Ergebnisse nach Obduktionen

Deutsche Corona-Studie: Rechtsmediziner hält Angst für überflüssig - „Das ist kein Killervirus“

Prof. Klaus Püschel vom Universitätsklinikum Hamburg - hier wurden 190 Menschen obduziert
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Prof. Klaus Püschel vom Universitätsklinikum Hamburg - hier wurden 190 Menschen obduziert

Wie gefährlich ist das Coronavirus? Eine erste Studie über obduzierte Menschen mit Covid19 gibt Aufschlüsse zu Behandlungsmethoden - auch für Risikogruppen.

  • Im Zusammenhang mit dem Coronavirus* wird Forschung* in verschiedensten Fachrichtungen betrieben.
  • Von den Toten für die Lebenden lernen, will der Hamburger Pathologe Klaus Püschel.
  • Mit seinen Ergebnissen und Aussagen hat er bereits kontroverse Diskussionen ausgelöst.

Hamburg - Prof. Dr. Klaus Püschel polarisiert: Im Großen und Ganzen decken sich seine Forschungsergebnisse mit anderen Forschungen zum Coronavirus - doch was er kommuniziert, ist oft mit klaren Handlungsanweisungen verbunden sowie eher emotional und persönlich - und er zieht andere Folgerungen als manch anderer Forscher. Über die Schwierigkeiten der Kommunikation wissenschaftlicher Ergebnisse hatte erst eine ARD-Youtuberin ein Video gemacht

Video: Jens Spahn zum Schutz der Bevölkerung bei epdemischer Lage

In der am 8. Mai am Hamburger Universitätsklinikum vorgestellten Studie wurden 190 Patienten, die im Zusammenhang mit dem Coronavirus verstorben sind, obduziert. Aus den Ergebnissen versprechen sich die Mediziner Erkenntnisse für die Behandlung von Covid-19-Patienten. Die Studie ist die weltweit erste veröffentlichte Studie durch Obduktionen.

Coronavirus-Studie aus Hamburg: Rechtsmediziner Püschel will Statistiken anders lesen

Der Auftakt der Presseveranstaltung klang beruhigend: In Hamburg gäbe es eine offizielle Sterberate von 3,5 Prozent, vorsichtig eingeschätzt liegt die Sterberate aber wohl eher unter zwei Prozent, so Püschel - das medizinische Versorgungssystem funktioniere gut. 

Todesursachen seien letztlich immer Infektionen der Atemwege und der Lunge gewesen - dies könne aber auch an Vorerkrankungen der Lunge und bakteriellen Infektionen durch die Beatmung liegen - insofern seien diese Virusinfektionen etwas Besonderes.

Mit den einzelnen Fachrichtungen würden jetzt alle Organsysteme abgeprüft und damit auch spezifischere Behandlungsmöglichkeiten entwickelt - dies gelte auch für Risikogruppen*.

Er regt an, Statistiken* einmal andersherum zu lesen und sagt: „Wir sind eindeutig auf dem absteigenden Schenkel einer relativ breiten Welle von Todesfällen: Wir haben immer weniger Todesfälle, nicht immer mehr.“ 

Coronavirus Studie: So bedrohlich wie in Italien ist es nie gewesen

Besonders in Norddeutschland habe es nie ein ähnlich bedrohliches Schreckensszenario gegeben*, wie es Bilder aus Italien suggeriert hätten, ist die Einschätzung Püschels. 

Jan Sperhake und Hans Kluge, Co-Autoren der Studie an zwölf verstorbenen Patienten fassen die Ergebnisse so zusammen:

  • Schwere, feste Lungen seien auch mit bloßem Auge erkennen
  • Bei jedem zweiten hätten sich Thrombosen in den Beinen, bei jedem Dritten Embolien im Körper finden lassen 
  • Herz- und Lungenerkrankungen, Über- oder Untergewicht, Demenz- und Krebserkrankungen hätten bei vielen Verstorbenen parallel vorgelegen 

Die Ergebnisse würden nahelegen, dass man an blutverdünnende Maßnahmen in der Behandlungen häufig schon früher denken solle - es bleibe allerdings unklar, ob das  Tode hätte verhindern können.

Hamburger Rechtsmediziner über das Coronavirus: „Das ist kein Killervirus“ - „Angst ist überflüssig“

Nach der Pressekonferenz bleiben aber vor allem Püschels Aussagen zur Gefährlichkeit des Virus: „Das ist kein Killervirus, aber eine Verlaufsform als Pandemie.“ Außerdem sagte er: „Angst ist überflüssig.“

*Merkur.de ist Teil des deutschlandweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerks.

kat