Massenhafter Kindesmissbrauch in Lügde - Datenspürhund findet etliche USB-Sticks

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Missbrauchsfall in Lügde: Die Polizei Durchsuchte erneut die abgesperrte Parzelle des Haupttäters

Nach den massenhaften Missbrauch von Kindern in Lüdge erhöht sich der Kreis der Verdächtigen von sechs auf sieben. Ein Spürhund fand mehrere USB-Sticks.

Neue Verdachtsfälle, neue Ermittlungen und neue Konsequenzen. Der Skandal um den massenhaften Kindesmissbrauch auf einem Campingplatz in Lügde nimmt immer größere Dimensionen an.

Update, Donnerstag (28. Februar): Seit 2008 sollen mindestens 31 Kinder im Alter von vier bis 13 Jahren Opfer des Missbrauchs geworden sein. Es geht demnach um mehr als 1.000 Missbrauchsfälle. Die Kinderhilfe fordert derweil, dass man statt dem Wort Missbrauch das Wort Vergewaltigung verwende. Der zuletzt als Mittäter verdächtigte 16-Jährige, ist vermutlich nicht nur Täter, sondern auch Opfer gewesen. Das berichtet der WDR. Seine Rolle in dem Missbrauchsfall ist noch unklar.

Bei einer groß angelegten Durchsuchungsaktion kam jetzt auch ein Datenspürhund zum Einsatz - der einzige seiner Art in Deutschland. Er fand einen in einer Sesselritze versteckten USB-Stick. Bei der weiteren Durchsuchung fanden die Ermittler weitere Datenträger, vermutlich mit kinderpornografischem Material.

Ursprungsmeldung, Mittwoch (27. Februar): "Es sieht aus, dass es noch schlimmer ist, als ich befürchtet habe", sagte Landesinnenminister Herbert Reul (CDU).

Am Dienstag (26. Februar) fand eine Sondersitzung im Düsseldorfer Landtag statt.

Missbrauch in Lüdge: Inzwischen sieben Beschuldigte

Die Zahl der Beschuldigten, gegen die die Staatsanwaltschaft in Zusammenhang mit dem Missbrauch im lippischen Lügde ermittle, sei von sechs auf sieben gestiegen, berichtete Reul. Dabei handle es sich um einen 16-Jährigen, der kinderpornografisches Material besessen haben soll.

Die Polizei rollte auch ältere Verdachtsfälle von Sexualstraftaten auf dem Campingplatz an der Grenze von Nordrhein-Westfalen zu Niedersachsen neu auf, sagte Reul.

Kein Verfahren eingeleitet

Eine der Erkenntnisse ist schockierend. Der heute 56-jährige arbeitslose Hauptverdächtige sei schon vor 17 Jahren verdächtigt worden, eine Achtjährige missbraucht zu haben, berichtete der Minister. "Im Moment sieht es nicht so aus, dass ein Verfahren eingeleitet wurde."

Der innenpolitische Sprecher der SPD-Opposition, Hartmut Ganzke, stellte fest, dass der Beschuldigte die späteren Taten nicht hätte begehen können, wenn aufgeklärt worden wäre.

Polizeidirektor bekommt Konsequenz

Bei der Sitzung am Dienstagabend teilte der Landrat eine weitere einschneidende Konsequenz für die zuständige Kreispolizei mit: Auf Anweisung des NRW-Innenministeriums werde der Polizeidirektor an das Landesamt für Ausbildung, Fortbildung und Personalangelegenheiten versetzt, teilte Landrat Axel Lehmann (SPD) mit.

Den Posten übernimmt kommissarisch bis Mai 2019 eine Beamtin aus dem Landeskriminalamt. Der Landrat hatte zudem bereits vorige Woche einen anderen Beamten, den Leiter der Direktion Kriminalität, von seinen Aufgaben entbunden.

Der von Reul eingesetzte Sonderermittler, Kriminaldirektor Ingo Wünsch, skizzierte zuvor eine beispiellose Kette des Versagens in der Kreispolizeibehörde Lippe. "Im Ergebnis gab es schwere handwerkliche Fehler, die sich potenziert haben", bilanzierte er. "Verantwortliche Führung ist nicht erkennbar." mit dpa-Material