Kaiserschnitt statt Zangengeburt - Ärzte wollen Frauen vor heftigen Verletzungen bewahren

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Kaiserschnitt oder natürliche Geburt

Die natürliche Geburt: das einzig Wahre. Der Kaiserschnitt: Tabu. Doch es gibt Einschränkungen, warnen Ärzte - wann ein Kaiserschnitt die bessere Wahl ist.

Wie, du hast nicht natürlich entbunden? Diesen - mit lauter Vorurteilen belegten Satz - würde Katja liebend gern mit "Nein, habe ich nicht" beantworten. Doch sie hat ihr Kind natürlich entbunden - und schwere Schäden davongetragen.

Unter vielen Schwangeren gilt eine natürliche Geburt als die einzig wahre. Der Kaiserschnitt dagegen: ein Tabu. Doch es gibt Einschränkungen warnen einige Ärzte. Sie zählen auf, wann ein Kaiserschnitt die bessere Wahl ist.

Katjas Baby (Name geändert) musste mit einer Saugglocke auf die Welt geholt werden. Dabei wurde ihr Beckenboden so schwer verletzt, dass sie bis heute - neun Jahre später - an Inkontinenz leidet und beim Sex kaum etwas spürt.

Seit der Geburt ist beim Sex alles taub

Die Mutter erinnert sich noch an die Worte der Ärztin, bevor diese die Saugglocke ansetzte: "Das ist für Sie jetzt nicht so gut", hieß es. Und tatsächlich: Noch heute leidet die Mutter eines inzwischen neunjährigen Jungen unter den Folgen der komplizierten Geburt.

Bis heute ist die 39-Jährige Stuhl- und Harninkontinent. Beim Sex fühlt sich alles taub an. Neben einem Schaden am Beckenboden trug sie auch einen schweren Dammriss davon.

Zwar gelten natürliche Geburten als die beste Art, ein Kind auf die Welt zu bringen, doch es gibt Einschränkungen. Einzelne Ärzte klären nun auf: Manchmal sei ein Kaiserschnitt die bessere Wahl, um körperliche Schäden bei den Frauen zu vermeiden.

Komplizierte Geburten: Beckenboden kann reißen

Der Beckenboden ist eine Muskelplatte, die die inneren Organe im Becken zurückhält. Bei einer Geburt - gerade wenn diese sehr schwer und kompliziert ist, kann der Beckenboden reißen oder überdehnt werden.

In der Folge können sich Organe senken. "Etwa bei 10 bis 20 Prozent der Geburten reißt der Beckenboden. Der Schaden sei zur Zeit noch nicht zu reparieren, erklärt Kaven Baeßler, Leiterin des Beckenboden- und Kontinenzzentrums in Berlin. Für die Frauen bedeutet das oft: Inkontinenz und abgesenkte Organe.

Vor allem kleine, übergewichtige Frauen seien gefährdet. Auch wenn die Babys sehr schwer und groß auf die Welt kommen, ist das Risiko für die werdenden Mütter groß. Weiter spielt auch das Alter der Frauen eine Rolle.

Bei Frauen unter 30 überwiegen laut des Urogynäkologe Hans Peter Dietz in aller Regel die Vorteile einer natürlichen Geburt. Je älter die Frauen werden, desto wahrscheinlicher sind aber Beckenboden- oder Dammrisse.

Außerdem seien Zangengeburten sehr riskant. Durch die schnelle Geburt und die starke Zugkraft wird der Beckenboden besonders strapaziert. Zangen werden bei Komplikationen während der Geburt eingesetzt. Auch Katjas Baby kam nur durch den Einsatz der Zange gesund zur Welt.

Schwere und große Babys sind ein Risiko

Katja war eine typische Risikopatientin: Mit 1,63 Meter und 59 Kilogramm ist sie sehr zierlich. Ihr Baby kam jedoch mit stolzen 4,5 Kilogramm zur Welt. "Meine Hebamme hatte mich schon gewarnt, die Frauenärztin sah allerdings keine Probleme", erinnert sie sich. Heute bereut sie, ihren Sohn nicht per Kaiserschnitt entbunden zu haben. "Hätte ich geahnt, welche Folgen die Geburt hat, hätte ich mich für einen Kaiserschnitt entschieden".

Obwohl in Deutschland bereits jedes Dritte Kind durch einen Kaiserschnitt zur Welt kommt, erklären manche Ärzte nun, dass eine Beratung von Schwangeren sinnvoll sei. Dabei soll auf mögliche Schäden durch eine vaginale Geburt hingewiesen werden. Der Kaiserschnitt dürfe nicht weiter als Tabuthema behandelt werden.

Die Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe (DGGG) hält eine solche Beratung nicht für sinnvoll. Frauen würden dadurch nur weiter verunsichert.

Wichtig zu wissen ist außerdem, dass auch ein Kaiserschnitt nicht ohne Risiken ist: Bei der Operation kann es zu Infektionen und Organverletzungen kommen. In einer folgenden Schwangerschaft kann es zum Riss der Gebärmutter und Fehlgeburten kommen.