Wurst von Wilke nach ganz NRW geliefert: IKEA, Metro und viele Tankstellen betroffen - Chef untergetaucht

+
Wurst, Fleisch. Foto: dpa

Listerien in der Wurst von Wilke! Der Skandal weitet sich aus: Zwei Tote, über 1000 Produkte betroffen, IKEA beliefert - und der Chef taucht unter.

Wurst-Hersteller Wilke hat erst kürzlich für einen Skandal gesorgt. Denn die dort produzierte Wurst soll für den Tod mehrerer Menschen verantwortlich sein. Listerien machen den Verzehr für viele Menschen gefährlich - und die Firma belieferte nicht nur IKEA mit der Ekel-Wurst!

  • Hersteller Wilke soll verschimmelte Wurst gelagert haben, wie mehrere Fotos zeigen.
  • Ehemalige Mitarbeiter sollen außerdem von Mäusekot auf dem Fußboden berichten.
  • Mehr als 1000 Produkte sind betroffen.

Update, Dienstag (8. Oktober), 10.30 Uhr: Nachdem bereits gestern bekannt wurde, dass auch IKEA die Wurst von Wilke über einen Großhändler bezogen hat, liegt inzwischen eine Liste aller Marken und Produkte vor, die aus der Firma Wilke stammen.

Ikea hatte Wurst von Wilke auf dem Frühstücksteller

Alle Wurstwaren, die das Identitätskennzeichen DE EV 203 EG tragen sind betroffen. Da Wilke nur Großhändler benennen konnte, die beliefert wurden, ist nicht klar, in welchen Supermärkten die Wurst letztendlich überall verkauft wurde.

Altenzentren, Krankenhäuser, Pizzerien und Kantinen - sie alle könnten wie IKEA die Wurst über einen Großhändler bezogen haben. Auch viele Tankstellen und Bäckereien sind demnach betroffen. In der Metro wurde die Wurst von Wilke beispielsweise unter dem Markennamen "Aro" verkauft. IKEA hat den "Verkauf aller Produkte des Herstellers umgehend gestoppt", so eine Sprecherin.

Unterdessen hat sich der Chef der Firma Wilke scheinbar aus dem Staub gemacht. Wie Focus online berichtet, soll Klaus Rohloff auf Mallorca untergetaucht sein. Seine Mitarbeiter - die zu einem großen Teil aus Osteuropa stammen - warten unterdessen noch auf ihre letzten Gehaltszahlungen.

Ekel-Alarm! Fotos von verschimmelter Wurst aufgetaucht

Ursprungsmeldung, Montag (7. Oktober): Einige Fleischwaren des Produzenten aus Hessen seien von Schimmel überzogen gewesen, wie ein ehemaliger Mitarbeiter gegenüber der Waldeckischen Landeszeitung (WLZ) verraten hat.

Im Internet kursieren bereits zahlreiche Fotos, die die schlimmen Zustände beweisen sollen. So ist auf einer Aufnahme zu sehen, wie mehrere Würste weiß mit grünem Schimmel darauf an Metallstangen aufgehangen sind. Auf einem anderen Foto liegen mehrere Produkte auf dem dreckigen Fußboden verteilt oder hängen über dem Boden, der vermutlich mit Mäusekot verdreckt ist.

Den Fund der tierischen Fäkalien hat ein ehemaliger Mitarbeiter von Hersteller Wilke dem Stern bestätigt.

Hygienische Zustände im Betrieb wohl kritisch

Erst kürzlich sollen zwei Menschen aufgrund von Listerien in der von Wilke hergestellten Wurst gestorben sein. Daraufhin meldete der Betrieb laut Medienberichten Insolvenz an.

Auch nach dem öffentlichen Rückruf der Wurst soll laut der Organisation "Foodwatch" eine Klink in Köln die Produkte weiterhin ausgeteilt haben.

Wie gefährlich sind Listerien?

Immer wieder tauchen Listerien in Lebensmitteln auf. Vor allem Wurst und Fleisch ist betroffen, aber auch Rohmilchkäse oder (ungewaschenes) Obst und Gemüse. Der Erreger kann bei Schwangeren, immungeschwächten und älteren Menschen tödlich verlaufende Infektionen auslösen.

In der Schwangerschaft ist das Ungeborene Kind gefährdet: Es drohen fatale Folgen wie schwere Schädigungen oder sogar der Tod des Fötus. Bei gesunden Menschen verläuft die Infektion dagegen meist harmlos. Da Listerien sogar das Einfrieren der Produkte überleben, gelten die Erreger als sehr langlebig. Die Verbraucherzentrale informiert darüber, wie man sich am besten schützt.

Außerdem seien die hygienischen Zustände dort katastrophal gewesen. Denn von Sauberkeit war dort wohl in manchen Bereichen keine Spur. So sei in Teilen der Produktion "tage- oder wochenlang nicht gereinigt" worden, wie ein Berater aus der Fleischwirtschaft der WLZ berichtet hat.

Vergammelte Produkte verarbeitet?

Weiterhin hätten die Mitarbeiter verschimmelte Wurst mehrfach in Scheiben geschnitten, anstatt sie in die Mülltonne zu werfen. Ob die Aussagen der Informanten wirklich der Wahrheit entsprechen, lässt sich aktuell nicht feststellen.

Von Hersteller Wilke gibt es bislang noch keine öffentliche Stellungnahme zu den Vorwürfen. Die Homepage der Firma ist inzwischen nur noch mit einem Passwort zugänglich.

Auch bei dem bekannten Fleischhersteller Rügenwalder Mühle gibt es einen Rückruf. Allerdings wegen Kunststoffteilchen in Produkten.