Nach Attacke in Frankfurt: Mehr Vorsicht am Bahnsteig ist der (derzeit) beste Schutz

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Frankfurt Hauptbahnhof. Mann stößt Kind vor Zug. Foto: Frank Rumpenhorst/dpa

Die Gleis-Attacke am Hauptbahnhof in Frankfurt hat das Land erschüttert. Nur mehr Vorsicht am Bahnsteig kann sofort helfen.

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Die Gleis-Attacke, bei der ein Achtjähriger am Hauptbahnhof in Frankfurt gestorben ist, hat das Sicherheitsgefühl der Menschen in Deutschland erschüttert. Nur mehr Vorsicht am Bahnsteig kann sofort helfen, glaubt RUHR24-Redakteur Florian Forth

  • Ein achtjähriger Junge ist bei einer Gleis-Attacke am Hauptbahnhof Frankfurt gestorben.
  • Innenminister Horst Seehofer will das Sicherheitsgefühl der Bürger stärken.
  • Der derzeit beste Schutz ist jedoch Vorsicht.

Ein 40-Jähriger stößt eine Mutter und ihren achtjährigen Sohn auf die Gleise. Das Kind wird von einem Zug überrollt und stirbt. Die Mutter kann sich retten. Die schreckliche Tat am Hauptbahnhof in Frankfurt hat das Sicherheitsgefühl der Menschen in Deutschland erneut erschüttert. Doch was tun?

Seehofer: "Alles, was Nutzen hat, muss gemacht werden"

Zunächst klingt der Vorstoß von Innenminister Horst Seehofer logisch: Barrieren zum Schutz vor Schubsern - koste es, was es wolle. Und mehr Polizei.

Es ist aller Ehren wert, dass Seehofer sagt: "Alles, was einen Nutzen hat, muss gemacht werden." Dennoch haben einige der Vorschläge den Anschein des Aktionismus. Der Innenminister zielt damit - logisch - auf die subjektive Sicherheit der Bürger. Und die ist erneut heftig angeknackts.

Jetzt wird über Zäune, Glasscheiben und Drehkreuze debattiert. Was auch immer Seehofer sich vorstellt, würde die Bahn zig Millionen kosten. Klar, das könnte irgendwann Leben retten. Dann wären die Kosten gerechtfertigt. Doch auch Sicherheitsexperten sind sich uneins darüber, ob das solche schrecklichen Taten verhindern kann.

Hauptbahnhöfe mit einfachen Barrieren sichern

Doch was tun, wenn ein Verrückter dann Fußgänger vor einen Linienbus stößt oder wie in Münster mit einem Auto in ein Straßencafé fährt? Zäunen wir das dann auch ein?

Statt mit futuristischen (und unrealistischen) Schiebetüren aus Glas könnte man die Gleise von Hauptbahnhöfen wie Köln, Hamburg, Berlin und Frankfurt zunächst mit versetzten Metallbarrieren ausstatten, wie man sie aus dem Stadion kennt.

Vorteil: Niemand kann auf die Gleise gestoßen werden. Mit Koffer und Kinderwagen kommen Fahrgäste aber dennoch hindurch. Der Zeitpunkt wäre auch in NRW günstig. Hier werden ohnehin gerade 150 Bahnhöfe erneuert - auch der Hauptbahnhof in Dortmund.

Vorsicht am Bahnsteig ist der beste Schutz vor Tätern

Zudem soll mehr Polizei Täter davon abhalten, anderen zu schaden. Während die Grünen dagegen sind, begrüßen SPD und Linke den Vorschlag. Dennoch muss man sich auch fragen, warum nach einem gesuchten Mann aus der Schweiz nicht auch in Deutschland gefahndet wird.

Genügend Abstand zum Bahnsteig, den Blick auch mal vom Smartphone nehmen: Der einzige Schutz vor Bahnhofs-Schubsern dürfte mehr Vorsicht jedes einzelnen am Bahnsteig sein. Denn vor psychisch kranken Tätern werden wir uns auch künftig kaum anders schützen können.