Wegen Klage ihrer Fraktion

Shitstorm für Politikerin: Wiebke Knell erhält Hunderte Hasskommentare und Morddrohungen

+
Wiebke Knell erhielt Hunderte Hasskommentare und Morddrohungen.

Die FDP-Abgeordnete Wiebke Knell thematisierte auf ihrer Facebook-Seite die Klage ihrer Fraktion gegen die Hessische Jagdverordnung. Dafür erhielt sie nun Hunderte Hasskommentare und Morddrohungen.

  • Wiebke Knell hat Hunderte Hasskommentare und Morddrohungen erhalten. 
  • Die FDP-Abgeordnete hatte nicht mit einem so enormen Shitstorm gerechnet.
  • Bisher wurden keine Schutzmaßnahmen für die Sicherheit der Politikerin getroffen. 

Frau Knell, was ging Ihnen beim Lesen der Kommentare durch den Kopf?

Viele Kommentare waren weit unter der Gürtellinie. Vor allem haben mich Kommentare belastet, in denen mir Menschen wünschen, dass ich selbst eine Kugel abbekommen sollte. Andererseits sind das keine Menschen, die mich persönlich kennen. Niemals würde jemand im persönlichen Gespräch so etwas sagen. Viele empfinden das Internet leider als rechtsfreien Raum, in dem jeder schreiben kann, was er gerade möchte.

Waren Sie über die Vielzahl an Hasskommentaren und Drohungen überrascht?

Ich hatte nicht damit gerechnet, in welcher Vehemenz und in welchem Ansturm diese Kommentare kamen. Mein Beitrag wurde auf Jagdgegner-Seiten und Foren geteilt, verbunden mit dem Aufruf, sich auf mich zu stürzen und mich mit Kommentaren zu überschütten. Als Politiker muss man natürlich mit Kritik rechnen, das war mir auch in diesem Fall bewusst. Aber nicht damit, dass sich gleich mehrere Hundert Leute in wenigen Tagen auslassen und zu keiner sachlichen Diskussion bereit sind.

Haben Sie solch einen Shitstorm zuvor schon einmal erlebt?

Vor einigen Jahren habe ich im Wahlkampf die Ahle Wurscht in den Fokus gestellt. Da gab es von Veganern einen Shitstorm gegen mich. Das war allerdings nicht so drastisch wie im jetzigen Fall.

Wie bewerten Sie die Drohungen gegen Ihre Person?

Ich rechne nicht damit, dass jemand plötzlich vor meiner Haustür steht. Ich fühle mich nicht um Leib und Leben bedroht. Ich habe mich aber von den Sicherheitsbehörden beraten lassen. Der Staatsschutz hat sich die Kommentare angeschaut und mir eine Einschätzung gegeben, gegen welche Kommentare ich rechtlich vorgehen kann.

Wurden vorsorglich Schutzmaßnahmen getroffen?

Nein. Das hessische Landeskriminalamt hat die Kommentare so eingeschätzt, dass ich mich nicht in einer Gefährdungssituation befände. Einige Kommentare sind auch bereits von Facebook gelöscht worden und können nicht wieder hergestellt werden. Das LKA hat sich deshalb an Facebook gewandt, das US-Unternehmen will die Daten aber nicht herausgeben. Gegen Kommentare, für die ich damit keinen Beweis mehr habe, kann ich leider auch nicht rechtlich vorgehen.

Sie sind selbst aktive Jägerin, kennen also das Metier und auch die Kritik daran. Warum polarisiert das Thema derart stark?

Wenn ich in Nordhessen mit den Menschen spreche, dann sieht niemand den Waschbären als putziges Tierchen, das man noch füttern und pflegen sollte. Wer Erfahrung mit Waschbären hat, der weiß, dass es sinnvoll ist, sie zu bejagen. Die Menschen, die jetzt kommentiert haben, waren Menschen aus ganz Deutschland, auch aus Großstädten. Vermutlich haben viele noch nie einen Waschbären gesehen. Die meisten Menschen im ländlichen Raum haben aber ein pragmatisches Verhältnis zur Jagd.

Zur Person: 

Wiebke Knell (38) ist seit Herbst 2017 Abgeordnete der FDP-Fraktion im Hessischen Landtag. Geboren in Schwalmstadt, studierte sie Politik, Jura und Geschichte in Gießen, Brest und Mainz. Sie gehört der Stadtverordnetenversammlung Neukirchen und dem Kreistag an. Sie lebt mit Mann und Tochter in Neukirchen.

Nach Einschusslöchern: Auch der SPD-Bundestagsabgeordnete Karamba Diaby erhält Morddrohungen. Die rechtsextremen Verfasser unterzeichnen mit "Heil Hitler" und verweisen auf den ermordeten Kasseler Regierungspräsidenten Walter Lübcke. 

Immer wieder sorgen Hasskommentare und Shitstorms für Schlagzeilen. Auch EKD-Chef Bedford-Strohm erhielt zuletzt Morddrohungen.

Im Video: Hetze im Netz ist ein Problem - FDP lehnt härtere Strafen ab