Plastiktüten verboten: Sonst drohen zwei Wochen Knast

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Plastiktüten verboten: Es drohen zwei Wochen Knast. Foto: Sunil Sharma/XinHua/dpa

Seit Samstag dürfen Menschen im ostafrikanischen Land Tansania keine Plastiktüten mehr nutzen. Plastik-Sünder haben Geld- und Haftstrafen zu erwarten.

Seit Samstag dürfen Menschen im ostafrikanischen Land Tansania keine Plastiktüten mehr nutzen. Import, Export, Herstellung, Verkauf und die Nutzung sind verboten. Wer sich nicht daran hält, dem drohen harte Strafen. Plastik-Sünder haben Geld- und Haftstrafen zu erwarten.

  • Tansania führt ein Verbot von Plastiktüten ein
  • Bei Verstößen drohen Geld- und sogar Haftstrafen

Nach vielen anderen Ländern führt nun auch Tansania ein Verbot von Plastiktüten ein. Wer Plastiktüten herstellt, dem droht eine Geldstrafe von bis zu einer Milliarde tansanischer Schillinge (etwa 390.000 Euro) oder sogar zwei Jahre Haft. Das sagte January Makamba, Staatssekretär für Umwelt im Büro des Vizepräsidenten.

Zwei Wochen Gefängnis für Plastik-Sünder

30.000 Schillinge (etwa 12 Euro) oder sogar zwei Wochen Gefängnis drohen Plastik-Sündern, die sich nicht an das Verbot halten. Plastik für medizinischen Gebrauch, in der Landwirtschaft oder in der Bauindustrie ist von dem Verbot ausgenommen.

Damit folgt Tansania anderen Ländern wie Ruanda und Kenia, die bereits ein Plastiktüten-Verbot eingeführt haben. Nach Angaben des UN-Umweltprogramms haben weltweit 61 Staaten die Herstellung und den Import von Plastiktüten verboten und 83 Staaten ihren kostenlosen Vertrieb.

"Plastik ist die Nummer eins der Umweltverschmutzer"

In Deutschland gibt es eine mit dem Handel vereinbarte Bezahlpflicht, wodurch Händler freiwillig Geld für die Tragetaschen verlangen. Jüngst hatte allerdings Entwicklungshilfeminister Gerd Müller (CSU) auch ein Plastiktüten-Verbot gefordert.

Umweltschützer lobten die Entscheidung der tansanischen Regierung. "Plastik ist die Nummer eins der Umweltverschmutzer", teilte der WWF-Chef in Tansania, Amani Ngusaru, nach der Verkündung des Verbots im April mit.

Keine ausreichenden Vorbereitungen

Allerdings beschwerten sich einige Bürger Tansanians, dass nicht ausreichend Vorbereitungen getroffen worden seien. "Die Regierung besteht auf die Nutzung von alternativen Tragetaschen, aber diese gibt es nicht auf dem Markt", sagte etwa Khalfan Khamis, ein Plastiktüten-Händler in Daressalam.

Auch mahnen viele Experten, dass ein Verbot nicht immer zielführend sei: Alternativen wie die Papiertüte seien nicht unbedingt gut für die Umwelt und die Plastiktüte mache nur einen kleinen Teil des Plastikmülls aus.

Deutsche Supermärkte reagieren auf Forderungen

Kürzlich sagte ein Sprecher des Bundesumweltministeriums, Plastiktüten machten in Deutschland weniger als ein Prozent des Verpackungsaufkommens aus Kunststoff aus.

In Deutschland reagieren die Supermärkte inzwischen auch auf die Forderungen von Umweltschützern und Kunden. Bei Lidl gibt es bald sogenannte Vitaminnetze. Sie sollen die Plastiktüten in der Obst- und Gemüseabteilung ablösen.

Auch Kaufland versucht auf Nachhaltigkeit zu setzen und verwendet statt Plastik lieber Pappe. Aber ganz grün ist diese Lösung leider nicht.

Plastikmüll ist inzwischen zur größten Bedrohung für Meerestiere geworden. Immer wieder verenden Wale, Meeresschildkröten und Delfine. Im April haben Tierschützer eine Wal-Kuh entdeckte, deren Magen zu zwei Dritteln mit Plastikmüll gefüllt war. Sie ist qualvoll gestorben. Besonders traurig: Die Wal-Kuh war schwanger.

Update, Sonntag (11. August),12.26 Uhr: Inzwischen hat auch Deutschland angekündigt, Plastiktüten verbieten zu wollen. Die Umweltministerin bereitet derzeit einen Gesetzesentwurf vor.

mit dpa-Material