Ukraine-Krieg

Zufälle oder Sabotage? Explosionen und Brände in Russland werfen Fragen auf

Während des Ukraine-Kriegs werden vermehrt Brände in Russland gemeldet. Betroffen sind unter anderem militärische Einrichtungen. Was könnte dahinter stecken?

Moskau – Seit dem Ukraine-Krieg häufen sich die Berichte über Brände und Explosionen an verschiedenen Orten in Russland. Betroffen sind unter anderem wichtige Rüstungsbetriebe sowie militärische Einrichtungen. In der Nacht zum Dienstag (03. Mai) fing ein Papierlager bei Moskau Feuer. Rund 34.000 Quadratmeter standen in Flammen, Teile des Gebäudes sind laut einem Bericht der russischen Nachrichtenagentur Tass eingestürzt.

Auch geriet eine russische Munitionsfabrik in der Millionenstadt Perm am Uralgebirge in Brand. Bei dem Feuer kamen nach Behördenangaben mindestens drei Menschen ums Leben. Die Brandserie in ganz Russland wirft nun einige Fragen auf: Sind diese tatsächlich ein Zeichen der Sabotage gegen den Angriffskrieg in der Ukraine oder bloßer Zufall?

Während Ukraine-Krieg: Brandserie erschüttert Russland

Erklärbar scheinen die Feuer in Treibstofflagern und Munitionsdepots in den Städten wie Belgorod, Brjansk und Woronesch. Jene liegen weniger als 200 Kilometer von der ukrainischen Grenze entfernt, weshalb diese Brände auf Beschüsse der Ukraine zurückzuführen sein könnten. Darüber berichtet der Nachrichtensender n-tv.de. Nach russischen Angaben soll ein Angriff mit drei Raketen die Explosion in dem Munitionslager Ende März in Belgorod verursacht haben. Darüber hinaus sollen zwei ukrainische Helikopter den Brand in einem sich ebenfalls dort befindenden Öllager ausgelöst haben. Die Ukraine weist Vorwürfe dieser Art laut n-tv.de zurück.

Allerdings ereigneten sich zuletzt auch vermehrt Brände an strategischen Orten, weit entfernt von der ukrainischen Grenze: Am 21. April kam es zu einem Feuer in einem Forschungsinstitut der russischen Streitkräfte in der Twer, nordwestlich von Moskau. Bei diesem handelt es sich um ein zentrales Institut des Verteidigungsministeriums, das unter anderem an der Entwicklung der sogenannten Iskander-Raketen beteiligt war. Diese werden von Russland im Ukraine-Krieg verstärkt eingesetzt.

Explosion im Zentralen Forschungsinstitut der Luft- und Raumfahrtverteidigungskräfte in Moskau: Seit dem Krieg in der Ukraine wird Russland von einer Brandserie heimgesucht.

Auch fing eine der größten Chemiefabriken des Landes in Kineschma, nordöstlich von Moskau gelegen, Feuer. Dort werden unter anderem Treibstoffe für den Bau von Raketen im Ukraine-Konflikt hergestellt. Am vergangenen Dienstag (03. Mai) brannte zudem eine riesige Lagerhalle in Moskau, die laut Medienberichten zu dem russischen Verlag „Prosweschtschenije“ (dt.: „Aufklärung“) gehört. Das Besondere daran: Nach dem Einmarsch der russischen Armee in die Ukraine verkündete der Verlag n-tv.de zufolge die Ukraine aus allen Schulbüchern entfernen zu wollen. Ob es sich bei diesen Bränden tatsächlich nur um Zufälle handelt, ist daher äußerst fraglich.

Vermehrt Brände seit Ukraine-Krieg in Russland – Was könnte dahinter stecken?

Auch halten Experten es für wahrscheinlich, dass einige Feuer gezielt gelegt worden sein könnten. Doch wer könnte dahinter stecken? Der Strategieberater und Krisenmanager Marcus Ewald nennt auf Twitter eine mögliche Widerstandsbewegung innerhalb Russlands: „Dafür spricht, dass alle Gebäude immens wichtig sind und Insiderwissen erfordern“, schrieb er. Allerdings spreche dagegen, „dass dies eine sehr aufwändige und vielfältige Koordination und Infiltration bedeuten würde.“ Wahrscheinlicher sind laut Ewald Brände, die Korruption verschleiern sollen. „Vielleicht wurden öffentliche Gelder abgezweigt, jetzt werden Audits durchgeführt und Strafen drohen“, so Ewald auf Twitter.

Feuer in Sibirien: Russland hat derzeit auch mit verheerenden Waldbränden zu kämpfen.

Möglicherweise könnten aber auch Verschleiß und die sinkende Motivation der Arbeitskräfte vor Ort für die Feuer verantwortlich sein. Die Bereitschaft, „auf Sicherheit und ordentlichen Betrieb zu achten“, könnte seit Beginn des Kriegs stark gefallen sein. Ewald bezeichnet dies als „passive Sabotage“. Trotz der vielen Vermutungen, wird es wohl auch demnächst noch keine klare Antwort auf die Brandserie in Russland geben. Eine Reihe zufälliger Brände, während in der Ukraine der Krieg tobt, ist aber wohl eher unwahrscheinlich. (as/dpa)

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