News-Ticker

„Nicht bis nach der Bundestagswahl warten“ - Karl Lauterbach fordert 2G-Regel für den Herbst

In Deutschland ist die 7-Tage-Inzidenz wieder leicht gestiegen. Das Robert-Koch-Institut (RKI) meldet mehr als 13.700 Neuinfektionen. Der News-Ticker zur Corona-Pandemie.

  • Die Corona*-Fallzahlen in Deutschland vom Donnerstag (2. September 2021) sind weiter auf einem hohen Niveau.
  • Auch der neue Wert, die Hospitalisierungsrate, steigt.
  • Während sich Christian Drosten und Karl Lauterbach für neue Beschränkungen einsetzen, kritisiert Hendrik Streeck die 2G-Regel scharf.
  • Dieser News-Ticker zur Corona-Pandemie in Deutschland wird ab sofort nicht mehr aktualisiert. Alle weiteren Informationen finden Sie nun in unserem aktuellen News-Ticker.

Update vom 2. September, 21.38 Uhr: „Wir müssen jetzt reagieren, um nicht die Kontrolle zu verlieren“, findet SPD-Politiker und Mediziner Karl Lauterbach. „Ich gehe davon aus, dass wir im Falle stark steigender Infektionszahlen dazu übergehen werden, in vielen Bereichen die 2G-Regel einzuführen“, erklärt Lauterbach in einem Interview mit t-online. Dabei reagiert der Gesundheits-Experte auf die Einschätzungen des Virologen Christian Drosten.

Drosten hatte im Deutschlandfunk gewarnt: „Mit dieser Impfquote können wir nicht in den Herbst gehen.“ Den Modellierungen des Robert Koch-Instituts (RKI*) zufolge, müsse Deutschland gen Herbst eigentlich wieder Kontaktbeschränkungen einführen. Damit widerspricht er den Einschätzungen des Virologen Hendrik Streeck. (Siehe unten)

„Nicht bis nach der Bundestagswahl warten“ - Karl Lauterbach fordert 2G-Regel, um Herbst-Lockdown zu verhindern

Wenn wir stärker die 2G Regel einsetzen, wo sie epidemiologisch geboten ist, schaffen wir eine höhere Impfquote und verhindern einen weiteren Lockdown. Damit können wir aber nicht bis nach der Bundestagswahl warten.

SPD-Politiker Karl Lauterbach

Das hält Karl Lauterbach allerdings für unwahrscheinlich. Zu sehr ist die Politik aktuell im Wahlkampf-Modus: „Mein Eindruck ist, dass wir in vielen Bundesländern zu wenig machen, um nicht den Bundestagswahlkampf zu stören“. Auch auf Twitter betont der SPD-Politiker mahnend: „Wenn wir stärker die 2G Regel einsetzen, wo sie epidemiologisch geboten ist, schaffen wir eine höhere Impfquote und verhindern einen weiteren Lockdown*. Damit können wir aber nicht bis nach der Bundestagswahl warten.“

„Weder sozial noch medizinisch sinnvoll“: Virologe Streeck zerlegt 2G-Regel

Update vom 2. September, 12 Uhr: Die Corona-Zahlen steigen seit Wochen wieder an, der Herbst steht vor der Tür und viele Experten und die Politik scheinen sich noch uneins über das weitere Vorgehen innerhalb der Corona-Pandemie zu sein. Geht es nach dem Virologen Hendrik Streeck ist zumindest die oftmals ins Spiel gebrachte 2G-Regel weder sozial noch medizinisch sinnvoll.

Bei der sogenannten 2G-Begrenzung sollen nur noch Geimpfte und Genese bestimmte Angebote nutzen können. Den Sinn dieser Regel hinterfragte Streeck nun im Gespräch mit der Neuen Osnabrücker Zeitung. Getestete auszuschließen „ist weder sozial noch medizinisch sinnvoll. 2G mag in der Theorie einen Effekt haben. Es wird aber in der Realität nicht bewirken, was man auf dem Rechenschieber sehen mag“, so Streeck.

Demnach werde dadurch jedenfalls nicht verhindert dass Ungeimpfte bzw. Nicht-Genesene „nur noch frustriert alleine zu Hause sitzen und kein soziales Leben mehr haben“, so der Experte weiter. Stattdessen würden unkontrollierte und unkontrollierbare Ausbrüche im privaten Bereich auftreten, welche „dann auch nicht getestet werden“.

Corona in Deutschland: Fast 14.000 Neuinfektionen - RKI meldet erneut steigende Inzidenz

Ursprungsmeldung vom 2. September 2021: Berlin - Der Sommer ist vorbei. Wie von Experten erwartet ziehen die Corona-Fallzahlen im Herbst bereits an. Die 7-Tage-Inzidenz* liegt deutschlandweit bei 76,9 (Vortag: 75,7/ Vorwoche: 66,0). Das geht aus den Daten des Robert-Koch-Instituts (RKI) am Donnerstag hervor. Die Inzidenz in den Bundesländern liegt zwischen 120,0 in Nordrhein-Westfalen und 18,9 in Sachsen-Anhalt.

13.715 Corona-Neuinfektionen und 33 weitere Todesfälle sind demnach binnen 24 Stunden verzeichnet worden. Vor einer Woche waren es übrigens 1.089 positive Corona-Tests weniger.

Corona: Hospitalisierungsrate jetzt bei 1,81

Neue Kennziffer in der Corona-Pandemie ist die sogenannte Hospitalisierungsrate. Sie gibt an, wie viele Covid-19-Patienten im Krankenhaus landen. Laut dem RKI-Lagebericht vom Mittwochabend wurden 579 Hospitalisierungen mit Covid-19 gemeldet. Die 7-Tage-Inzidenz der hospitalisierten Fälle liegt demnach bei 1,81 Fällen pro 100.000 Einwohnern. Der bisherige Höchstwert lag um die Weihnachtszeit bei rund 15,5.

Ein bundesweiter Schwellenwert, ab wann die Lage kritisch ist, ist für die Hospitalisierungs-Inzidenz unter anderem wegen großer regionaler Unterschiede nicht vorgesehen. Der Wert spiegelt die Infektionslage aber nur merklich verzögert wider, da zwischen einer Infektion und der Krankenhauseinweisung im Schnitt zehn Tage vergehen.

Laut dem DIVI-Intensivregister müssen 1.135 Corona-Patienten intensivmedizinisch behandelt werden. 584 davon werden künstlich beatmet. Am 2. September vor genau einem Jahr waren es übrigens 226 Covid-Intensivpatienten.

Corona in Deutschland

Corona-Infektionen seit Beginn der Pandemie3.970.102
Corona-Todesfälle 92.256
Zahl der Genesenen laut RKI3.750.700
Aktive Corona-Fälle in Deutschland127.200

Corona: Impfquote in Deutschland

Inzwischen ist mehr als 60 Prozent der Bevölkerung in Deutschland gegen Corona geimpft. Insgesamt haben 54.297.654 Personen (65,3  Prozent) mindestens eine Impf­dosis* erhalten. Das geht aus den Daten des Bundesgesundheitsministeriums hervor.

  • ab 60 Jahren - 82,7 Prozent
  • 18 bis 59 Jahren 65,2 Prozent
  • 12 bis 17 Jahren - 21,3 Prozent

In der Altersgruppe der 12 bis 17-Jährigen sind 21,3 Prozent vollständig immunisiert (1 Millionen). 1,4 Millionen Kinder und Jugendliche in dieser Altersgruppe (32 Prozent der Bevölkerung) haben mindestens eine Impfdosis erhalten.

  • Für die 9,2 Mio. in Deutschland lebenden Menschen im Alter von 0 bis 11 Jahren steht bisher kein zugelassener Impfstoff zur Verfügung.

Woran liegt es, dass manche Menschen eine Infektion mit dem Coronavirus problemlos wegstecken? In der Regel liegt das an sogenannten Gedächtnis-Immunzellen: Sie erkennen Sars-CoV-2, obwohl sie noch nie mit dem Virus Kontakt hatten und setzen eine schnelle Abwehrreaktion in Gang. Diese Kreuzreaktivität haben Wissenschaftler der Berliner Charité bereits 2020 nachgewiesen. In einer neuen Studie erklärt das Forscherteam jetzt, wie sich die positiven Erkenntnisse von damals negativ auf die Impfung von Älteren auswirken.(ml)*Merkur.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA

Rubriklistenbild: © IMAGO / Eduard Bopp

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