Millionen tote Vögel

Krasse Forderung: Dürfen Katzen bald nicht mehr frei herumlaufen? 

Wenn es nach zwei Juristen ginge, dürften Katzen bald nicht mehr frei herumlaufen. Sie sollen für den Tod von Millionen Vögel verantwortlich sein. 

  • Hauskatzen sollen jährlich mehr als 30 Millionen Vögel töten.
  • Zwei Juristen aus den Niederlanden wagen deshalb nun mit einem Ausgehverbot einen radikalen Vorstoß.
  • Tier- und Umweltschützer stehen diesem Vorschlag skeptisch gegenüber. 

Dortmund - Katzen sind niedlich. Katzen sind tödlich - zumindest für Vögel. Deshalb plädieren jetzt zwei Juristen aus den Niederlanden dafür, dass Hauskatzen nicht mehr länger draußen frei herumlaufen dürfen. Ihr Argument: Katzen gefährden die Artenvielfalt in Europa - insbesondere von Vögeln und kleinen Säugetieren. 

Katzen töten jährlich Millionen Vögel 

Neben dem Hund gehört die Katze zu den beliebtesten Haustieren in Deutschland. Einige von ihnen werden bereits jetzt nur im Haus gehalten, andere hingegen dürfen munter durch die Gärten streifen und die umliegenden Wiesen unsicher machen. Das könnte mitunter ein Grund dafür sein, dass es in manch einem Garten bedenklich still ist - denn es singt kaum mehr ein Vogel

Der Grund: Es gibt zu viele Katzen, die Jagd auf die Singvögel machen. Die ohnehin schon bedrohte Artenvielfalt der Vögel gerät dadurch noch mehr in Gefahr. Wissenschaftler gehen davon aus, dass die Hauskatze imstande wäre, ganze Populationen von Vögeln und anderen Kleintieren auszulöschen.

Zwei niederländische Juristen sind sogar der Meinung, das die Katze bereits für die Ausrottung von mindestens zwei Reptilienarten, 21 Säugetierarten und 40 Vogelarten mitverantwortlich ist. Sie beziehen sich dabei auf eine Studie aus dem Jahr 2016, wie Öko-Test berichtet.

Juristen fordern, Katzen nicht mehr frei herumlaufen zu lassen

Deshalb fordern die beiden Juristen Arie Trouwborst und Han Somsen jetzt, das Katzen nicht länger draußen frei herumlaufen dürfen. Im  "Journal of Environmental Law", einer der Zeitschrift für Umweltrecht, deuten sie außerdem an, dass ein Verbot juristisch möglich sei.

Denn durch Katzen wären weltweit fast 370 Tierarten bedroht. Die kleinen Tiger gehören zu den am weitesten verbreiteten Räubern. Laut Trouwborst und seinem Kollegen richten sie dadurch riesige Schäden an und stellen eine massiveBedrohung der Artenvielfalt dar.

Zu viele Katzen sorgen für Ausrottung von Vögeln

Doch die Zahlen sind nicht unumstritten. Klar ist aber: Gerade in Dörfern und kleinen Gemeinden kommt es oft zu einer Überpopulation an Katzen - diese bedrohen dann mitunter auch die Vogelwelt. Denn das Problem ist, dass die meisten Hauskatzen nicht aus Hunger jagen, sondern um ihren natürlichen Spieltrieb zu befriedigen. Dabei fallen ihnen Vögel und andere kleine Tiere wie Maulwürfe, Frösche, Eidechsen oder Schmetterlinge zum Opfer.

Aus diesem Grund gehörenKatzen für die beiden niederländischen Juristen ins Haus, um sie so vor dem Töten anderer Tiere abzuhalten. Ob sich das Ausgehverbot für Katzen in den Niederlanden durchsetzen wird, bleibt abzuwarten. Und wie sieht es in Deutschland aus? Droht den Katzen hierzulande auch das Ende ihrer Freiheit?

Umweltschützer halten Verbot in Deutschland für unwahrscheinlich

Die meisten Vertreter von Umwelt- und Tierschutzorganisationen sind sich einig: In Deutschland dürfte ein solches Verbot nicht realistisch sein. Außerdem sehen sie zwar die Bedrohung der Artenvielfalt der Vögel durch die Katze, geben aber auch zu bedenken, dass auch andere Faktoren eine nicht ganz irrelevante Rolle spielen. So verweist beispielsweise der WWF auf die fort­schrei­ten­de Vernichtung von Lebens­räu­men durch den Men­schen.

Und auch Lars Lachmann, Vogelexperte beim NABU, hält solch eine strenge Regulierung bei Katzen in Deutschland für nicht umsetzbar. Zudem schätzt er die drohende Gefahr von freilaufenden Hauskatze für Vögel als relativ gering ein.

Viel problematischer seien verwilderte Hauskatzen, denn diese seien gezwungen, ihren Nahrungsbedarf tatsächlich über die Jagd auf Vögel und andere Kleintiere zu decken. Deshalb sieht Lachmann vor allem hier enormen Handlungsbedarf. 

Was tun, damit die Katze nicht zum Mörder wird?

"Ein optimales Ergebnis würde man mit umfassenden Programmen zur Kastration beziehungsweise Sterilisation aller verwilderten Hauskatzen kombiniert mit einer entsprechenden Kastrations- und Kennzeichnungspflicht für Katzen mit Freigang erzielen", so Lachmann. Dadurch verringere sich der Bestand verwilderter Katzen und somit auch die Bedrohung für Vögel und andere Kleintiere. 

Doch es gibt noch andere Möglichkeiten, wie man die Jagdlust bei Hauskatzen eindämmen und die Gefahr für die Vögel reduzieren kann:

  • Spielen! Wer viel mit seiner Katze spielt, reduziert deren Jagdtrieb. 
  • Temporäre Ausgangssperre im Mai und Juni - denn hier sind die meisten Jungvögel unterwegs und die sind bei Katzen besonders beliebt und ihnen meist hilflos ausgeliefert.
  • Nester katzensicher machen: Bäume können durch katzenabweisende Manschettenringe aus Metall oder Plastik gesichert werden. Futterhäuschen und Nistkästen mindestens zwei Meter über dem Boden aufhängen.

Und so haben am Ende beide etwas davon: Katzenfreunde undVogelliebhaber. Denn dass das radikale Verbot für die Katzen, nicht mehr draußen frei herumlaufen zu dürfen, kaum artgerecht ist, dürfte außer Frage stehen. 

Rubriklistenbild: © dpa

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