Faktencheck: Gibt es immer mehr Sexualstraftaten?

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Kommt es in Deutschland wirklich zu immer mehr Sexualstraftaten? Foto: dpa

Immer mehr Gewalt und Sexualstraftaten: Dieser Eindruck hat sich in den Köpfen vieler Menschen festgesetzt. Aber ist er richtig? Das sind die Fakten:

Egal ob Mülheim oder Bergkamen: Immer wieder berichten viele Medien - auch RUHR24 - über Sexualstraftaten. Das erweckt bei vielen Menschen den Eindruck, dass es immer häufiger zu solchen Verbrechen kommt. Aber ist das wirklich so?

  • Die Zahl der Sexualstraftaten ging von 2017 auf 2018 zurück.
  • 2018 kam es laut Statistik zu 9234 Vergewaltigungen und besonders schweren Übergriffen.
  • In etwa 70 Prozent der Fälle ist die eigene Wohnung der Tatort.

Erst Anfang Juli ist es passiert: In Mülheim an der Ruhr sollen mehrere Jungen eine 18-Jährige sexuell missbraucht haben. Kurze Zeit später die ersten Infos aus Bergkamen: Ein 32-Jähriger soll sich an einem Mädchen vergangen haben.

Gefühlt gibt es immer mehr solcher Meldungen. Aber bedeutet das auch, dass es zu immer mehr Sexualstraftaten kommt? Die Deutsche Presse-Agentur hat die Fakten überprüft - mit überraschenden Ergebnissen.

Sexualstraftaten: Die Zahlen gehen zurück

Tatsache ist nämlich, dass die Zahl der Vergewaltigungen genauso wie die der Sexualstraftaten im Allgemeinen abnimmt. Laut der Polizeilichen Kriminalstatistik 2018 sind die Zahlen bei Vergewaltigungen, sexuellen Nötigungen und besonders schweren Übergriffen im Vergleich zum Vorjahr um 18,2 Prozent zurückgegangen - von 11.282 auf 9234.

Tatort ist meist die eigene Wohnung - in immerhin 70 Prozent aller Fälle. Dass vor allem dunkle Straßenecken gefährlich sind, sei ein Mythos. In der Mehrzahl der Fälle handle es sich auch nicht um einen unbekannten Täter, sondern häufig um Bekannte oder sogar Personen aus der Familie.

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Erschreckend sind die Fakten bei der juristischen Verfolgung von Vergewaltigungen. Laut der Frauenrechtsorganisation Terre des Femmes bleiben etwa 90 Prozent der erfassten Vergewaltigungsfälle ohne Verurteilung.

Sind die Täter immer häufiger Ausländer?

Die Frage, ob Zuwanderer vermehrt Sexualstraftaten begehen, ist schwerer zu beantworten. Fest steht: Nur etwa 0,15 bis 0,2 Prozent der männlichen Zuwanderer über 16 wurden bisher als Täter einer Sexualstraftat erfasst. Das bedeutet gleichzeitig, dass mehr als 99,8 Prozent "unschuldig" sind.

Nach Angaben des Bundeskriminalamts war 2018 etwa jeder achte Verdächtige einer Sexualstraftat ein Zuwanderer. Damit blieb der Wert im Vergleich zum Vorjahr konstant, von einer Zunahme kann nicht gesprochen werden. Fest steht aber auch: Zuwanderer begehen im Verhältnis mehr Sexualstraftaten als deutsche Männer.

Zu erwähnen ist aber auch: Nach einer Studie der Züricher Hochschule für Angewandte Wissenschaft werden ausländische Täter mit einer höheren Wahrscheinlichkeit angezeigt als Deutsche. Je fremder ein Täter wirkt, desto eher meldet ein Opfer ein Verbrechen der Polizei. mit dpa-Material