel auf. Laut einem Bericht der spanischen Zeitung El Punt Avui wurden in Lloret de Mar drei Tote gefunden: Der ehemalige Vizechef des russischen Energiekonzerns Novatek, Sergej Protosenja (55) sowie dessen Ehefrau (53) und die gemeinsame 18-jährige Tochter.

Die Leichen seien bereits am Dienstag (19.04.2022) auf dem Luxusanwesen Protosenjas gefunden worden. Der Sohn des russischen Oligarchen, der momentan in Frankreich lebt, habe die Polizei informiert, weil er seine Familie nicht mehr erreichen konnte. Laut Informationen von El Punt Avui seien Protosenjas Ehefrau und Tochter erstochen worden, der Oligarch habe sich offenbar erhängt. Den Informationen zufolge gehen die Ermittelnden von einem erweiterten Suizid aus, bei dem Protosenja zuerst seine Familienangehörigen und dann sich selbst tötete. Berichten zufolge gibt es an dieser Theorie allerdings Zweifel. Die spanische Polizei untersuche derzeit, ob die Oligarchen-Familie auch einem Angriff zum Opfer gefallen sein könnte.

Ihr Tod gibt Rätsel auf: Oligarch Sergej Protosenja mit seiner Frau und der gemeinsamen Tochter. (Screenshot)

Tod russischer Oligarchen gibt Rätsel auf: Ehemaliger Gazprom-Vize Vladislav Avayev tot aufgefunden

Wie merkur.de berichtet, gebe es laut anderen spanischen Medien noch eine weitere Vermutung: Protosenja soll seine Ehefrau und seine Tochter im Schlaf mit einer Axt erschlagen haben. Der 55-jährige Oligarch soll sich danach im Garten seines Hauses erhängt haben. Die Polizei habe am Tatort eine blutverschmierte Axt und ein Messer sichergestellt. Diese Version wirft aber weitere Fragen auf. Am Leichnam Protosenjas seien den Berichten von El Punt Avui keine Blutspuren festgestellt worden. Der russische Oligarch könnte Handschuhe getragen haben, wieso er bei einem erweiterten Suizid keine Spuren hinterlassen wollte, sei allerdings unklar.

Der ehemalige Gazprom-Vizechef Vladislav Avayev wurde tot in seiner Moskauer Wohnung gefunden. (Screenshot)

Besonders rätselhaft sind auch die Parallelen zum Fall um Gazprom-Vizechef Vladislav Avayev. Er sei am Montag (18.04.2022) tot in seinem Luxusappartement in Moskau gefunden worden. Bisher deute alles darauf hin, dass Avayev seine Frau und seine 13-jährige Tochter umbrachte und anschließend sich selbst. Auch in diesem Fall habe ein Familienmitglied die Polizei alarmiert: Avayevs 26-jährige Tochter habe ihre Familie nicht erreichen können.

Bei den drei Opfern seien Schusswunden festgestellt worden. Ob die beiden Oligarchen auf der Sanktionsliste des Westens standen oder von Wladimir Putins Regime mit Sanktionen belegt wurden, ist laut Angaben des Focus noch unklar. Derzeit werden gegen Russland – und einige Oligarchen – die EU-Sanktionen wegen des Ukraine-Konflikts durchgesetzt. (ter)

Generell berichten wir nicht über Selbsttötungen, damit solche Fälle mögliche Nachahmer nicht ermutigen. Eine Berichterstattung findet nur dann statt, wenn die Umstände eine besondere öffentliche Aufmerksamkeit erfahren. Wenn Sie oder eine Ihnen bekannte Person unter einer existentiellen Lebenskrise oder Depressionen leiden, kontaktieren Sie bitte die Telefonseelsorge unter der Nummer: 0800-1110111. Hilfe bei Depressionen und anderen psychischen Notfall-Situationen gibt es außerdem unter www.deutsche-depressionshilfe.de. Hilfe bietet auch der Krisendienst Frankfurt unter 069-611375. Weitere Informationen finden Sie auf der Webseite www.bsf-frankfurt.de.

Mehr zum Thema