„Corman-Drosten-Review“

Drosten-Test schlecht? Virologen-Kollege zerpflückt fragwürdiges Gutachten - „Aussagen zusammengerührt“

Ist der PCR-Test von Christian Drosten wirkungslos? Der „Corman-Drosten-Review“ behauptet das. Virologe Schmidt-Chanasit zerpflückt das Gutachten.

  • Im Netz kursiert der sogenannte „Corman-Drosten-Review“, der die Unbrauchbarkeit der PCR-Tests auf Corona-Infektionen ausgemacht haben will.
  • Virologe Jonas Schmidt-Chanasit zerpflückt das Papier, bezeichnet es als „Desinformationskampagne“.
  • Hier finden Sie die grundlegenden Fakten zum Coronavirus* und eine Karte mit den aktuellen Fallzahlen in Deutschland.

München - In Deutschland gibt es zwei übliche Testverfahren auf eine Corona-Infektion*. Besonders schnelle Ergebnisse liefert der Antigen-Test. Er weißt Virus-Proteine im Abstrich nach, ist dabei allerdings wenig empfindlich. Fällt der Befund negativ aus, heißt das nicht unbedingt, dass die Person auch gesund ist.

Der PCR-Test benötigt zwar deutlich mehr Zeit, ist dafür aber auch sehr exakt. Studien bescheinigen wiederholt eine Trefferquote nahe an 100 Prozent*. Auch falsch-positive Ergebnisse sind demnach selten.

Coronavirus: PCR-Tests unwirksam? Krude Thesen in „Corman-Drosten-Review“

Jetzt platzte der „Corman-Drosten-Review“ in die Öffentlichkeit. Das im Netz kursierende Gutachten lässt kein gutes Haar am von Christian Drosten mitentwickelten Verfahren. Die PCR-Tests seien unbrauchbar und gänzlich ungeeignet für den Nachweis von SARS-CoV-2, heißt es darin.

Christian Drosten: Eine ominöse Studie bezeichnet die von ihm entwickelten Corona-Tests als unbrauchbar.

Heftige Vorwürfe gegen die bestehende Corona-Strategie. Kritiker und „Querdenker“ sind natürlich ganz Ohr, ziehen ihre Schlüsse und teilen die Streitschrift tausendfach. Das ominöse Paper hat seine Wirkung offenbar nicht verfehlt. Für Virologe Jonas Schmidt-Chanasit keine Überraschung, wie er im Interview mit Welt.de erklärt.

„Desinformationskampagne“: Virologe zerpflückt ominöses Papier - und verteidigt Christian Drosten

„Es handelt sich im eine Mischung, wie man sie bei solchen Desinformationskampagnen häufig findet: Einige korrekte Aussagen, die in dem Zusammenhang aber nicht relevant sind, werden mit Falschaussagen zusammengerührt“, beschreibt der Mediziner.

Verwechslungsgefahr! Warnt Schmidt-Chanasit. Von 22 Autoren unterzeichnet, ist der „Corman-Drosten-Review“ mit Fachsprache ausgeschmückt. Eine ernstzunehmende wissenschaftliche Abhandlung ist er deshalb aber natürlich noch nicht.

Corona-Tests angeblich unbrauchbar: „Völlig absurd“ - Virologe Jonas Schmidt-Chanasit entkräftet Vorwürfe

Eines wundert den Wissenschaftler besonders. Wieso wurde das „Gutachten“, er setzt es selbst in Anführungszeichen, auf keinem der üblichen Kanäle veröffentlicht? „Stattdessen wurde eine eigene Website eingerichtet“, moniert er, so käme kein wissenschaftlicher Diskurs über die Befunde zustande. Wurde das absichtlich schon im Vorfeld verhindert?

„Völlig absurd“ seien einige Vorwürfe des „Corman-Drosten-Reviews“. Das neuartige Coronavirus* sei noch nie isoliert worden, heißt es beispielsweise. Doch genau das haben Experten in Kanada, den USA und auch Deutschland bereits getan. Erstmals wurde der Erreger schon im Februar in einer Zellkultur untersucht. Die etlichen Tierversuchsreihen wären ohne erfolgte Isolation schließlich überhaupt nicht möglich gewesen.

Der zweite große Vorwurf der Autoren gegen Christian Drosten: Er habe keine Standardarbeitsanweisung formuliert. Sprich, nicht erklärt, wie die PCR-Tests verwendet werden müssen, um exakte Ergebnisse zu garantieren. „Das absolut übliche Vorgehen“, nimmt Schmidt-Chanasit diesem Punkt komplett den Wind aus den Segeln. Jedes Labor erarbeite seine Arbeitsanweisung selbst. Schließlich müssen diese auf die jeweilige Ausstattung und Struktur abgestimmt werden. (moe) *Merkur.de ist Teil des Ippen-Redaktionsnetzwerks.

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