Hoffnungsträger AstraZeneca

Coronavirus - Nach Stop für Impfstoff-Test - neue Hoffnung: grünes Licht für Fortsetzung der Studie

Als eines von weltweit neun Pharmaunternehmen befindet sich AstraZeneca in der entscheidenden Testphase für einen Corona-Impfstoff. Nach einem Rückschlag gibt es jetzt neue Hoffnung.

  • AstraZeneca gilt als großer Hoffnungsträger bei der Entwicklung eines Corona-Impfstoffs.
  • Doch dann musste der britisch-schwedische Pharmakonzern die klinische Testphase stoppen (siehe Update vom 10. September).
  • Jetzt lebt die Hoffnung auf den Corona-Impfstoff aber wieder auf (siehe Update vom 13. September).
  • Hier finden Sie die grundlegenden Fakten zum Coronavirus* und die Corona-News aus Deutschland. Außerdem bieten wir Ihnen in einer Karte die aktuellen Fallzahlen in Deutschland.

Update vom 13. September, 11.43 Uhr: Nach einem herben Rückschlag kann der britische Pharmakonzern AstraZeneca seine klinische Studie zur Entwicklung eines Corona-Impfstoffs fortsetzen. Die Gesundheitsbehörde (MHRA) hat „die Unbedenklichkeit des Impfstoffs bestätigt“ und grünes Licht für die Fortsetzung der Forschung gegeben, wie das Unternehmen am Samstag mitteilte.

Die Studie für den in Kooperation mit der Universität Oxford entwickelten Impfstoffkandidaten AZD1222 war zuvor ausgesetzt worden, da bei einem Probanden gesundheitliche Probleme aufgetreten waren. Laut Medienberichten soll der Studienteilnehmer an einer Entzündung des Rückenmarks (siehe Update vom 10. September) erkrankt sein. Informationen zu seinem aktuellen Gesundheitszustand machte das Unternehmen nicht. Man könne „keine weiteren medizinischen Informationen offen legen“, heißt es weiter. Man sei aber der Sicherheit der Studienteilnehmer und den höchsten Standards für die Durchführung klinischer Studien verpflichtet. Die Hoffnung auf den Impfstoff lebt nun also wieder auf.

Bill Gates macht unterdessen große Hoffnung auf die baldige Zulassung einiger Impfstoffe.

Sorge bei Patientenschützerin in Deutschland: Wie wird ein möglicher Corona-Impfstoff verteilt?

Unterdessen machen sich deutsche Patientenschützer Sorgen darum, wie ein künftiger Impfstoff gerecht verteilt werden könne und fordern bei der Festlegung einer Strategie die Beteiligung des Bundestages. Es sei klar, dass ein Impfstoff nicht sofort für alle zur Verfügung stehen werde, sagte der Vorstand der Deutschen Stiftung Patientenschutz, Eugen Brysch, der dpa. „Also bedarf es einer Priorisierung, die nicht allein Beamten oder Wissenschaftlern überlassen werden darf.“ Um Transparenz und Verteilungsgerechtigkeit zu schaffen, solle der Bundestag ethische Leitlinien festlegen. „Nur die Abgeordneten verfügen hier über die demokratische Legitimation.“ Das Parlament sollte dafür sorgen, dass Pflegebedürftige, ihre Angehörigen sowie pflegerisches und medizinisches Personal eine Priorität erhielten.

Rückschlag bei potenziellem Corona-Impfstoff: Klinische Studie musste gestoppt werden

Update vom 10. September 2020, 14.05 Uhr: Die Forschung nach einem Impfstoff gilt als einer der Schlüsselfaktoren, um das Coronavirus Sars-Cov-2 zu bekämpfen. Doch nun gab es einen herben Rückschlag. Der britisch-schwedische Pharmakonzern AstraZeneca musste die dritte und damit letzte Phase der klinischen Studien unterbrechen, weil bei einem Proband gesundheitliche Probleme aufgetreten sind.

Corona-Impfstoff: Studie gestoppt - Proband hat wohl „sehr ernst zu nehmendes Syndrom“

Der Konzern hält sich hinsichtlich der genauen Erkrankung bislang weiterhin bedeckt. Nach Informationen der „New York Times“ (wir berichteten, siehe Erstmeldung) soll es sich jedoch um eine Transverse Myelitis, eine Entzündung des Rückenmarks, handeln. In vielen Fällen würde sich diese zwar völlig zurückbilden, dennoch „ist das ein sehr ernst zu nehmendes Syndrom“, wie der Bereichsleiter der Infektiologie der Uniklinik Regensburg, Professor Bernd Salzberger, gegenüber der "Bild"-Zeitung sagte (Artikel hinter Bezahlschranke).

Eine zeitliche Verzögerung ist nun unumgänglich. Dr. Rolf Hömke, Forschungssprecer des Verbands der forschenden Pharma-Unternehmen, sagte gegenüber der Zeitung, dass die Studie "nach ein paar Tagen oder Wochen fortgesetzt" werden könne. Der Sprecher von Gesundheitsminister Jens Spahn erklärte indes, dass es "zum wissenschaftlichen Standard" gehörte, dass eine Studie wegen gesundheitlicher Problemen eines Teilnehmers angehalten werde.

Coronavirus: Impfstoff-Test gestoppt - Proband wohl an seltener Krankheit erkrankt

Unsere Erstmeldung vom 9. September 2020:

München - Auf der ganzen Welt sehnt man einen Impfstoff herbei, um die Corona-Pandemie* wirksam bekämpfen zu können. Ein Unternehmen ist bei der Entwicklung eines Serums weit fortgeschritten. Der britisch-schwedische Pharmakonzern AstraZeneca befindet sich als einer von neun Konzernen weltweit in der dritten und letzten Phase der klinischen Studien und gilt als großer Hoffnungsträger. Tests mit mehreren Zehntausend Teilnehmern liefen.

Corona-Impfstoff: AstraZeneca muss Testphase unterbrechen

Doch im Rennen um die Zulassung eines Impfstoffs* muss AstraZeneca jetzt einen herben Rückschlag hinnehmen. Weil bei einem Probanden gesundheitliche Probleme aufgetreten sind, wurde die klinische vorerst gestoppt. Das sei eine Routinemaßnahme, „die immer dann vorgenommen werden muss, wenn in einer der Studien eine potenziell unerklärliche Krankheit auftritt“, erklärte ein Sprecher des Unternehmens.

Weiter sagte er, dass das Verfahren freiwillig unterbrochen worden sei, „um die Überprüfung der Sicherheitsdaten durch einen unabhängigen Ausschuss zu ermöglichen.“ Es gelte zu klären, ob die gesundheitlichen Probleme des Studienteilnehmers auf Nebenwirkungen des Wirkstoffs AZD1222 zurückzuführen ist.

Tests für Corona-Impfstoff unterbrochen: Patient soll seltene neurologische Erkrankung haben

Um welche Erkrankung es sich handelt und wo sich der Patient befindet, darüber gab es von AstraZeneca keine Auskunft. Doch es gibt Vermutungen und Gerüchte. Die New York Times will von einer informierten Person erfahren haben, dass der Erkrankte an Transverser Myelitis leiden soll. Dabei handelt sich um eine seltene neurologische Erkrankung, die durch eine von Viren ausgelöste Entzündung des zentralen Nervensystems hervorgerufen wird.

Der von AstraZeneca hergestellte Wirkstoff AZD1222 beruht auf der abgeschwächten Version eines Erkältungsvirus von Schimpansen und soll das Immunsystem auf Trab bringen, damit es Sars-CoV-2* im Infektionsfall bekämpfen kann. (mt/dpa)

Auf der ganzen Welt liefern sich Forscher ein Wettrennen um einen Impfstoff gegen das Coronavirus*. Neun Kandidaten befinden sich bereits in der entscheidenden Phase. *Merkur.de ist Teil des deutschlandweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerks. *Merkur.de ist Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerks.

Rubriklistenbild: © Christoph Schmidt/dpa

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