Tatverdächtiger vom Hauptbahnhof Frankfurt war bereits auf der Flucht

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Nachdem ein Mann am Hauptbahnhof Frankfurt ein Kind (8) auf vor einen ICE gestoßen und ihn damit getötet hat, ergreift Innenminister Seehofer das Wort.

Einen Tag nachdem ein Junge (8) am Hauptbahnhof Frankfurt vor einen einfahrenden Zug gestoßen wurde, gibt es nun neue Erkenntnisse in dem Fall. Der Tatverdächtige wurde seit Tagen von der Schweizer Polizei gesucht. Innenminister Horst Seehofer will nun die Sicherheit erhöhen.

  • Bundesinnenminister Horst Seehofer hat sich am Dienstag mit den Chefs der Sicherheitsbehörden beraten.
  • Er fordert mehr Polizeipräsenz und will alles "Menschenmögliche" machen, um die Sicherheit in der Bevölkerung wiederherzustellen.
  • Der Tatverdächtige galt als gut integriert, wurde dann aber plötzlich aggressiv und kriminell.

Update, Dienstag (30. Juli), 17.40 Uhr: In dem Fall des getöteten Jungen in Frankfurt gibt es am Dienstag (30. Juli) neue Erkenntnisse. Demnach wurde der Tatverdächtige in der Schweiz seit mehreren Tagen gesucht.

Er soll seine Nachbarin am vergangenen Donnerstag (26. Juli) mit einem Messer bedroht haben und anschließend geflüchtet sein. Das teilte Bundespolizeipräsident Dieter Romann auf einer gemeinsamen Pressekonferenz mit Innenminister Horst Seehofer und BKA-Präsident Holger Münch mit.

Tatverdächtiger galt als Vorbild "gelungener Integration"

Weiteren Angaben Romanns zufolge, kam der Mann 2006 illegal in die Schweiz und beantragte dort illegal Asyl, welches ihm 2008 gewährt wurde. Seitdem besaß er die Niederlassungsbewilligung der Stufe C, was bedeutet, dass der Mann als "gut integriert" galt.

In der Schweiz sei der Verdächtige einer festen Arbeit nachgegangen. Wie Horst Seehofer sagt, ein Beispiel "gelungener Integration". Warum der Mann polizeilich auffällig wurde, ist bislang nicht bekannt. Nach bisherigem Ermittlungsstand der Kantonpolizei Zürich habe der 40-Jährige aber psychische Probleme gehabt.

Seehofer spricht von "kaltblütigem Mord"

Horst Seehofer brach am Montag (29. Juli) seinen Urlaub ab. Am Dienstag (30. Juli) hat er sich mit den deutschen Sicherheitschefs darüber beraten, wie es nun mit der inneren Sicherheit weitergehen soll. In Bezug auf die Tat in Frankfurt spricht der Minister von einer "kaltblütigen Tat". Er würde jetzt alles "Menschenmögliche" tun, um die Sicherheit in der Bevölkerung wiederherzustellen.

"Das Sicherheitsgefühl in der Bevölkerung ist beeinträchtigt", so Seehofer. Das kann und möchte er nicht hinnehmen. Als Politiker sieht er sich in der Pflicht zu handeln.

Sicherheit an Bahnhöfen verbessern

Für die Zukunft will Seehofer die Sicherheit an deutschen Bahnhöfen verbessern. Wie das geschehen soll, ist bislang unklar. Es gibt aktuell 5600 Bahnhöfe in Deutschland - alle mit anderen Strukturen. Eine Herausforderung, die er alleine als Politiker nicht stemmen kann. "Wir brauchen mehr Polizeipräsenz - auch von der Bundespolizei", sagt Seehofer.

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Um zu klären, wie es an deutschen Bahnhöfen weitergehen soll, kündigte der Innenminister an, sich mit dem Bundesverkehrsminister und Vertretern der Deutschen Bahn beraten zu wollen. Eine Möglichkeit für verbesserte Sicherheit wäre beispielsweise eine verstärkte Überwachung durch Kameras.

Auf Nachfrage schloss er auch die Installation von Schranken an Bahngleisen nicht aus. Vorbild dafür sind Bahnhöfe in Asien. Doch wie sieht es mit der Finanzierung von derartiger Technik aus? Seehofer dazu: "Wenn ich eins nicht mag, dann die Argumentation mit dem Geld. Wenn wir durch den Einsatz solcher Technik ein Menschenleben retten können, sollten wir das umsetzen."

Ermittler suchen weiter nach einem Motiv

Erstmeldung: Nach der tödlichen Attacke am Frankfurter Hauptbahnhof geht die Suche der Ermittler nach dem Motiv des Tatverdächtigen weiter.

Der 40-Jährige, der am Montag einen Jungen (8) vor einen einfahrenden ICE in den Tod gestoßen haben soll, wird laut Staatsanwaltschaft Frankfurt am Dienstag (30. Juli) dem Haftrichter vorgeführt.

Mann soll am Hauptbahnhof Frankfurt auch Mutter im Visier gehabt haben

Am Hauptbahnhof Frankfurt soll der tatverdächtige 40-Jährige am Montag auch die Mutter des getöteten Jungen ins Gleisbett gestoßen und es bei einer weiteren Person versucht haben. Die Mutter habe sich auf einen Fußweg zwischen zwei Gleisen gerettet. Sie wurde mit Verletzungen ins Krankenhaus gebracht. Die dritte Person konnte sich in Sicherheit bringen, ohne in die Gleise zu stürzen.

Bislang hat der Tatverdächtige sich nicht zu dem Fall geäußert, wie eine Sprecherin der Ermittlungsbehörde sagte.

Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) will sich "angesichts mehrerer schwerwiegender Taten in jüngerer Zeit" derweil am Dienstag in Berlin mit den Chefs der Sicherheitsbehörden beraten. Die Ergebnisse wird er auf einer Pressekonferenz um 15 Uhr vorstellen.

Seehofer will nicht nur über Horrortat von Frankfurt sprechen

Bei dem Treffen soll es nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur neben der Attacke am Frankfurter Hauptbahnhof auch um Angriffe und Drohungen gegen Vertreter der Linkspartei gehen, um Bombendrohungen gegen Moscheen sowie den rassistisch motivierten Angriff auf einen Eritreer im hessischen Wächtersbach.

Die Attacke im Frankfurter Hauptbahnhof löste auch eine Debatte über die Sicherheit an Bahnhöfen aus. Erst vor wenigen Tagen war es zu einem ähnlichen Vorfall in Voerde (NRW) gekommen, bei dem eine Frau ums Leben kam.

Der CDU-Innenpolitiker Philipp Amthor sagte der Deutschen Presse-Agentur: "Nach dieser furchtbaren Straftat braucht es jetzt rasche und spürbare Konsequenzen für den Täter. Zusätzlich zum Strafverfahren sollten auch aufenthaltsbeendende Maßnahmen diskutiert werden. Darüber hinaus bin ich offen für eine Diskussion über bessere Sicherheitsvorkehrungen an unseren Bahnhöfen."

Experten bemängelt Zahl der Bundespolizisten

Der SPD-Verkehrsexperte Martin Burkert bemängelte in der Bild-Zeitung (Dienstag) eine unzureichende Aufsicht an den Bahnsteigen, außerdem fehle es an den Bahnhöfen an Bundespolizisten.

Aus Sicht der Vorsitzenden der Verkehrsministerkonferenz, Anke Rehlinger (SPD), sind Taten wie in Frankfurt durch Sicherheitsmaßnahmen allerdings nicht zu verhindern. Dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND/Dienstag) sagte die saarländische Verkehrsministerin: "Eine solche Tat offenbart keine Sicherheitslücke, sondern eine Menschlichkeitslücke."

Der stellvertretende Bundesvorsitzende der Gewerkschaft der Polizei (GdP), Jörg Radek, warnte unterdessen vor Nachahmungstätern. Aus Großstädten wie Berlin seien Fälle sogenannter S- und U-Bahn-Schubser schon länger bekannt. "Die Polizei versucht sich nach jedem Fall präventiv besser einzustellen. Bei Taten, die vorsätzlich geschehen, stößt sie jedoch an ihre Grenzen", sagte Radek dem RND.

Angesichts von 5600 Bahnhöfen und Haltestellen in Deutschland dürfe nicht mit schnellen Lösungen gerechnet werden. "Die sind alle so unterschiedlich strukturiert, dass es schwer sein dürfte, ein Konzept für alle zu entwickeln." Forderungen nach mehr Personal bezeichnete der GdP-Vize als unseriös. mit dpa-Material