Polizei kontert rechten Tweet: Mit der ungeschönten Wahrheit gegen Hetze im Netz

+
Laut Polizei hat in Essen ein Unbekannter eine Frau angegriffen. Symbolbild: Swen Pförtner/dpa

Eine Statistik zur Gewalt gegen Beamte der Polizei nutzte ein Twitter-Nutzer um rechte Hetze zu betreiben. Für ihren Konter werden die Beamten gefeiert.

Auf Twitter teilte die Polizei Mittelfranken (Bayern) vor wenigen Tagen eine Statistik zur Gewalt gegen Polizeibeamte. Ein Twitter-Nutzer nahm den Tweet der Polizei zum Anlass, zu spekulieren und rechte Hetze zu betreiben. Mit dem Konter der Beamten hatte er allerdings kaum gerechnet.

  • Ein Tweet der Polizei zählt auf, wie viele Gewaltdelikte 2018 gegen Polizeibeamte verübt wurden.
  • In einem Tweet dazu äußert sich ein Nutzer mit Spekulationen aus der rechten Ecke.
  • Die Polizei kontert und setzt der fragwürdigen Aussage handfeste Fakten ihrer Erhebung entgegen.

Polizei schiebt Spekulationen auf Twitter einen Riegel vor

In ihrem Tweet zeigt die Polizei Mittelfranken eine leicht lesbare Grafik. 961 Gewaltdelikte gab es 2018 in Mittelfranken (Regierungsbezirk von Bayern) gegen Polizeibeamte. 546 Tatverdächtige standen unter Drogen oder Alkoholeinfluss. 1983 Beamte wurden in irgendeiner Weise "geschädigt", 362 Polizisten verletzt.

Völlig offen lässt die Grafik, welcher Herkunft die Täter sind. Vielleicht, weil es den Beamten in der Situation erst einmal egal ist, welcher Herkunft derjenige ist, der sie bedroht oder angreift. Sich oder die Kollegen zu schützen hat schließlich Vorrang. Vielleicht aber auch, weil im Eifer des Gefechts wenig Zeit bleibt, die Papiere des Gegenübers zu überprüfen und damit seine Nationalität zweifelsfrei festzustellen.

Jedenfalls lässt der Mangel an Informationen Raum für wilde Spekulationen, wer es hier eigentlich auf die Beamten abgesehen hatte.

Twitter-User verliert sich in haltloser Spekulation

"Darüber darf wahrscheinlich die Polizei nicht reden", beginnt dann auch ein Twitter-User seinen Verdacht zu äußern. Denn - da ist er sich zumindest sicher - es würde ja ein Großteil der Gewalt von den "Fachkräften" ausgehen, die hier seien. Mit "Fachkräften" bezieht sich der User ganz offensichtlich auf die in Deutschland lebenden Migranten.

Die Polizei müsste es jedenfalls "ausbaden", was die "Fachkräfte" so anstellen würden. Vermute er jedenfalls. Und auch wenn er sich mit seiner Vermutung und seinem Tweet in einer ganz vertraulichen Wortwahl an die Polizei wendet - seine schlecht versteckte rechte Hetze gegen Migranten bleibt nicht unbemerkt.

Auch nicht von den Beamten, die prompt auf den Tweet antworten. Und ganz anders, als der Schreiberling es scheinbar erwartet hatte, schreiben die Beamten, sie könnten sehr wohl ganz offen mit ihm darüber reden.

Gewalt gegen Beamten geht von weißen, alkoholisierten Männern aus

Doch dann kommt es noch dicker für den deutlich um unsere Polizeibeamten besorgten Bürger. Den weder "Fachkräfte" noch Migranten sind in den meisten Fällen die Täter. Stattdessen twittert die Polizei: "Der größte Anteil ist männlich, weiß, deutsch und stark alkoholisiert." Das sitzt.

Für ihren Konter auf Twitter werden die Beamten kurz darauf von anderen Nutzern gefeiert. Doch auch weitere Hetz-Versuche aus der rechten Ecke blieben nicht aus. Am Ende bleibt offen, ob sich die User an den Wunsch der Beamten für ein "respektvolles Miteinander" halten.