Virologin Sandra Ciesek im Interview

Top-Virologin stimmt auf harten Winter ein - und nennt zwei Gründe gegen Corona-Herdenimmunität

Im Zusammenhang mit dem Coronavirus ist immer wieder die Rede von einer Herdenimmunität. Die Frankfurter Virologin Sandra Ciesek warnt vehement vor diesem Konzept.

  • Sandra Ciesek ist Direktorin am Frankfurter Institut für Medizinische Virologie.
  • Das Coronavirus* durch eine Herdenimmunität zu bekämpfen sieht sie als falschen Weg.
  • Die Virologin gibt in einem Interview auf den weiteren Verlauf der Corona-Pandemie.

Frankfurt - Seit Beginn des Herbstes steigen die Zahlen der positiv getesteten Sars-CoV-2-Fälle exponentiell an. Deutschland nähert sich aktuell den von Angela Merkel für Weihnachten prognostizierten 19.200 Infektionen pro Tag an.

Sandra Ciesek forscht am Frankfurter Institut für Medizinische Virologie und ist aktuell eine der gefragtesten Stimmen, wenn es um das Coronavirus geht.

In einem Interview mit Spektrum.de am Freitag (30. Oktober) gab Sandra Ciesek eine persönliche Einschätzung zu der aktuellen Lage der Pandemie in Deutschland. Sie warnte vor allem vor dem Prinzip der Herdenimmunität, das oftmals als Argument gegen Corona-Maßnahmen genutzt wird. „Von einer Immunität der Bevölkerung als Ganzes, also der Herdenimmunität, sind wir noch sehr weit entfernt“, so Ciesek.

Virologin Sandra Ciesek warnt vor der Herdenimmunität (Archivbild).

Corona nicht über Herdenimmunität bekämpfbar: Virologin Sandra Ciesek über die Durchseuchung

Die Virologin geht davon aus, dass viele Menschen schwer erkranken oder sogar sterben werden, bevor es zu einer Durchseuchung der Bevölkerung kommen könne. Zudem sei noch nicht geklärt, inwiefern eine Erkrankung mit dem Coronavirus Sars-CoV-2* wirklich zu einer Immunität führt.

Ciesek: „Bekannt ist, dass Coronaviren grundsätzlich zu keiner langen Immunität führen. Im Durchschnitt liegt diese bei den normalen ‚Corona-Erkältungsviren‘ bei einem Jahr.“

Daher fordert Ciesek, die bekannten Fälle zu untersuchen, bei denen es zu einer Reinfektion mit dem Coronavirus* kam. So könne man mehr Erkenntnisse für mögliche Impfstoffe und deren Anwendung finden.

Von den hohen Corona-Fallzahlen im September und Oktober war die Virologin aus Frankfurt etwas überrascht, sie habe mit dem rasanten Anstieg eher im Dezember oder Januar gerechnet, da sich zu dieser Zeit entscheidend mehr Menschen in Innenräumen aufhalten. „Fest steht jedenfalls, dass wir über den Winter damit klarkommen müssen, dass das Grundrauschen höher sein wird als im Sommer“, so Ciesek.

Bekämpfung des Coronavirus: Diese Möglichkeiten könnten bei der Eindämmung helfen

Im Interview mit Spektrum.de rät Sandra Ciesek daher zu einer Nutzung der Corona-Warn-App sowie zum Führen eines Kontakttagebuches. Um den Mitarbeiter*innen der Gesundheitsämter die Arbeit zu erleichtern und die Infektionsketten nachvollziehbarer zu machen, wäre das Schreiben eines solchen Tagebuchs sinnvoll. „Nicht jeder Name ist nötig, es reicht, Events und Orte zu notieren, die mögliche Infektionsquellen sind“, so Ciesek. (tko) *Merkur.de ist Teil des Ippen-Digital-Netzwerks.

Rubriklistenbild: © Frank Rumpenhorst/dpa

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