Knorr vor dem Aus - gab Kaufland dem Unternehmen den Rest?

+
Der Lebensmittelhersteller Knorr steht vor dem Aus. Foto: Sebastian Gollnow / dpa

Der Lebensmittelhersteller Knorr steht vor dem Aus. Schuld daran sind die enormen Produktionskosten. Aber auch Kaufland soll nicht unschuldig sein.

Der bekannte Lebensmittelhersteller Knorr steht vor dem Aus. Von der Schließung des Konzerns in Heilbronn bei Stuttgart sind hunderte Mitarbeiter betroffen. Nicht nur der Mutterkonzern Unilever könnte daran Schuld sein, auch ein Streit mit Kaufland hat dem Konzern massiv geschadet.

  • Der Lebensmittelhersteller Knorr steht vor dem Aus.
  • Die Produktion der Tütensuppen und fertigen Gewürzmischungen ist zu teuer.
  • Erste Entscheidungen sind für Anfang 2020 angedacht.

Knorr vor dem Aus: Produktionskosten sind zu teuer

Der Mutterkonzern Unilever gab bekannt, dass an dem Hauptsitz von Knorr in Heilbronn ein "radikaler Umbau" benötigt wird.

Der Umbau ist eine Reaktion auf die derzeit starken Kostenprobleme bei dem Lebensmittelhersteller Knorr. Das Problem: Die Fertigung der bekannten Tütensuppen und Gewürzmischungen ist zu teuer.

700 Mitarbeiter sind von der möglichen Schließung von Knorr betroffen

Die kleine Stadt Heilbronn bei Stuttgart zeigt sich besorgt. Thilo Fischer, Betriebsratchef von Knorr, redet von 700 Mitarbeitern, inklusive Logistik, die von dem möglichen Aus betroffen sind.

Weiter heißt es: "Heilbronn ist Knorr-Gründungsstandort. Für die Stadt Heilbronn und die Region wäre ein Aus unseres Werks ein enormer Rückschlag."

Gründung von Knorr vor fast 200 Jahren

Knorr ist der wichtigste Arbeitgeber in der Region Heilbronn. 1838 hatte Carl Heinrich Theodor Knorr in Heilbronn sein "Specereiwaaren-Geschäft" eröffnet. Das ging fast 200 Jahre gut. Heute ist das Geschäft mit den fertigen Lebensmitteln rückläufig.

Ein weiterer Grund für das mögliche Aus von Knorr: Der Handelsstreit mit dem Supermarkt Kaufland. Nach einer Auseinandersetzung über die Preisstruktur hat das Unternehmen Ende 2018 alle Produkte des Konzerns Unilever, und somit auch die Produkte von Knorr, aus dem Sortiment verbannt.

Knorr: Stellenabbau kann nicht ausgeschlossen werden

Das Management von Unilever hat in einer Beschäftigenversammlung bereits klargemacht, dass ein Stellenabbau nicht auszuschließen sei.

Wie die Heilbronner Stimme berichtet, sollen etwa 25 Prozent der Kosten gesenkt werden, damit der Konzern überlebensfähig sei.

Mutterkonzern Unilever sieht nur geringe Zukunftschance für Knorr

Meldungen von der Schließung des Werks in Heilbronn weist Unilever bisher zurück. Betriebsratchef Fischer sagte jedoch, dass Unilever-Produktionschef Marc Engel kaum eine Zukunftschance sieht. In dem persönlichen Gespräch war die Rede von einer "sukzessiven Schließung."

Betroffene Mitarbeiter und Menschen aus der Region machen derweil ihrem Frust über das mögliche Ende von Knorr in den sozialen Netzwerken Luft.

So schreibt ein Nutzer: "Wer etwas anderes von Unilever erwartet hatte, nach den ganzen Taten der vergangenen Jahre, der ist leider weltfremd." Andere Nutzer werfen dem Konzern zusätzlich noch Arroganz und Überheblichkeit vor.

Erste Entscheidungen für Knorr folgen Anfang 2020

Wie es in Heilbronn weitergehen soll, wird im ersten Quartal 2020 entschieden. "Wir haben bewusst keine genaue Deadline genannt, aber wir haben gesagt, dass relativ großer Handlungsdruck besteht", so Fischer.

Übrigens: Das Unternehmen Metro will 277 Filialen von Real verkaufen. Zahlreiche Arbeitsplätze sind in Gefahr. 

Die Werksleitung, der Betriebsrat sowie Belegschafts- und Gewerkschaftsvertreter werden sich nun zusammensetzen und nach gemeinsamen Lösungen suchen.