Keim- und Bakterienschleudern

Schutz in der Corona-Krise: Diskussion über den Nutzen von Handschuhen - „Eine Kloake an den Händen“? 

Coronavirus - Einweghandschuhe
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Coronavirus - Einweghandschuhe

Coronavirus: Einmal-Handschuhe als Virenabwehr? Ein Arzt warnt jetzt vor dem Gebrauch von Arzthandschuhen - Krankenschwestern widersprechen.

  • In der Corona-Krise wird Schutzkleidung Mangelware im medizinischen Bereich.
  • Auch Privatpersonen decken sich mit Behelfsschutz ein.
  • Eine Art von Handschuhen scheint nahezuliegen - doch ein Mediziner warnt.

Update, 09.04.2020: Anders als Dr. Marc Hanefeld, wollen Krankenschwestern den Einsatz von Handschuhen nicht generell verteufeln. Gegenüber Merkur.de sagte Monika Staffanson, examinierte Krankenschwester von der Initiative Kindergesundheit München, dass sich der Einsatz von Handschuhen unter gewissen Umständen doch als sinnvoll erweisen könne - etwa, wenn Menschen rissige Haut haben, durch die Viren schnell eindringen können. Einmalhandschuhe aus Drogeriemärkten seien zwar nicht mikrobendicht, dürften aber eine zusätzliche Barriere darstellen. Wichtig sei es,die Handschuhe nur kurz zu tragen,Kontakt mit den Außenseiten beim Ausziehen zu vermeiden und sie auch nur einmal zu tragen - in jedem Fall müssten auch danach die Hände gründlich gewaschen werden.

Laut Focus.de weist eine andere Krankenschwester daraufhin, dass Viren durch sogenannte Cross-Kontamination auch durch Handschuhe übertragen werden könnten: Etwa, wer mit den Handschuhen eine mit Viren behaftete Fläche anfasst, danach das Handy berührt, um einen Anruf entgegenzunehmen und es an sein Ohr hält.

Erstmeldung vom 07.04.2020:

Bremervörde - Unsere Hände bekommen plötzlich große Aufmerksamkeit - wir dürfen sie einander nicht mehr geben, reichen, schütteln, wir waschen und desinfizieren sie bis sie spröde sind und fassen nichts mehr an - wenn, dann nur mit spitzen Fingern.

Viele haben sich schon seit Ausbruch des Coronavirus an das Tragen von Handschuhen gewöhnt - doch mit wärmer werdenden Temperaturen sind Woll- und Winterhandschuhe langsam raus. 

Eine Alternative scheint auf der Hand zu liegen: Jene Handschuhe, die in Arztpraxen getragen werden. Eine gute Idee? Nein, sagt ein Mediziner - und das mit eindringlichen Worten. „Das ist eine hygienische Sauerei größeren Ausmaßes.“

Corona-Krise: Arzt warnt vor medizinischen Handschuhen

Warum er zu so drastischen Worten greift, erklärt Dr. Marc Hanefeld, Allgemeinarzt aus Bremervörde, anschließend noch genauer: Medizinische Handschuhe seien porös und dafür gedacht, sich selbst gegen größere Verunreinigungen - etwa mit Körperflüssigkeiten von Patienten - zu schützen. Gerade vor und nach Gebrauch der Handschuhe sei eine Händedesinfektion notwendig. 

Wer die Handschuhe unbedacht trägt, weiß vielleicht nicht, dass gerade zwischen Handschuh und Haut ein Paradies für Bakterien und Keime aller Art ist:

„Unter dem Handschuh vermehren sich Bakterien mit Freude, in der feuchtwarmen Kammer“, so Hanefeld weiter auf Twitter.

Als Hintergrund seiner Tweets nennt er die Studie eines österreichischen Arztes, die vom Fachmagazin Pflegen-Online zitiert wird: Ojan Assidian wies demnach nach, dass Handschuhe besonders für die Umgebung zur Gefahr werden könnten. Während Bakterien an menschlicher Haut anhaften, geben Plastikhandschuhe sie bei Kontakt bereitwillig ab - und dass um das Tausendfache mehr als die Hand.

Für den Träger von Handschuhen selbst wird es dann unangenehm und eklig, wenn er sie auszieht - in Hanefelds Worten: „Dann hat man eine Kloake an den Händen.“ 

Nach dem Tragen der Handschuhe auf Desinfektion zu verzichten, weil man vermeintlich gut geschützt ist, klingt nach Lektüre von Hanefelds Tweets nicht mehr wie eine gute Idee. Außerdem sind Teile der Exit-Strategie der Bundesregierung für den Ausstieg aus den Corona-Maßnahmen durchgesickert.*

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