News-Ticker

Corona in Deutschland: Klinik-Situation spitzt sich zu - Ampel-Parteien reagieren und ändern Intensivregister

Die Corona-Inzidenz in Deutschland steigt immer weiter an. Die Lage in den Krankenhäusern spitzt sich zu. Der News-Ticker.

  • Die Corona-Zahlen in Deutschland steigen immer weiter an. Am Samstag liegt die Sieben-Tage-Inzidenz bei 277,4.
  • Die Corona-Situation in den Krankenhäusern spitzt sich zu. Besonders ein Land trifft es aktuell (siehe Update vom 13. November, 15.13 Uhr).
  • Die Ampel-Parteien haben eine Anpassung des Intensivregisters auf den Weg gebracht (siehe Update vom 13. November, 19.26 Uhr).
  • Dieser News-Ticker zu Corona in Deutschland wird fortlaufend aktualisiert.

Update vom 13. November, 18.26 Uhr: Die Ampel-Parteien haben eine Anpassung des Intensivregisters auf den Weg gebracht. Das bestätigte Grünen-Gesundheitspolitiker Janosch Dahmen dem RND. Demnach soll ab Ende November tagesaktuell ermittelt werden, wie viele Covid-Intensivpatienten komplett gegen Corona geimpft sind. Davon versprechen sich SPD, FDP und Grüne demnach eine bessere Übersicht, um auch kurzfristig auf die Situation reagieren zu können. Bislang fehlten oft Daten zu Intensivpatienten, ob sie geimpft sind oder nicht. Die Kliniken sollen lediglich die Zahl der Geimpften und Ungeimpften auf den Corona-Intensivstationen übermitteln. So soll der Datenschutz gewahrt bleiben.

Klinik-Situation spitzt sich zu - vor allem in einem Land ist die Lage „dramatisch“

Update vom 13. November, 15.00 Uhr: Wegen der rasant steigenden Zahl von Corona-Patienten spitzt sich die Lage in den Kliniken in Deutschland immer mehr zu. Die Kapazitäten auf den Intensivstationen sind teilweise fast ausgeschöpft, planbare andere Operationen werden verschoben, Patienten finden unter Umständen in ihrer Nähe keine freie Klinik mehr und werden in andere Städte ihres Bundeslandes gebracht. Vor allem im Süden und Osten bereiten sich Kliniken auf die Verlegung von Patienten auch in andere Bundesländer vor, wie eine Umfrage der Deutschen Presse-Agentur ergab.

Aber auch in anderen Ländern sind die Aufnahmemöglichkeiten begrenzt. Sachsen-Anhalt kann aktuell zwar die Kranken aus dem eigenen Land versorgen, aber keine Patienten aus anderen Ländern mehr aufnehmen, so ein Sprecher der Krankenhausgesellschaft.

Aus einem vertraulichen Bericht der Länder geht hervor, dass in Bayern und Baden-Württemberg bereits „täglich Verlegungen zwischen Krankenhäusern zum Ausgleich und zum Erhalt der Funktionsfähigkeit durchgeführt“ werden, wie die Zeitungen der Funke Mediengruppe berichten. Während es im Norden noch Kapazitäten gebe, seien diese im Süden praktisch aufgebraucht, heißt es dort. In Hessen und Bayern waren dem Divi-Intensivregister zufolge am Freitag nur noch 8,1 beziehungsweise 9,1 Prozent der Intensivbetten frei: 144 von 1788 Betten in Hessen und 282 von 3104 in Bayern.

Besonders „dramatisch“ ist die Lage in Thüringen. Das berichtet die Funke-Mediengruppe unter Berufung auf die Steuergruppe für die Patientenverteilung. Von den 637 Intensivbetten waren noch 82 frei. Zugleich hat das Land mit 23,9 Prozent (152) den höchsten Anteil an Corona-Patienten auf den Intensivstationen.

Das Problem ist nach Angaben des Geschäftsführers der Landes-Krankenhausgesellschaft Stephan Helm vor allem das fehlende Personal, um die Intensivbetten zu betreiben. Hintergrund sind nach Angaben der Krankenhausgesellschaft in Niedersachsen Kündigungen, Arbeitszeitverkürzungen und interne Stellenwechsel. „Ursache dafür sind die anhaltenden Belastungen des Personals durch die Corona-Pandemie“, heißt es hier.

Corona-Notlage: Tausende Bundeswehr-Soldaten werden auf Einsatz vorbereitet

Update vom 13. November, 14.43 Uhr: Auch die Bundeswehr hat den Ernst der aktuellen Entwicklungen erkannt und bereitet sich auf eine Corona-Notlage vor. Nach Informationen des Spiegel soll der zuständige Generalleutnant Martin Schelleis eine Vorlage an das Wehrressort geschickt haben. Darin steht: Bis Ende November sollen bereits 6000 Soldaten und Soldatinnen zur Unterstützung der überlasteten Kliniken und Gesundheitsämter bereitstehen. Bis zur Weihnachtszeit solle sich diese Zahl dann nochmals verdoppeln. Die Soldaten und Soldatinnen sollen auch bei den Booster-Impfungen und der Ausweitung von Schnelltests helfen.

Corona in Deutschland: Merkel fordert zur Impfung auf

Update vom 13. November, 14.02 Uhr: Noch-Bundeskanzlerin Angela Merkel richtet sich in ihrem Video-Podcast an die Menschen und appelliert zur Impfung: „Ich bitte Sie: Machen Sie mit, und versuchen Sie, auch Verwandte und Freunde zu überzeugen.“ Mit Blick auf die angespannte Lage in den Krankenhäusern und das Bund-/Ländertreffen am kommenden Dienstag, fordert sie die Einigung auf einen neuen Schwellenwert. Dieser soll sich auf die Hospitalisierungsrate beziehen. Merkel sagt, es brauche einen Wert „ab dem jeweils entsprechend der regionalen Infektionswerte verbindlich über die bisher geltenden Maßnahmen hinaus zusätzliche Schritte zur Eindämmung der Pandemie“ angesetzt werden können.

Das Robert-Koch-Institut (RKI) gibt die Sieben-Tage-Inzidenz der Hospitalisierungen, also wie viele Menschen pro 100.000 Einwohner wegen einer Corona-Infektion in ein Krankenhaus eingewiesen wurden, mit einem Wert von 4,7 am gestrigen Freitag an.

Update vom 13. November, 09.45 Uhr: Klare Worte richtet der Präsident der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (Divi) Gernot Marx an die Politik. Im Gespräch mit der Neuen Osnabrücker Zeitung fordert er: „Wir brauchen eine klare Kommunikation der Entscheidungen und ein Ende der permanenten Streitereien, damit auch umgesetzt und eingehalten wird, was beschlossen worden ist“.

Zudem sieht Marx die Auffrischungsimpfung als entscheidendes und „wirkungsvollstes“ Instrument, um die derzeitige vierte Welle zu brechen. Dabei sei vor allem eins wichtig: Tempo. „Die Impfkampagne muss mit Vollgas beschleunigt werden, mit allem, was geht!“, so Marx. Deswegen hält er es auch für sinnvoll die Booster-Impfung bereits nach fünf, statt wie bisher, nach sechs Monaten nach der zweiten Spritze durchzuführen. Erfahrungen aus Israel hätten gezeigt, dass dies eine effektive Maßnahme sei.

Corona in Deutschland: Inzidenz erreicht neuen Höchstwert - mehr als 45.000 Neuinfektionen

Erstmeldung vom 13. November, 09.05 Uhr: Berlin - Die Sieben-Tage-Inzidenz liegt am Samstagmorgen bei 277,4. Am Freitagmorgen lag der Wert noch bei 263,8. Das Robert-Koch-Institut (RKI) meldet 45.081 neue Corona-Fälle binnen eines Tages. Viele der Hotspots mit besonders hohen Infektionszahlen liegen in Bayern und Sachsen. So meldete der Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge, südlich von Dresden, 2805 Neuinfektionen, das bedeutet eine Inzidenz von 1146,2. Knapp dahinter der niederbayrische Landkreis Rottal-Inn mit einer Inzidenz von 1122,3.

Corona in Deutschland: Steigende Zahlen erfordern härtere Maßnahmen

Deutschlandweit wurden laut RKI (03.11 Uhr) 228 Todesfälle in Zusammenhang mit dem Coronavirus gemeldet. Seit Beginn der Pandemie hat das RKI insgesamt 4.987.971 Infektionen in Deutschland verzeichnet.

Einige Bundesländer wie Sachsen und Berlin setzen nun konsequent auf eine „2G“-Regelung. Auch im europäischen Ausland, in den Niederlanden, werden die Maßnahmen verschärft. Ein Teil-Lockdown, mit Sperrstunde soll hier für mehr Kontrolle sorgen. In der Friedrich-Alexander-Universität in Erlangen-Nürnberg haben ab Montag nur noch geimpfte und genesene Studierende die Möglichkeit an Vorlesungen teilzunehmen.

Rubriklistenbild: © Bodo Schackow

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