„Das neue Normal“

Wasserknappheit in Deutschland: Verbote in etlichen Landkreisen erlassen - Habeck mit düsterer Prophezeiung

„Freibad geschlossen“ ist auf einem Schild zu lesen, das in einem Freibad steht.
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Wasserknappheit in Deutschland: In Nordrhein-Westfalen musste ein Freibad schließen, dieser Schritt sei „unausweichlich“ gewesen, hieß es. Die anhaltende Trockenheit stellt die Bundesrepublik vor Probleme.

Wo ist nur das Wasser hin? In einigen Teilen Deutschlands sorgt die aktuelle Dürre für akute Wasserknappheit: Verbote wie das des Blumengießens wurden erlassen, ein Freibad sogar geschlossen.

  • Extrem-Wetter* in Deutschland: Die Hitzewelle hat die Bundesrepublik erreicht.
  • Neben der Rekordtemperaturen gibt es noch ein weiteres Problem.
  • In Deutschland wird das Wasser knapp.

München - In Deutschland wird das Wasser knapp. Die Hitzewelle hat die Bundesrepublik erreicht und die Auswirkungen der Rekordtemperaturen werden immer stärker spürbar. Am Sonntag wurde in Trier eine neue Jahreshöchsttemperatur gemessen - der Sahara-Hitze sei Dank.

Deutschland-Wetter: Gemeinden im Wassernotstand! „Signale, zeigen, dass es enger wird“

Am Montagabend warnte der Deutsche Wetterdienst für den Dienstag gebietsweise vor „extremer Hitze.“ Diese sei vor allem im Westen spürbar. Bevor gegen Ende der Woche ein Temperatursturz mit Schauern* erwartet wird, bleibt es also erst einmal überwiegend heiß. Dabei wäre Regen schon jetzt so wichtig, denn immer mehr Orte in Deutschland klagen wegen der anhaltenden Trockenheit über Wasserknappheit.

Noch gebe es bei der Wasserversorgung zwar keinen akuten, flächendeckenden Notstand, sagte der Referent für Wasserwirtschaft beim Städte- und Gemeindebund Rheinland-Pfalz, Thomas Rätz, am Montag in Mainz. „Aber es gibt Signale, die zeigen, dass es enger wird.“ Dass es eng werden kann, machte die Lage in einigen Gemeinden des Landes bereits eindrucksvoll deutlich.

Deutschland-Wetter: Wasserknappheit sorgt für Verbote - kein Blumengießen oder Rasensprengen

So hat beispielsweise die Verbandsgemeinde Simmern-Rheinböllen (Rheinland-Pfalz) wegen drohenden Wassermangels bereits Verbote erlassen: Um die Grundversorgung mit Trinkwasser sicherzustellen, dürfen seit Sonntag unter anderem keine Pools oder Planschbecken in Gärten befüllt werden, keine Grünflächen mehr gewässert oder Autos auf Privatgrundstücken gewaschen werden. Ähnliche Regelungen gelten im rund 80 Kilometer entfernten Montabaur. Bereits Anfang August riefen zwei hessische Gemeinden im Taunus den Trinkwassernotstand aus. Auch der Wasserverband Garbsen-Neustadt (Region Hannover) appellierte zu sparsamem Verbrauch und warnte vor einer „Spitzenauslastung der Anlagen“.

Im Kreis Gütersloh musste ein Freibad wegen Wasserknappheit sogar zeitweise geschlossen worden. Weil die Reserven leerzulaufen drohten, sei die Schließung am Sonntag unausweichlich gewesen, hatte die Gemeinde Borgholzhausen mitgeteilt. Nach aktuellem Stand könne das Freibad jedoch am Dienstag wieder geöffnet werden. Zuvor sprach Bürgermeister Dirk Speckmann (SPD) zu den Bewohnern des 9.000-Einwohner-Ortes und erklärte, es müssten „drakonische Maßnahmen“ getroffen werden. So sei etwa auch das Blumengießen und Rasensprengen mit Trinkwasser untersagt.

Deutschland-Wetter: Wasserknappheit begründet sich auch in Corona-Krise

Am Wochenende waren in der kleinen niedersächsischen Gemeinde Lauenau die Speicher leergelaufen. Die Feuerwehr stellte Brauchwasser zur Verfügung, um etwa die Toilettenspülung zu gewährleisten. Innerhalb des Ortes kommt man nach einer ersten Analyse indes zu dem Ergebnis, dass nicht nur der ausbleibende Niederschlag bei steigenden Temperaturen für die Knappheit verantwortlich sind. Bürgermeister Wilfried Mundt (SPD) hatte die Ausnahmesituation damit begründet, dass in der Corona-Krise* mehr Menschen in der Sommerzeit daheim seien als sonst, sodass der Wasserverbrauch drastisch steige.

Deutschland-Wetter: „Außergewöhnliche Dürre" in Teilen Deutschlands - das Wasser wird knapp

Die maßgebliche Rolle spielt aber gewiss die Häufung von Dürren. Wie aus Daten des Zentrums für Umweltforschung hervorgeht, herrsche mittlerweile an einigen Orten der Bundesrepublik eine „außergewöhnliche Dürre" vor.

Viele dunkle Flecken auf dem Dürremonitor: Die roten Bereiche bedeuten „extreme Dürre“, die beispielsweise im Osten auftretenden dunkelroten Flecken stehen laut UFZ für „außergewöhnliche Dürre“ und entsprechen der höchsten Stufe.

Deutschland-Wetter: Grünen-Chef Habeck warnt: „Solche Hitzewellen werden das neue Normal sein“

Die Dürre korreliere mit steigenden Temperaturen. Damit scheint der Klimawandel eine entscheidende Beteiligung an der aktuellen Situation zu haben. Das meint zumindest Grünen-Chef Robert Habeck: „Die gegenwärtige Sommerhitze kommt nicht überraschend“, sagte Habeck der Deutschen-Presse-Agentur. „Solche Hitzewellen werden das neue Normal sein.“ Gerade dieses Jahr mit schockierenden Berichten aus Sibirien und der Arktis zeige, dass die Klimakrise rasant an Geschwindigkeit zunehme. Die Hitze sei zudem eine ernste Gefahr für die Gesundheit der Bevölkerung. Auch der Deutsche Wetterdienst gab Warnungen zur extremen Hitze heraus.

Um Deutschland besser für Hitzewellen zu wappnen, forderte der Grünen-Politiker* derweil einen Hitzeplan zum Schutz der Gesundheit. Es brauche ein einheitliches, gestuftes Hitzewarnsystem, sagte der 50-Jährige. ��Es sollte ein bundesweites Beratungstelefon geben, Risikogruppen sollten besondere Beachtung finden.“ In Frankreich gebe es bereits entsprechende Pläne, in Deutschland müsse darauf noch gewartet werden - so wie in einigen Teilen des Landes derzeit auch auf Wasser gewartet werden muss. (as mit Material der dpa)

Während in ganz Deutschland das Wasser knapp ist, leidet eine Nachbarschaft in München Schwabing unter zu viel Wasser. Seit 5 Jahren sprudelt Grundwasser in ihre Keller. *merkur.de ist Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerks