Ärzte müssen Urlaub abbrechen

„Pflegeteufel“ wütet an Münchner Klinik: Entsetzliche Vorwürfe stehen im Raum - Polizei nennt weitere Details

Die Staatsanwaltschaft München I ermittelt wegen mehrerer versuchter Tötungsdelikte gegen einen Pfleger aus einem Münchner Krankenhaus. Ärzte haben offenbar Schlimmeres verhindert.

  • In einem beispiellosen Krimi haben offenbar Ärzte im Uniklinikum rechts der Isar in München* einen mehrfachen Mord verhindert
  • Ein Pfleger einer Leiharbeitsfirma hat dort mehreren Patienten Blutverdünner verabreicht.
  • Offenbar wollte der junge Mann durch nachträgliches Eingreifen als Lebensretter dastehen.

Update, 20.05 Uhr: Die Ermittlungen zum Pflegeteufel am Klinikum rechts der Isar laufen auf Hochtouren. Wie berichtet, soll ein 24-jähriger Leiharbeiter dort drei Patienten beinahe umgebracht haben – offenbar, um bei der Reanimation der Betroffenen mitzuwirken und so als Held zu glänzen.

Zehn Beamte der Ermittlungsgruppe Wachraum untersuchen derzeit, ob es weitere Fälle im Klinikum gibt. Auch das Klinikpersonal hilft mit. Dafür hat der Klinikdirektor nach tz-Informationen sogar Ärzte aus dem Urlaub geholt. Bei ihren Ermittlungen prüft die Polizei auch den Hintergrund des Pflegers:

Geboren wurde der 24-Jährige in Nordrhein-Westfalen. Dort hat er von 2013 bis 2016 eine Ausbildung zum Altenpfleger gemacht. Infolgedessen war er in verschiedenen Altenpflege-Einrichtungen in NRW tätig. „Bisher sind keine weiteren Fälle aus anderen Einrichtungen bekannt“, so Josef Wimmer, Leiter der Mordkommission. Der Tatverdächtige ist polizeilich wegen kleinerer Eigentumsdelikte bekannt und sitzt derzeit in U-Haft.

Uniklinik rechts der Isar: Ärzte verhindern mehrfache Tötung - Pfleger sitzt in U-Haft

Update, 17.33 Uhr: Im Pflege-Skandal im Uniklinikum rechts der Isar haben beherzte Ärzte Schlimmeres verhindert. Zwar wollte sich die Klinikdirektion auf Anfrage unserer Redaktion nicht zu den Vorfällen am vergangenen Wochenende äußern. Doch nach Exklusiv-Informationen von Münchner Merkur* und tz* lief die Jagd auf den Täter am Wochenende ab wie in einem Krimi.

Ein Krankenhaus-Pfleger aus München steht im Visier der Polizei. (Symbolbild)

Den ersten Verdacht schöpfte ein junger Assistenzarzt, der am Samstag über die kritischen Blutwerte einer schwerkranken Patientin gestolpert war. Sie zeigte eine massiv verringerte Blutgerinnung; wie sich später herausstellen sollte, hatte der 24-jährige Pfleger der 54-jährigen Frau den Gerinnungshemmer Heparin in hoher Dosis verabreicht. Der junge Mediziner erinnerte sich an einen vergleichbaren Fall Ende Oktober mit ähnlich suspekten Werten - und berichtete dem geschäftsführenden Oberarzt Professor Dr. Sandro Krieg auch, dass damals derselbe Pfleger Dienst hatte. 

Gegenmittel gegen Heparin - dann wird der Pfleger vom Dienst abgezogen

Zu diesem Zeitpunkt vermuteten beide Ärzte bereits, dass die Blutwerte mit einer gefährlich hohen Heparingabe zusammenhängen könnte. Prof. Krieg ordnete daraufhin spezielle Laboruntersuchungen im Eilverfahren an und veranlasste, dass der Patientin - vereinfacht erklärt - eine Art Gegenmittel gegeben wird, das die Wirkung des Heparin aufhebt. Gleichzeitig ging aus den Akten hervor, dass bei der betroffenen Patientin gar kein Heparin verordnet worden war. Als am Samstagabend die Laborergebnisse den Verdacht gegen den Pfleger erhärteten, ordnete Klinikdirektor Professor Dr. Bernhard Meyer an, dass der Pfleger unter einem Vorwand aus dem Dienst abgezogen wird.

Der Täter bekam einen Anruf von der Pflegedienstleitung, wonach er am Sonnntag nicht zum Dienst erscheinen müsse, weil wegen Corona weniger Operationen durchgeführt würden. Parallel dazu sicherte Prof. Krieg auf der Wachstation leere Medikamentenbehälter und Inhalte der Abfalleimer. Darin fanden sich auch Verpackungen von starken Beruhigungsmitteln, die der Pfleger einem weiteren Patienten verabreicht hatte. In der Nacht liefen weitere Labortests, die den Verdacht gegen den Pfleger weiter verdichteten. Daraufhin schaltete Klinikdirektor Meyer am Sonntagmorgen die Polizei ein.

Noch am Sonntag trommelte der Klinikdirektor nach Informationen von Münchner Merkur und tz alle Oberärzte von den Stationen und aus dem Urlaub zusammen. Die Mediziner begannen sofort damit, weitere Fälle aus den vergangenen Wochen intern zu überprüfen. Dabei hat sich bislang - nach derzeitigen Erkenntnissen - kein weiterer Verdachtsfall herauskristallisiert. Der 90-jährige Patient, der bereits Ende Oktober von dem Pfleger ein Mittel in gefährlich hoher Dosis verabreicht bekommen hatte, ist genesen. Er befindet sich in der Reha. Die Frau, deren Blutwerte die Ärzte auf die Spur des Täters führten, ist in einem stabilen Zustand. Der dritte Betroffene, ein 91-Jähriger Mann, liegt nach wie vor auf der Intensivstation. Sein Zustand ist kritisch.

Skandal in Münchner Krankenhaus: Pfleger (24) spielte mit Leben von Patienten - aus mutmaßlich perfiden Gründen

Update, 12.20 Uhr: Nun gibt es auch erste Erkenntnisse zum Motiv des Pflegers. Er könnte aus niedrigen Beweggründen gehandelt haben. Aus Chatverläufen gehe hervor, dass er sich offenbar als Lebensretter habe darstellen wollen, sagte der Leiter der Münchner Mordkommission, Josef Wimmer, am Mittwoch in München.

Update, 12.06 Uhr: Neue Details zum Tötungsdelikt im Uniklinikum rechts der Isar: Bei dem Pfleger handelt es sich um einen 24-jährigen Deutschen. Nach Informationen von tz und Münchner Merkur ist der Mann am Dienstagabend dem Haftrichter vorgeführt worden. Zuvor hatte die Polizei im Uniklinikum rechts der Isar umfangreich ermittelt. Der zuständige Oberarzt ist etwa drei Stunden lang befragt worden. Er hatte sofort Alarm geschlagen, nachdem einer seiner Assistenzärzte bei einem Patienten auffällige Blutwerte entdeckt hatte. 

München: Pfleger wollte Patienten töten - neue Details bekannt

Update, 11.53 Uhr: Nach Informationen von tz und Münchner Merkur handelt es sich bei dem 24-Jährigen um einen Pfleger einer Leiharbeitsfirma. Einem Assistenzarzt waren am vergangenen Wochenende die Blutwerte eines der betroffenen Patienten suspekt vorgekommen, er schaltete die Klinikleitung ein. Diese reagierte noch in der gleichen Nacht. Unter einem Vorwand wurde der Pfleger sofort aus dem Dienst entfernt und parallel die Polizei eingeschaltet. Der Mann sitzt in Untersuchungshaft.

Update, 11.39 Uhr: Die Polizei teilt mit, dass es sich um einen 24-jährigen Pfleger handelt. Wie die tz bereits berichtete (siehe Update von 11.25 Uhr) arbeitete der Mann iin der Wachstation im Neuro-Kopf-Zentrum.

Update, 11.31 Uhr: Die Pressekonferenz der Münchner Polizei hat begonnen.

München: Pfleger-Skandal - Tatort Uniklinikum Rechts der Isar

Update, 11.25 Uhr: Das versuchte Tötungsdelikt, über das die Polizei in Kürze informieren wird, hat sich nach Informationen von tz und Münchner Merkur im Uniklinikum rechts der Isar abgespielt: Ein Pfleger hat Patienten das Blutverdünnungsmittel Heparin verabreicht - in einer potenziell tödlichen Dosis. Wie unsere Zeitung weiß, waren mindestens drei Patienten betroffen. Sie haben alle überlebt. Die Taten geschahen auf einer Wachstation im Neuro-Kopf-Zentrum. Dort werden schwerkranke Patienten behandelt. Die verantwortlichen Ärzte, die aufgrund ungewöhnlicher Blutwerte Verdacht geschöpft hatten, handelten blitzschnell. Sie schalteten sofort die Polizei ein, der Pfleger sitzt wegen des Verdachts versuchter Tötungsdelikte bereits in Haft. (Andreas Beez/Dorita Plange)

Update vom 11. November, 10.57 Uhr: Wir berichten ab 11:30 Uhr von der Pressekonferenz der Münchner Polizei hier in einem Live-Ticker. Daneben überträgt die Polizei die PK im Netz - den Stream können sie ab Beginn der Runde ebenfalls hier live mitverfolgen.

Erstmeldung vom 11. November 2020

München - Die Staatsanwaltschaft München I ermittelt wegen mehrerer versuchter Tötungsdelikte gegen einen Pfleger aus einem Krankenhaus in München*. Oberstaatsanwältin Anne Leiding und der Leiter der Münchner Mordkommission, Josef Wimmer, wollen dazu am Vormittag eine Pressekonferenz geben. Um 11:30 Uhr will die Polizei München im Rahmen einer Pressekonferenz weitere Informationen mitteilen.

Weitere Informationen in Kürze

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