News-Ticker zur Pandemie

Corona in Österreich: Tirol wird zur „Sperrzone“ - Regierung verhängt Reisewarnung

Experten zufolge ist die Zahl der aktiven Fälle der Corona-Mutation in Tirol deutlich höher als zunächst vermeldet. Die Regierung hat nun eine Reisewarnung für das Bundesland ausgesprochen.

  • Coronavirus in Österreich: Ab Montag (8. Februar) treten massive Lockdown*-Lockerungen in Kraft.
  • In Tirol ist die südafrikanische Corona-Mutation* ausgebrochen - die österreichische Bundesregierung hat eine Reisewarnung für das ganze Bundesland ausgesprochen. (siehe Update vom 8. Februar, 14.40 Uhr)
  • Die Zahl der aktiven Fälle der Corona-Mutation in Tirol ist Experten zufolge deutlich höher als zunächst vermeldet. (siehe Update vom 8. Februar, 11.58 Uhr)
  • Dieser News-Ticker zur Corona-Pandemie in Österreich wird regelmäßig aktualisiert.

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Update vom 8. Februar. 17.55 Uhr: Für Tirol hat die österreichische Regierung eine Reisewarnung verhängt (siehe Update vom 8. Februar, 14.40 Uhr). Gleichzeitig werden Corona-Maßnahmen gelockert und Geschäfte und Schulen unter gewissen Auflagen geöffnet. Markus Söder, der bayerische Ministerpräsident, kritisierte die österreichische Politik für die Öffnungsschritte. Er halte es für „diskussionswürdig, dass Österreich in dieser unsicheren Situation weitgehende Öffnungen erlaubt, obwohl die Inzidenz dort deutlich höher als in Bayern ist“, sagte der er dem Münchner Merkur am Dienstag.

Update vom 8. Februar, 14.40 Uhr: Es ist zwar keine Isolation, aber ein deutliches Signal. Die österreichische Bundesregierung hat am Montag eine Reisewarnung für Tirol verhängt. Das an Bayern grenzende Bundesland wird damit zur „Sperrzone“ gemacht. Zuletzt war es dort zu einer starken Ausbreitung der südafrikanischen Corona-Mutation gekommen.

„Daher ist alles zu tun, um zu verhindern, dass sich diese Mutationen immer weiter ausbreiten“, erklärte Bundeskanzler Sebastian Kurz. Laut dem Appell sollen alle nicht notwendigen Reisen nach Tirol unterlassen werden. Zudem fordert die Regierung alle Urlauber, die sich in den vergangenen zwei Wochen in Tirol aufgehalten haben, zu einem Corona-Test auf. Reisende aus Tirol sollen sich vor der Fahrt in ein anderes Bundesland ebenfalls testen lassen.

Die österreichische Regierung um Kanzler Sebastian Kurz hat eine Reisewarnung für das Bundesland Tirol ausgesprochen. (Archivbild)

Die politische Riege Tirols hatte sich im Vorfeld vehement gegen Verschärfungen ausgesprochen und kurz vor der Verkündung der Reisewarnung ein eigenes Maßnahmenpaket verkündet.

Corona in Österreich: Zahl der aktiven Mutations-Fälle deutlich höher als zunächst vermeldet

Update vom 8. Februar, 11.58 Uhr: Am Samstag meldete Tirol 75 Fälle der südafrikanischen Corona-Mutation – darunter einen aktiven Fall. Am Sonntag erhöhte sich die Zahl auf knapp 300 – davon acht aktive Fälle. Diese Zahlen bestätigte auch der Tiroler Wirtschaftskammerpräsident Christoph Walser am Sonntagabend in der TV-Sendung „ZiB2“. Laut Berichten von oe24 und Kronen Zeitung soll die Zahl der aktiven Fälle der Virus-Variante in Tirol allerdings deutlich höher liegen.

Den Medienberichten zufolge soll es laut Experten mehr als 150 aktive Fälle der Corona-Mutation in Tirol geben. „Hier wurde anscheinend bewusst die Unwahrheit verbreitet, die wahren Zahlen sollen wohl vertuscht werden“, wird ein Mediziner von oe24 zitiert. Sollten sich diese Zahlen bestätigen, dürften verschärfte Quarantäne-Regeln für Tirol die Folge sein.

Die Zahl der aktiven Fälle der südafrikanischen Corona-Mutation ist in Tirol wohl deutlich höher als zunächst vermeldet.

Corona in Österreich: Tiroler Wirtschaftskammerpräsident wirft Anschober falsches Spiel vor

Update vom 8. Februar, 10.28 Uhr: Am Sonntagabend hätte eigentlich eine Entscheidung über die Corona-Maßnahmen für Tirol präsentiert werden sollen. Die Verhandlungen zwischen Gesundheitsminister Rudolf Anschober und dem Tiroler Landeschef Günther Platter blieben jedoch zunächst ohne Ergebnis.

Die Regierung Tirols soll die von Anschober vorgeschlagene Isolation des Bundeslandes abgelehnt haben. Tirols Wirtschaftskammerpräsident Christoph Walser erklärte am Sonntagabend in der TV-Sendung „ZiB2“: „Wir gehen davon aus, dass Tirol morgen aufsperrt.“ Walser hatte bereits zuvor Anschober kritisiert. „Wir dürfen und werden uns das nicht gefallen lassen“, so der Wirtschaftskammerpräsident. Eine Abschottung Tirols bezeichneter er als einen „Schlag unter die Gürtellinie“. Man liege bei allen Zahlen unter dem Bundesschnitt.

Hinsichtlich der Corona-Zahlen warf Walser dem Gesundheitsministerium ein falsches Spiel vor. Er glaube, dass „massiv falsch informiert“ beziehungsweise mit falschen Daten gearbeitet werde, erklärte Walser. „Man macht jetzt ein Riesen-Theater daraus, dass es acht aktive Fälle der südafrikanischen Variante gibt“, so seiner Beschwerde. Tirol sei „das Bundesland, dass am meisten testet und sequenziert“, sagte Walser. Wenn sich das mit den Zahlen des Gesundheitsministeriums nicht decke, so seien diese falsch.  

Laut Angaben des Landes Tirol, lagen am Sonntagabend acht aktive Fälle der südafrikanischen Corona-Mutation vor. Demnach gab es bislang insgesamt 165 bestätigte Fälle dieser Virus-Variante in Tirol. Ein Großteil davon sei im Nachhinein festgestellt worden. Bei 230 weiteren Fällen liege ein Mutationsverdacht vor - davon seien 118 Fälle bereits teilsequenziert.

Corona in Österreich: Entscheidung über Abschottung Tirols vertagt

Update vom 8. Februar, 7.27 Uhr: Wie geht es weiter mit den Corona-Maßnahmen in Tirol (Österreich*), wo sich die Mutation aus Südafrika ausbreitet (siehe unsere Erstmeldung unten)? Bundesgesundheitsminister Rudolf Anschober und der Regierungschef des Bundeslandes, Günther Platter, haben die Debatte am späten Sonntagabend vertagt - weitere Details seien am Montag zu erwarten, berichtet die Nachrichtenagentur APA aus Teilnehmerkreisen.

Tirol hat sich zunächst nicht auf eine Isolierung einzelner Bezirke festgelegt - zunehmend sprechen sich dessen Politiker aber gegen eine mögliche komplette Abschottung aus.

Bereits im Frühjahr 2020 gab es Einschränkungen für alle 279 Tiroler Gemeinden. Das dortige Ischgl galt im März 2020 als Corona-Hotspot Europas. Eine unabhängige Kommission hat zwischenzeitlich festgestellt, dass es im Krisenmanagement zu Fehlern und Fehleinschätzungen gekommen war. Die Staatsanwaltschaft ermittelt.

Szene von der Grenze zwischen Tirol und Bayern

CSU-Generalsekretär: „Wenn Tirol Mutationsgebiet ist, muss man die Grenzen abriegeln“

Update vom 7. Februar, 21.30 Uhr: Zwischen Bayern und Österreich bahnt sich ein heftiger Corona-Streit wegen der Situation in Tirol an. In der ganzen Alpenrepublik sollen ab Montag weitreichenden Lockerungen der Covid-19-Beschränkungen in Kraft treten, während im westlichen Bundesland die Mutationen des Coronavirus weiter um sich greifen.

CSU-Generalsekretär Markus Blume sagte dem Münchner Merkur*: „Wenn Tschechien und Tirol Mutationsgebiete sind, dann muss man dies auch feststellen und die Grenzen abriegeln.“ (siehe Update vom 7. Februar, 17.53 Uhr). Die Lockerungen in Österreich nannte er „unverantwortlich“.

Der Bild am Sonntag erklärte Blume zudem: „Die größte Gefahr geht nicht vom Friseur aus, sondern von der Grenze. Deshalb brauchen wir mehr Kontrollen der Bundespolizei an allen Außengrenzen. Wir brauchen auch schärfere Kontrollen an den Flughäfen. Wer sich nicht an die Einreise- und Transportbeschränkungen hält, muss konsequent mit Bußgeldern rechnen.“

Wegen Corona strenger kontrolliert: die Staatsgrenze zwischen Deutschland und Österreich.

Die Zahlen der Besorgnis: Wie das österreichische Nachrichtenportal oe24.at schreibt, wurden bis Sonntagabend zum Beispiel 293 Fälle der Südafrika-Mutation B.1.351 in Tirol nachgewiesen.

Coronavirus-Pandemie: „Die Menschen in Österreich haben es satt“

Update vom 7. Februar, 21 Uhr: Wird Tirol mit seinen rund 1,8 Millionen Einwohnern tatsächlich isoliert? Bundesgesundheitsminister Rudolf „Rudi“ Anschober (Die Grünen) hatte einen harten Lockdown für ein einzelnes Bundesland in Österreich zuletzt nicht ausgeschlossen, weil zwischen Reutte, Kufstein und Kitzbühel die Corona-Mutationen nicht eingedämmt werden können.

Die Menschen in Österreich haben es satt, täglich die gleichen Mantras zu hören.

Christoph Walser, Präsident der Wirtschaftskammer Österreich

Es gibt aber auch scharfe Kritik an einer möglichen Abschottung samt Ausreiseverbot für die Bürger. „Die Menschen in Österreich haben es satt, täglich die gleichen Mantras zu hören. Die Wirtschaft pfeift aus dem letzten Loch. Alles andere als eine schrittweise Öffnung auch für Tirol ist ein Wahnsinn“, sagte Christoph Walser, der Präsident der Wirtschaftskammer laut Tiroler Tageszeitung.

Würden Infektionen durch Mutationen „bereits sechs bis acht Wochen zurückliegen, ist Panikmache verantwortungslos“.

Coronavirus-Pandemie in Österreich: Wird Tirol wegen Mutationen abgeschottet?

Update vom 7. Februar, 20.30 Uhr: Wird Tirol in der Coronavirus-Pandemie regelrecht abgeschottet?

Weil im Bundesland zwischen Deutschland und Italien weiter Corona-Mutationen um sich greifen, streiten Bundes- und Landesvertreter in Österreich darüber, wie scharf die Maßnahmen zur Eindämmung rund um Innsbruck ausgelegt werden sollen.

Wie die Kronen Zeitung am Sonntagabend berichtet, sollen einzelne Bezirke mit hoher Inzidenz bei den Mutanten tatsächlich vorübergehend abgeschottet werden. Zudem stünde im Raum, dass Tirolerinnen und Tirol ihr Bundesland vorerst nicht mehr verlassen dürfen.

Bestätigungen gab es bislang keine. Zwischen der Bundesregierung in der Bundeshauptstadt Wien und der Landeshauptstadt Innsbruck wird offensichtlich hart gerungen.

Coronavirus-Pandemie: Es knirscht zwischen Bayern und Österreich

Update vom 7. Februar, 17.53 Uhr: Zwischen Österreich und Bayern knirscht es in Sachen Corona-Politik. Kanzler Sebastian Kurz öffnet ab Montag wieder Geschäfte, während besonders in Tirol eine Virus-Mutation um sich greift. Österreich wird nun die Grenzkontrollen zum Freistaat „massiv“ verschärfen, wie Österreichs Innenminister Karl Nehammer (ÖVP) ankündigte (siehe Update vom 7. Februar, 15.49 Uhr).

In Bayern ist man besorgt. CSU-Generalsekretär Markus Blume sagte dem Münchner Merkur*: „Jetzt ist schnelles Handeln erforderlich – wenn sich die Mutante bei uns breit gemacht hat, ist es zu spät“. Er kritisierte die Lockerungen in Österreich und Tschchien scharf. Mit der „unverantwortlichen Öffnungspolitik“ gefährde man die Erfolge in Deutschland. Blume weiter: „Wenn Tschechien und Tirol Mutationsgebiete sind, dann muss man dies auch feststellen und die Grenzen abriegeln“.

So weit will Bayerns Innenminister Joachim Herrmann nicht gehen. Dennoch betonte er gegenüber dem Münchner Merkur, dass auch Bayern seine Schleierfahndung bei Grenzpendlern, Grenzgängern und Reiserückkehrern ausdehnen wird. Auch werde Bayerns Grenzpolizei verstärkt durch zusätzliche Einheiten der Bereitschaftspolizei.

„Die Corona-Lage ist immer noch sehr brenzlig, gerade mit Blick auf die hochansteckenden Corona-Mutationen“, betonte Herrmann. „Daher müssen wir sehr genau die Einhaltung der strengen Corona-Einreiseregeln überwachen, vor allem an den Grenzen zu Tschechien und Österreich sowie auch an den Flughäfen.“

Corona-Mutation: Österreich verschärft Grenzkontrollen

Update vom 7. Februar, 15.49 Uhr: Österreich will aus Sorge vor der Verbreitung des Coronavirus Grenzkontrollen zu Deutschland und den weiteren Nachbarländern ab Montag massiv verschärfen. So sollen alle nicht notwendigen Reisen in der Pandemie verhindert werden, teilte das Innenministerium am Sonntag mit.

„Die Grenzkontrollen dienen als Wellenbrecher für Infektionsketten, die gerade durch neue Virusmutationen immer gefährlicher werden“, sagte Innenminister Karl Nehammer. Zu dem Thema habe Nehammer auch ein positives Gespräch mit seinem deutschen Amtskollegen Horst Seehofer (CSU) geführt. Das Netz der Kontrollen an den Grenzen solle nun deutlich dichter werden. Schon bisher hat Österreich die Grenzen zu Ungarn, Slowenien, Tschechien und der Slowakei kontrolliert. Die bisher stichprobenmäßig durchgeführten Kontrollen an den übrigen Grenzen sollen nun deutlich intensiviert werden.

Umgekehrt dringt CSU-Generalsekretär Markus Blume ebenfalls auf verschärfte Kontrollen an den Grenzen zu Österreich un Tschechien. Mit Blick auf die Nachbarländer fällte Blume ein hartes Urteil. Die beiden Anrainerstaaten zu Deutschland würden „mit ihrer unverantwortlichen Öffnungspolitik unsere Erfolge in Deutschland“ gefährden, so Blume wörtlich. „Die größte Gefahr geht nicht vom Friseur aus, sondern von der Grenze“, wird der Generalsekretär weiter zitiert. Sollten beispielsweise im angrenzenden österreichischen Bundesland Tirol eine Corona-Mutation nachgewiesen werden, müsse man handeln, beispielsweise mit Kontrollen an den Außengrenzen. In Bayern waren bereits erste Fälle von hochinfektiösen Corona-Mutationen bekannt geworden. „Deshalb brauchen wir mehr Kontrollen der Bundespolizei an allen Außengrenzen“, so Blume. 

Österreichs Nachbar Italien: Südtirol droht nach Sonderweg katastrophale Corona-Lage

Update vom 7. Februar, 8.53 Uhr: In Südtirol schrillen die Alarmglocken! Lange glaubte man mit dem eingeschlagenen Sonderweg halbwegs gut durchzukommen. Während in ganz Österreich oder in Deutschland längst strikte Corona-Maßnahmen geltend gemacht wurden, blieben in Südtirol Bars, Restaurants und Geschäfte weiterhin geöffnet. Möglich machte diesen Sonderweg ein Landesgesetz, das der Südtiroler Landtag im vergangenen Mai verabschiedet hatte. Damals ging es darum, Lockerungen schneller beschließen zu können.

Doch damit ist jetzt Schluss, denn die Corona-Realität scheint nun auch in Südtirol angekommen zu sein. Zuletzt wurden 747 Neuinfektionen binnen 24 Stunden gemeldet. Auf den Nachbar Österreich hochgerechnet wären das rund 12.000 neue Corona-Fälle. Südtirol droht eine echte Corona-Katastrophe, wie es heißt. Laut oe24.at gelten daher ab kommender Woche auch dort strikte Regeln.

Nur im äußersten Notfall darf das Zuhause verlassen werden, der Handel wird runtergefahren. Ausgenommen sind Läden für Güter des täglichen Bedarfs. Auch Restaurants und Bars müssen jetzt geschlossen werden. In Produktions- und Handwerksbetrieben darf weitergearbeitet werden, sofern die Mitarbeiter regelmäßig getestet werden.

Corona in Österreich: Ab Montag sollen Schulen wieder geöffnet werden

Ein ganz anderes Bild zeigt sich derweil im Nachbarland Österreich. Wie oe24.at berichtet, sollen in Wien und Niederösterreich ab Montag wieder alle Schulen geöffnet werden. Dabei soll es eine Testpflicht bei den Schülern geben. Heißt im Umkehrschluss: Wer sich nicht testen lässt, darf auch nicht in die Schule, sondern muss in Betreuung mit anderen nicht getesteten Schülern.

Weiter soll in Volksschulen sogar der Vollbetrieb wieder aufgenommen werden. In anderen Schulen soll es zunächst nur Schichtbetrieb geben. Insgesamt werden laut oe24.at am Montag rund 280.000 Schüler erwartet. Über sechs Millionen Schnelltests sollen bereits an die Schulen ausgeliefert worden sein.

Doch schon jetzt zeichnen sich die ersten Probleme ab. Damit die Schüler regelmäßig getestet werden dürfen, braucht es eine Einverständniserklärung der Eltern. Doch viele haben keinen Drucker oder kein Internet zu Hause, wie oe24.at berichtet. Daher droht in den ersten Tagen der Schulöffnungen ein Koordinationschaos, da Schüler ohne Einverständniserklärung in Betreuung geschickt werden. Dort sitzen sie zusammen mit anderen Schülern im Raum, die ebenfalls noch nicht getestet wurden und sich somit anstecken könnten.

Corona-Mutation in Tirol ausgebrochen - Trotzdem gibt es in Österreich ab Montag massive Lockdown-Lockerungen

Erstmeldung vom 6. Februar 2021: Wien - Maximal 700 Corona-Neuinfektionen pro Tag - das war das ursprüngliche Lockdown-Ziel der österreichischen Regierung um Kanzler Sebastian Kurz (ÖVP). Dieser Zielwert konnte durch die harten Corona*-Maßnahmen in Österreich nicht erreicht werden. Am Samstag (6. Februar) meldeten die Behörden 1333 neue Corona-Fälle und zudem 21 Todesfälle - erneut weit über dem gesetzten Zielwert.

Corona in Österreich: Massive Lockdown-Lockerungen ab Montag - trotz Mutations-Ausbruch in Tirol

Dennoch verkündete Kanzler Kurz am vergangenen Montag (1. Februar) im Bundeskanzleramt in Wien massive Lockerungen der Corona*-Maßnahmen. Nach den weiterhin hohen Infektionszahlen kam dieser Schritt für viele überraschend. „Jetzt zu lockern bedeutet die Bevölkerung einem nicht kontrollierbaren Risiko auszusetzen“, sagte beispielsweise SPÖ-Chefin Pamela Rendi-Wagner vor der Entscheidung der Regierung. Sie sah die Lockerungen skeptisch und warnte vor einer möglichen dritten Welle durch eine Ausbreitung der Virus-Mutationen.

Österreichs Bundeskanzler Sebastian Kurz verkündete am vergangenen Montag Lockdown-Lockerungen.

Die südafrikanische Corona-Mutation ist inzwischen in Tirol ausgebrochen. „Wir haben hier ein Riesenproblem mit dieser Variante. Es gibt einen starken Anstieg. Aber ich sehe kein Handeln der Politik hier in Tirol. Ich warte auf das zweite Ischgl“, schilderte die Virologin Dorothee von Laer gegenüber dem Kurier. Sie forderte eine Quarantäne für das komplette Bundesland. Kritik gab es auch aus Deutschland. RKI-Chef Lothar Wieler sagte im Rahmen der Bundespressekonferenz am Freitag (5. Februar): „Das hätte vermieden werden können, wenn nicht Tausende Skifahren gegangen wären.“

Corona in Österreich: Anschober kündigt für Sonntag „Tag der Bilanz“ in Tirol an

Die Regierung in Wien nannte die Situation am vergangenen Donnerstag „akut und ernst“. Am Sonntag sei „Tag der Bilanz“, kündigte Gesundheitsminister Rudolf Anschober (Grüne) an. Am Freitag sprach er im Rahmen einer Pressekonferenz von einem „Aktionsplan für Tirol“. In enger Abstimmung mit dem Tiroler Landeshauptmann Günther Platter (ÖVP) habe man einen Plan entwickelt, „der mit Hochdruck umgesetzt wird, um die Mutationen zu begrenzen“, so Anschober.

Die oppositionellen Sozialdemokraten (SPÖ) forderten die Regierung indessen auf, „endlich aktiv zu werden“. Den Tiroler Verantwortlichen beim „Kopf in den Sand stecken zuzusehen, endet sonst neuerlich in einer Katastrophe“, warnte der Gesundheitsexperte der SPÖ, Philip Kucher. Er verwies auf den Corona*-Ausbruch im Skigebiet Ischgl vor rund einem Jahr.

Corona in Österreich: Mutations-Ausbruch und Öffnungen - „Das passt nicht zusammen“

„Auf der einen Seite munkelt man von einem Glassturz über Tirol, von der Quarantäne für ein ganzes Bundesland. Auf der anderen Seite, und das ist kein Gemunkel, sondern Fakt, sperren wir am Montag weite Teile der Gesellschaft wieder auf. Das passt nicht zusammen“, bemängelt Gabriele Scherndl in einem Kommentar in der Wiener Zeitung Der Standard die aktuelle Lage in Österreich.

Ab Montag (8. Februar) dürfen Schüler der Volksschulen wieder den Präsenzunterricht besuchen, Unter- und Oberstufen wechseln in den Schichtbetrieb. Zudem darf der Handel wieder öffnen - wenn auch unter strengeren Auflagen, wie einer FFP2-Maskenpflicht. Museen, Galerien, Tiergärten machen unter denselben Voraussetzungen wie der Handel wieder auf.

Der Handel in der Wiener Innenstadt darf ab Montag (8. Februar) wieder öffnen. (Archivbild)

Auch körpernahe Dienstleistungen sind ab Montag wieder erlaubt - das heißt, dass der Friseurbesuch in Österreich wieder möglich ist. Allerdings nur mit einem negativen Corona-Test*, der nicht älter als 48 Stunden ist. Lediglich die Gastronomie bleibt weiterhin im Lockdown.

Scherndl bezeichnet die Lockerungen als Fehler. „Die Lage ist zu fragil, die Mutationen zu unberechenbar, eine Durchimpfung viel zu weit entfernt, als dass man derzeit an Erleichterungen denken kann“, mahnt sie. „Wir haben ein Problem. Und das lösen wir nicht, indem wir die Regeln lockern.“ (ph) *Merkur.de ist Teil des Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerks

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