NRW-Innenminister Reul ruft Sondersitzung ein +++ Missbrauch in Lügde

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Gegen 15 Polizisten liegen Ermittlungen vor. Foto: Guido Kirchner/dpa

Nach einem Missbrauchsfall auf einem Campingplatz bei Detmold sind Beweise verschwunden. NRW-Innenminister Reul ruft am Dienstag eine Sondersitzung ein.

Der Missbrauchs-Skandal mit mindestens 31 betroffenen Kindern auf einem Campingplatz in Lügde beschäftigt den Polizeichef und Landrat Axel Lehmann (SPD).

Update, Montag (22.Juli), 7.30 Uhr: NRW-Familienminister Stamp (FDP) nimmt die Jugendämter in die Pflicht und fordert mehr geschultes Personal.

Update, Dienstag (26. Februar), 7 Uhr: Die Vorfälle von Lüdge sind am Dienstag Thema im NRW-Landtag in Düsseldorf. Innenminister Herbert Reul (CDU) will über den neusten Stand der Ermittlungen informieren.

Zudem soll es nach Informationen der Zeitung Westfalen Blatt mit der Suche nach dem verschwundenen Koffer mit Beweismitteln weitergehen. Es sei eine große Suche in mehreren Gebäuden er Polizei geplant. (mit dpa-Material)

Update, Samstag (23. Februar), 14:58 Uhr: Der Skandal um die verschwundenen Beweise auf dem Campingplatz könnte weitere Konsequenzen nach sich ziehen.

"Sollten weitere organisatorische oder personelle Maßnahmen nötig sein, werde ich nicht zögern, diese ebenfalls zu ergreifen", erklärte der zuständige Polizeichef und Landrat Axel Lehmann am Freitag (22. Februar) in Detmold.

"Gravierende Fehler"

Es sei unbestritten, dass gravierende Fehler gemacht worden seien, sagte Landrat Lehmann, der gleichzeitig die Kreispolizeibehörde Lippe leitet.

Welche Fehler das im Einzelnen sind, werde in Zusammenarbeit mit dem Landeskriminalamt rückhaltlos aufgeklärt. "Bis dahin verbieten sich Schnellschüsse", sagte Lehmann.

Update, Freitag (22. Februar), 16:07 Uhr: Auf dem Campingplatz "Eichwald" in Lügde hat es laut Bild einen weiteren Polizeieinsatz gegeben.

Nachdem zahlreiche Beweise verschwunden sind, hat die Polizei Bielefeld jetzt das Auto des Hauptverdächtigen Andreas V. beschlagnahmt und seine Barracke mit Absperrgittern abgesichert.

Erstmeldung, Donnerstag (21. Januar): Nach einem Missbrauchsfall auf einem Campingplatz in der Nähe von Detmold sind jetzt offenbar Beweise verschwunden. NRW-Innenminister Herbert Reul spricht von Polizeiversagen.

Laut NRW-Innenminister Herbert Reul (CDU) handelt es sich um einen Koffer und eine Hülle mit insgesamt 155 Datenträgern. Sie würden seit dem 20. Dezember in der Kreispolizeibehörde Lippe vermisst. Das habe man erst zehn Tage später bemerkt.

Von den CDs seien bislang nur drei ausgewertet worden. Ob sich auf den weiteren Datenträgern kinderpornografisches Material befinde, sei nicht klar.

Jetzt seien vier Sonderermittler eingesetzt worden, die den Vorfall aufklären sollen. Ein großer Teil der insgesamt 15 Terabyte Filmmaterial sei von der Polizei jedoch gesichert worden.

"Behördenversagen an allen Ecken und Kanten"

Bereits zuvor hatte Innenminister Herbert Reul schwere Fehler der Polizei in diesem Fall eingeräumt. Die Beamten seien Hinweisen im Jahr 2016 nicht nachgegangen.

"Wir prüfen jetzt ganz genau, woran das gelegen hat, um daraus auch Konsequenzen zu ziehen", sagte Reul bereits Anfang Februar. Deswegen habe man auch gegen die Polizei Strafanzeige gestellt.

Dutzende Kinder auf Campingplatz missbraucht

Drei Männer hatten auf einem Campingplatz in Lüdge jahrelang Kinder missbraucht und gefilmt. Die Ermittler gehen derzeit von 31 Opfern aus.

Der Prozess gegen die drei Tatverdächtigen sollte bereits im Frühsommer beginnen. Das Ausmaß der Vorwürfe sei gewaltig, so die Ermittler. Zudem könnten sich weitere Opfer melden. Es ist nicht auszuschließen, dass man nur einen Teil der mutmaßlichen Taten zur Anklage bringt. Mit dpa-Material