Corona-Pandemie

Corona-Krise in Großbritannien: Pubs schenken wieder Bier aus - Prinz William macht den Anfang

Kein Land in Europa hat soviel Corona-Fälle zu verzeichnen wie Großbritannien. Die Krise hat zahlreiche negative Auswirkungen. 26 Frauen sterben in Folge häuslicher Gewalt.

  • Großbritannien ist hart von der Corona-Krise* getroffen
  • Das gute Wetter zieht viele Briten an die Strände - mit Konsequenzen
  • In der Corona-Krise steigt die Zahl der Fälle häuslicher Gewalt - die Opfer sind meist Frauen
  • Trotz Corona öffnen in Großbritannien wieder die Pubs

Update vom Samstag, 04. Juli 2020, 13:00 Uhr: Trotz der anhaltenden Corona-Krise in Großbritannien dürfen auf der Insel ab heute die Pubs nach mehr als drei Monaten Pause wieder öffnen. Die Regierung von Boris Johnson hatte die Öffnung extra in die frühen Morgenstunden gelegt, damit die Menschen nicht schon in der Nacht in die Bars und Kneipen pilgern würden.

Corona in Großbritannien: Pubs, Restaurants und Friseursalons wieder geöffnet

Der erste, der sich offenbar ein Bier gönnte, war Prinz William. Der 38 Jahre alte Enkel von Queen Elizabeth II. besuchte ein Pub in der Grafschaft Norfolk. Das verkündete der „Kensington Palast“ über seinen Twitter-Account. Dort habe sich der Zweite in der Thronfolge der britischen Monarchie nach dem Befinden der Angestellten in der Corona-Krise erkundigt.

Neben der Öffnung der Pubs werden in Großbritannien auch weitere Corona-Einschränkungen wieder zurückgefahren. So wird der empfohlene Abstand zueinander von bislang zwei auf einen Meter reduziert. Auch Friseursalons und Restaurants dürfen ihre Dienste wieder anbieten.

Update vom Freitag, 03. Juli 2020, 9.15 Uhr: Die Corona-Krise in Großbritannien hat offenbar zu einem starken Anstieg der Fälle häuslicher Gewalt geführt. Die Pandemie hatte die Insel im März erreicht, kurz darauf hatte die Regierung von Boris Johnson Ausgangsbeschränkungen erlassen. Allein im ersten Monat danach wurden 16 Frauen und Mädchen in ihrem Zuhause ermordet.

Corona-Krise: Dramataischer Anstieg häuslicher Gewalt - 26 Frauen sterben

Das sind dreimal mehr als im Vergleichszeitraum ein Jahr zuvor. In den beiden Folgemonaten wurden in Großbritannien weitere zehn Frauen ermordet. Alle 26 Frauen starben nach tätlichen Angriffen ihrer Männer oder männlicher Verwandter. Das älteste Opfer war 82 Jahre alt, das jüngste zwei, das gemeinsam mit seiner Mutter und seiner vier Jahre alten Schwester ermordet wurde. Das berichtet die „New York Times“.

Wie die US-Zeitung berichtet, sind Beratungstelefonstellen in Großbitannien für Frauen in der Corona-Krise überlastet. Gleiches gelte für Frauenhäuser. Während andere Länder wie Neuseeland, Italien, Spanien oder Deutschland landesweite Programme starteten, um die Finanzierung von Frauenhäusern zu sichern, hat die Regierung von Boris Johnson keine derartigen Schritte eingeleitet. Zahlreiche Hilfsorganisationen und Sozialarbeiter*innen machen deshalb die Regierung mitverantwortlich für den dramatischen Anstieg an häuslicher Gewalt in Großbritannien.

England lockert Quarantäne-Vorschriften für Dutzende Länder

Unterdessen lockert England seine wegen der Corona-Pandemie getroffenen Quarantäne-Vorschriften für Einreisende aus etwa 60 Ländern und Überseegebieten. Das berichtete der britische Verkehrsminister Grant Shapps dem Nachrichtensender Sky News. Besucher unter anderem aus Deutschland, Frankreich, Spanien und Italien müssen sich ab dem 10. Juli bei ihrer Ankunft nicht mehr selbst für 14 Tage isolieren. Eine Liste aller Länder, die von der Quarantäne ausgenommen werden, sollte noch am Freitag veröffentlicht werden. Die neue Regelung gilt nur für England - in Wales, Schottland und Nordirland sind weiter die alten Vorschriften in Kraft.

Corona in Großbritannien: Strände auf der Insel überfüllt

Erstmeldung vom 26. Juni 2020

In England ist die Corona-Krise zwar noch lange nicht überwunden, aber Lockerungen der Einschränkungen hat Boris Johnson schon jetzt in Kraft gesetzt. Die Folgen ließen nicht allzu lange auf sich warten. Die Briten, besonders die in Südengland und aus dem Großraum London, nutzten das schöne Wetter und die wieder gewonnene Freiheit dazu, die Strände der Küste zu besuchen. Und das, obwohl weder Feiertag noch Wochenende war.

Corona-Lockerung in Bournemouth: Behörden „schockiert“

Wegen massiver Überfüllung an einem Strand in Bournemouth zum Beispiel mussten die Behörden hart durchgreifen. Sie sei „schockiert“ über das „unverantwortliche Verhalten so vieler Menschen“, sagte die Landrätin Vikki Slade am Donnerstag. Solche Menschenmengen habe es sonst nur an den Feiertagen gegeben, teilten Vertreter der Stadt mit. „Wir sind absolut entsetzt über die Szenen, die an unseren Stränden .... in den letzten 24 bis 48 Stunden zu sehen waren.“

Einsatzkräfte klagten unter anderem über illegales Parken, Verkehrskollaps, Müllverschmutzungen, aggressives Verhalten der Strandbesucher und Alkoholmissbrauch bei hohen Temperaturen. Es war der bisher heißeste Tag des Jahres im Land. Am Nachmittag wurden über 33 Grad am Flughafen London-Heathrow gemessen.

Corona-Einschränkungen gelockert: Es ist wieder erlaubt, ans Meer zu gehen

Die Behörden in Großbritannien befänden sich an der „Grenze des Möglichen“, um den Schutz der Bevölkerung zu garantieren. Um zusätzliche Kräfte anfordern zu können, riefen die Behörden ein Großschadensereignis aus.

Tausende Menschen suchten wegen der Temperaturen Abkühlung am Meer - und sorgten damit für massive Staus in Strandnähe. Zahlreiche Menschen hätten zudem illegal über Nacht kampiert, auch habe es mehrere Vorfälle wie Schlägereien unter Alkoholeinfluss gegeben, teilten die Behörden mit.

Großbritannien: Regierung lockert Corona-Einschränkungen

Die Regierung in London hatte am Mittwoch umfassende Lockerungen der monatelangen Corona-Einschränkungen bekannt gegeben. Demnach ist es nun wieder erlaubt, an den Strand zu gehen. Allerdings sind die Menschen aufgerufen, sich weiterhin an die Abstandsregeln zu halten. Restaurants, Bars und Hotels dürfen erst am 4. Juli öffnen.

„Wir befinden uns eindeutig immer noch in einer Gesundheitskrise“, sagte der stellvertretende Polizeichef der Grafschaft Dorset, Sam de Reya. Menschenmengen, die ein und denselben Ort aufsuchten, seien eine zusätzliche Belastung für die Rettungsdienste, kritisierte er.

Gesundheitsminister droht mit Schließung

Großbritanniens Gesundheitsminister Matt Hancock forderte auf Twitter seine Landsleute auf: „Wir alle wollen draußen sein und den herrlichen Sonnenschein genießen. Aber wenn Sie unterwegs sind, verhalten Sie sich sicher und halten Sie die Regeln zur sozialen Distanz ein.“ Hancock hat außerdem wegen Missachtung der Corona-Vorschriften mit der Schließung von Stränden gedroht. „Das letzte, was die Leute wollen, ist, dass das Virus wieder kommt“, sagte Hancock dem Sender TalkRadio. 

Die Vorschriften müssten eingehalten und eine zweite Pandemie-Welle verhindert werden. Sollten die Fallzahlen wieder steigen, dann werde die Regierung handeln. „Wir dürfen nicht rückwärts gehen ... Wir müssen diese Krankheit stoppen.“

Innerhalb Englands sind auch in der Corona-Krise Tagesausflüge erlaubt. Damit zieht es unter anderem Menschen aus der Millionen-Metropole London an die Küsten. Großbritannien ist nach wie vor das am schlimmsten von der Pandemie betroffene Land in Europa.  (Stefan Krieger mit afp/dpa) *fr.de ist Teil des bundesweiten Ippen-Redaktionsnetzwerks

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