Teils leere Schwimmbäder

Dürre-Notstand in Italien: Was Urlauber am Gardasee und in der Toskana jetzt wissen müssen

An manchen Stellen ist der Fluss Po fast vollständig ausgetrocknet, wie hier in Porticella bei Parma.
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An manchen Stellen ist der Fluss Po fast vollständig ausgetrocknet, wie hier in Porticella bei Parma.

In Italien gilt in fünf Regionen zwischen Mailand, Gardasee und Venedig wegen Trockenheit und Dürre der Notstand. Was das für Urlauber bedeutet.

München/Rom - Bleiben auch die Schwimmbäder der Hotels und Ferienanlagen bald leer? Der Norden Italiens kämpft zwischen Turin, Mailand, Gardasee und Venedig mit einer Jahrhundert-Dürre.

Der größte Fluss des Landes, der 652 Kilometer lange Po, ist an manchen Stellen völlig ausgetrocknet. Dabei ist der Po zwischen den Cottischen Alpen im Piemont und der Adriaküste Venetiens die wichtigste Lebensader für Landwirtschaft und Lebensmittelindustrie.

Dürre und Trockenheit in Italien: Notstand wegen Wassermangel zwischen Mailand und Venedig

Wegen der Trockenheit und dem Wassermangel rief die italienische Regierung im selbst brütend heißen Rom den Notstand für fünf Regionen Norditaliens aus: Für das Piemont, für die Lombardei, für die Emilia-Romagna, Venetien und Friaul-Julisch Venetien.

Das ermöglicht Hilfsgelder, den Einsatz des nationalen Zivilschutzes und eine einfachere Handhabe für striktere Regeln. All das passiert inmitten der Urlaubssaison. Was Touristen in Norditalien jetzt beachten sollten.

Urlaub am Gardasee: Auf die Wassertiefe achten

Der Wasserstand des Gardasees ist derzeit etwa einen halben Meter niedriger als vor einem Jahr, erklärte Pierlucio Ceresa vom Verband der Gemeinden am Gardasee der Deutschen Presse-Agentur (dpa). Riva, Malcesine, Bardolino und Sirmione - der Lago di Garda ist insbesondere bei deutschen Urlaubern sehr beliebt.

Ceresa mahnte dazu, die Wassertiefe zu prüfen, wenn man zum Beispiel von Felsen aus in den See springen möchte. Ansonsten habe der Wasserstand auf das Baden keine Auswirkungen. Dagegen, dass wegen der prekären Lage das Wasser aus dem See abgepumpt werden könnte, wehrt sich der Verband indes entschieden.

Verona am Gardasee: Kein Wasser mehr für Schwimmbäder und Swimming Pools

Während die Touristen am Gardasee kaum was von der Wasserknappheit merken, außer, dass es vielleicht nicht regnet, sieht die Lage nur 25 Kilometer weiter in Verona schon anders aus.

In der Stadt mit ihren 257.000 Einwohnern, die für „Romeo und Julia“ bekannt ist, dürfen Bürger Trinkwasser tagsüber nur zum Kochen, Trinken, Putzen und für Körperhygiene hernehmen. Diese Regelung gilt bis zum 31. August. Zwischen sechs und 21 Uhr ist es dagegen verboten, Gärten und Sportplätze zu bewässern oder Schwimmbäder aufzufüllen. Auch das Auto zu waschen ist nicht mehr erlaubt. Strafen bis zu 500 Euro werden angedroht, sollte sich jemand nicht daran halten.

Im Video: Dürren und Trockenheit in Italien - Auswirkungen auf die Parmesan-Produktion

Auch in Venedig und Mailand wurden Bürger aufgefordert, Tätigkeiten zu unterlassen, bei denen viel Wasser verbraucht wird. Ihre öffentlichen Brunnen schalteten die Großstädte indes ab. In der Lombardei mit Mailand als Metropole dürfen Klimaanlagen nicht kälter als 26 Grad eingestellt werden. Auch in dieser Region werden Grünanlagen und Sportplätze nicht mehr bewässert. Eine Gemeinde in der Emilia-Romagna ging noch weiter: In Castenaso dürfen Friseure ihren Kunden nur noch ein Mal die Haare waschen.

Mineralwasser könnte örtlich knapp werden: Italiener hamstern wegen Wasserknappheit

In Italien wird traditionell viel Mineralwasser hergestellt und konsumiert. Wie die Berliner Morgenpost schreibt, wird - umgerechnet auf die Einwohner - in keinem anderem europäischen Land mehr Mineralwasser getrunken. Doch: Die Branche schlägt jetzt Alarm, dass das Angebot knapper werden könnte.

Damit nicht genug: Wegen der Trockenheit im Land forderte der Umweltschutzverband Legambiente strengere Mengenbeschränkungen für die Abfüllung von Mineralwasser. Medienberichten zufolge sollen regional Bürger damit begonnen haben, Mineralwasser zu hamstern. Angeblich aus Angst, das Trinkwasser könnte weiter rationiert werden.

Beliebte Touristen-Attraktion: die Battistero di San Giovanni mit dem „schiefen Turm von Pisa“ im Hintergrund.

Wenn es in Italien nicht bald regnet: Ausnahmezustand könnte auf Toskana ausgeweitet werden

Eine nicht unwahrscheinliche Entwicklung: Der Ausnahmezustand könnte auf die Regionen in Mittelitalien ausgeweitet werden - zum Beispiel auf die Toskana. Manche Städte gehen bereits in Vorleistung. So soll im toskanischen Pisa Trinkwasser ab dem 11. Juli nur noch im Haushalt verwendet werden.

Die Stadt erwägt ähnliche Maßnahmen, wie sie bereits in Verona im Norden durchgesetzt wurden. Heißt: Swimming Pools könnten zwischen Florenz, Siena und toskanischer Mittelmeerküste leer bleiben. (pm)

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