News-Ticker aus Deutschland

Corona in Deutschland: Gericht kippt Sperrstunde in einem Bundesland - Zahl der Intensivfälle steigt deutlich

Die seit Mittwoch verschärften Maßnahmen begrüßten vier Intensivmediziner auf einer Pressekonferenz in Berlin. Unter den Neuinfizierten seien immer mehr jüngere Menschen, erklärten sie.

  • Die Corona*-Zahlen in Deutschland steigen weiterhin rasant an.
  • Kanzlerin Angela Merkel gab auf einer Pressekonferenz neue Corona-Regeln samt Teil-Lockdown bekannt.
  • Bei einer Pressekonferenz in Berlin berichteten Intensivmediziner von der aktuellen Lage in den Krankenhäusern. Die verschärften Maßnahmen begrüßten sie.
  • Dieser Ticker ist beendet. Alle weiteren Informationen erhalten Sie ab sofort hier.

Update vom 29. Oktober, 18.17 Uhr: Immer mehr rückt auch die Auslastung der Intensivbetten in der Corona-Krise in den Fokus der Politik. Wie bei den Neuinfektionen sind hier drastische Sprünge nach oben zu verzeichnen. Am Donnerstag waren demnach in Deutschland 1696 Menschen in Zusammenhang mit einer Covid-Infektion in intensivmedizinischer Behandlung. Das waren 127 mehr als noch am Vortag, wie die Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin in seinem Tagesreport berichtet.

Von diesen mussten demnach 826 Personen, also knapp 46 Prozent, invasiv beatmet werden. Das sind 62 mehr als noch am Vortag.

Update vom 29. Oktober, 16.28 Uhr: In Niedersachsen hat ein Gericht nun die coronabedingte Sperrstunde und das Außer-Haus-Verkaufsverbot für Alkohol gekippt. Das Oberverwaltungsgericht in Lüneburg teilte am Donnerstag seine Entscheidung mit - damit wird die entsprechende Bestimmung in einer Landesverordnung außer Kraft gesetzt. Das Gericht gab damit einer Antragsstellerin im Eilverfahren Recht.

Die Maßnahme an sich lehnte das Gericht in seiner Begründung nicht ab. Allerdings erachten die Richter die Begründung der Verbote allein durch den Inzidenzwert nicht als ausreichend. Es sei nicht sichergestellt, dass das Infektionsgeschehen damit vollständig widergespiegelt sei.

In Bayern bleiben die Sperrstundenregelungen für Restaurants und die Teilnehmerbeschränkungen für private Feiern in Corona-Hotspots vorerst in Kraft. Der Bayerische Verwaltungsgerichtshof lehnte es am Donnerstag in einem Eilbeschluss ab, die Regelungen in der bayerischen Corona-Verordnung vorläufig außer Vollzug zu setzen.

Update vom 29. Oktober, 11.36 Uhr: Bei einer Bundespressekonferenz in Berlin berichten Mediziner zur aktuellen Covid-19 Situation auf den Intensivstationen. Sie haben die am Mittwoch, 28. Oktober, von Bund und Ländern vereinbarte Verschärfung der Corona-Auflagen begrüßt. „Die gestrigen Beschlüsse waren richtig und fällig, ich fand sie gar ein bisschen überfällig“, sagte Norbert Suttorp, Direktor der Medizinischen Klinik mit Schwerpunkt Infektiologie und Pneumologie an der Charité.

Uwe Janssens, Chefarzt am St.-Antonius-Hospital Eschweiler (Nordrhein-Westfalen) bekräftigte allerdings seine Forderung an die Politik nach einer „regulatorischen Maßnahme“ zur schrittweisen Umstellung in den Kliniken auf ein Corona-Notfallsystem. Außerden müsse eine „zusätzliche Finanzierung der Krankenhäuser“ umgesetzt werden, so der Mediziner.

Corona in Deutschland: Mehrere Intensivmediziner begrüßen verschärfte Maßnahmen - mehr jüngere Menschen infiziert

Stefan Kluge, Intensivmediziner am Hamburger Universitätsklinikum, erklärt, dass ein weiterer Anstieg an Covid-19-Patienten automatisch dazu führt, dass andere medizinische Eingriffe reduziert werden. Man konzentriere sich in Hamburg auf dringende Notfälle. Er betont, dass finanzielle Mittel auch in Hamburg benötigt werden, da man mit einer ansteigenden Infektionszahl in den nächsten Wochen rechnet. Der Altersdurchschnitt bei der sogenannten zweiten Welle sei deutlich jünger. Die Gefahr als junger Mensch an Covid-19 zu erkranken und zu sterben sei geringer, jedoch steigt das Riskio laut Intensivmediziner Kluge, sobald man beatmet werden muss.

Corona in Deutschland: Mehrere Intensivmediziner begrüßen verschärfte Maßnahmen

Der Chefarzt der Infektiologie in der Münchner Klinik Schwabing, Clemens Wendtner, erklärt: Der Alters-Peak bei den Neu-Infizierten sei in München ähnlich wie in Hamburg. Es betreffe oftmals die Altersgruppe der 21- bis 40-Jährigen. Mit Blick auf die erste Corona-Welle sagt er: „Diesen Stresstest brauchen wir kein zweites Mal.“ Er hoffe, dass die Krankenhäuser nicht wieder in die bekannten Engpässe kommen. Weiterhin mahnt Wendtner die Erkrankung nicht zu leicht zu nehmen. Covid-19 ist nicht nur die akute Phase der Erkrankung, sondern zehn bis 14 Prozent der Erkrankten tragen auch Folgeschäden und sind somit länger erkrankt.

Professor Norbert Suttrop von der Charité Berlin weist vor allem auf die Jahreszeit hin. Im Winter kämen zusätzlich zu den Corona-Patienten noch andere Krankheiten wie beispielsweise die Influenza dazu. Hier gilt es Engpässe in den Kliniken zu vermeiden.

Corona in Deutschland: Hamburger Intensivmediziner sieht Lage „absolut besorgniserregend“ - Unzufriedenheit der Deutschen steigt

Update vom 29. Oktober, 9.32 Uhr: Strengere Kontaktbeschränkungen sind unvermeidlich. Dieser Ansicht ist ein Hamburger Intensivmediziner mit Blick auf die rasante Ausbreitung des Coronavirus. Die Lage sei besorgniserregend.

Stefan Kluge, Leiter der Intensivmedizin am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE), sieht die rasante Zunahme an Corona*-Infektionen „absolut besorgniserregend“. Das meldet die Deutsche Presseagentur (DPA) am Morgen. „Wir müssen diesen Trend stoppen, die Politik muss handeln“, sagte der Klinikdirektor mit Blick auf die neuen Kontaktbeschränkungen. „Uns bleibt keine andere Wahl.“

Corona in Deutschland: Hamburger Intensivmediziner sieht Lage „absolut besorgniserregend“ und warnt vor Überlastung der Krankenhäuser

Gleichzeitig warnte der 52-Jährige vor einer Überlastung der Intensivstationen und Krankenhäuser. In einigen Bundesländern, wie Berlin, Bayern und Nordrhein-Westfalen, seien einige Kliniken schon gut mit Covid-19-Patienten belegt. Andere Erkrankte würden bereits verdrängt. Eine Reihe an Klinik-Mitarbeitern habe sich infiziert.

Nach Mediziner Stefan Kluge nütze der Blick auf die zur Zeit nur langsam steigende Zahl der Todesopfer nicht, um die aktuelle Lage einzuschätzen. „Wir müssen auf die Zahl der Intensivpatienten gucken. Dann wissen wir, wohin die Reise geht“, sagte der Facharzt für Innere Medizin und Lungenheilkunde. Hier gehe die Kurve aktuell steil nach oben. Es dauere im Schnitt zehn Tage, bis Patienten mit Symptomen auf die Intensivstation verlegt werden müssten.

Corona in Deutschland: Hamburger Intensivmediziner sieht Lage „absolut besorgniserregend“

Wie der Fachmediziner Kluge erklärt, beträgt die Aufenthaltsdauer bei beatmeten Patienten auf der Intensivstation zwei bis drei Wochen. Todesfälle würden meist erst im Verlauf auftreten. Dies bedeute, dass sich die Zahl der Neuinfektionen erst mit einer Verzögerung von drei bis vier Wochen auf die Zahl der Todesfälle auswirke.

Weiter erklärt er, dass von den Corona-Infizierten etwa fünf Prozent im Krankenhaus behandelt werden - zwei Prozent seien Intensivpatienten. Bei über 70-Jährigen würde das Todesrisiko bei über 50 Prozent liegen. Das Durchschnittsalter der Verstorbenen in Deutschland liegt laut Kluge bei 79 Jahren.

Corona in Deutschland: Hamburger Facharzt betont gute Ausstattung und Behandlungserfolge der Krankenhäuser

Ärzte und Pflegepersonal hätten seit Beginn der Pandemie viel gelernt. Zudem gebe es neue Testverfahren* und Behandlungserfolge mit dem Cortison-Präparat Dexamethason. Mit Schutzkleidung und Beatmungsgeräten sei man gut ausgestattet. „Deshalb sind wir auch prinzipiell gut vorbereitet“, meint Mediziner Kluge.

Man könne vorhersehen, wie sich die Pandemie in den nächsten zwei bis drei Wochen entwickeln werde. „Darüber hinaus ist alles Kaffeesatzleserei.“ Es lasse sich nicht seriös sagen, wie die Lage im Dezember und Januar aussehen werde. „Es hängt extrem davon ab, was die Politik entscheidet und wie sich die Menschen jetzt verhalten“, betonte der Leiter der Intensivmedizin.

Corona in Deutschland: Hamburger Intensivmediziner sieht Lage „absolut besorgniserregend“ - Unzufriedenheit der Deutschen steigt

Diese sind mit dem Krisenmanagement der Regierung so unzufrieden, wie seit Beginn der Krise nicht mehr. Das berichtet focus.de und bezieht sich dabei auf eine Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Civey. So sind zur Zeit 56,6 Prozent der Deutschen mit der Corona-Politik der Bundesregierung zufrieden. 33,3 Prozent seien laut der Umfrage unzufrieden, 10,5 Prozent hätten „unentschieden“ gewählt.

Im Vergleich nennt focus.de den Tiefstand Ende März, den das Meinungsforschungsinstitut ermittelt hatte. 31,3 Prozent wären demnach mit der Krisen-Politik unzufrieden gewesen, 55,3 Prozent hätten sich zufrieden gezeigt. Die restlichen 13,4 Prozent seien unentschieden gewesen.

Corona in Deutschland: Neuer Höchststand an Neuinfektionen - Herbe Enttäuschung für Herbsturlauber

Update vom 29. Oktober, 6.27 Uhr: Die Zahl der registrierten Corona-Neuinfektionen in Deutschland hat mit 16.774 neuen Fällen innerhalb eines Tages einen neuen Höchstwert erreicht. Das geht aus den Angaben des Robert-Koch-Instituts (RKI) vom frühen Donnerstagmorgen hervor. Damit haben sich seit Beginn der Pandemie insgesamt 481.013 Menschen in Deutschland mit dem Coronavirus infiziert. Und damit rückt auch Merkels Weihnachtsprognose, wonach es zu Heilig Abend rund 20.000 Neuinfizierte sein könnten.

Die Zahl der Todesfälle im Zusammenhang mit dem Virus ist innerhalb eines Tages um 89 auf insgesamt 10.272 gestiegen. Die Zahl der Genesenen wird vom RKI auf rund 339.200 Menschen geschätzt. Laut Lagebericht vom Mittwoch lag die Reproduktionszahl, kurz R-Wert, in Deutschland bei 1,03. Das bedeutet, dass ein Infizierter etwas mehr als eine weitere Person ansteckt. Der R-Wert bildet jeweils das Infektionsgeschehen etwa eineinhalb Wochen zuvor ab.

Corona in Deutschland: Neue Corona-Auflagen nach Konferenz der Kanzlerin mit Ministerpräsidenten

Update vom 28. Oktober, 19.30 Uhr: Nach der Videokonferenz zwischen Bundeskanzlerin Angela Merkel und den Ministerpräsidenten wurden bei einem Pressetermin die neuen Corona-Auflagen bekannt gegeben, die von 2. bis 30. November gelten sollen. So sollen alle Gaststätten geschlossen und private Kontakte „auf ein absolut nötiges Minimum“ reduziert werden.

Der Aufenthalt in der Öffentlichkeit soll nur noch mit höchstens zehn Menschen gestattet sein, wobei höchstens zwei Hausstände zusammentreffen dürfen. Touristische Reisen sollen verboten sein, lediglich für unbedingt notwendige, etwa berufliche Aufenthalte, gibt es Ausnahmen. Auch Theater, Kinos, Schwimmbäder, Fitnessstudios und andere Kultur- oder Freizeiteinrichtungen sind von dem Teil-Lockdown betroffen. Profisportveranstaltungen wie Fußballspiele sollen ohne Zuschauer stattfinden, Amateursport gar nicht mehr - ausgenommen allein, zu zweit oder mit dem eigenen Hausstand. Freizeitveranstaltungen sind verboten. Eine Übersicht über alle Regeln* finden Sie außerdem hier.

Kitas, Schulen und Geschäfte sollen nicht geschlossen werden. „Wir werden alles daran setzen, um Schulen und Kitas offen zu halten“, sagte Merkel. Auch die Wirtschaft müsse größtenteils aufrechterhalten bleiben..

Coronavirus in Deutschland: Herbe Enttäuschung für Herbsturlauber - Übernachtungen im Inland verboten

Update vom 28. Oktober, 17.07 Uhr: Kurz vor der PK zum Bund-Länder-Gipfel mit Kanzlerin Angela Merkel (CDU) sickert durch, dass in Deutschland touristische Übernachtungsangebote im Inland im November verboten sein sollen. Diese dürften nur noch für notwendige Zwecke wie zwingende Dienstreisen gemacht werden, beschloss nach Informationen der dpa der Corona-Gipfel von diesem Mittwoch - mehr Corona-Beschlüsse erfahren Sie in Kürze in unserem Ticker zum Thema.

Coronavirus in Deutschland: Cyberkriminelle legen RKI-Website zeitweise lahm

Update vom 28. Oktober, 12.53 Uhr: Am Sonntag haben Unbekannte ein Gebäude des Robert-Koch-Instituts *(RKI) mit Brandsätzen beworfen - nun wurde bekannt, dass Cyberkriminelle am Donnerstag zuvor die RKI-Webseite zeitweise lahmgelegten. Der Angriff sei morgens zwischen 8 und 10 Uhr erfolgt, sagte ein Sprecher des Informationstechnikzentrums Bund (ITZBund).

Er bestätigte der Nachrichtenagentur dpa damit einen entsprechenden Bericht des Nachrichtenmagazins Spiegel. Es habe sich um einem sogenannten DDOS-Angriff (Distributed Denial of Service) gehandelt. Die Berliner Polizei wurde nach der Cyberattacke nicht eingeschaltet. Das Institut habe keine Strafanzeige erstattet.

Corona in Deutschland: Neuer Höchststand an Neuinfektionen - RKI meldet nach Daten-Panne neuen Rekordwert

Update vom 28. Oktober, 11.22 Uhr: Kurz vor den Bund-Länder-Beratungen mit Bundeskanzlerin Angela Merkel* (CDU) hat Bundesgesundheitsminister Jens Spahn vor einer Überforderung des deutschen Gesundheitssystems durch schwere Corona-Krankheitsverläufe gewarnt. „Wenn die Intensivstationen voll sind, dann ist es zu spät“, sagte der CDU-Politiker am Mittwoch dem Südwestrundfunk (SWR).

Zuletzt stiegen dort die Zahlen der mit dem Sars-CoV-2 infizierten Patienten deutlich. „Noch auf einem verkraftbaren Niveau, Stand heute“, sagte Spahn. Es sei besser, jetzt die Welle zu brechen. Ähnliche Sorgen hört man aktuell aus dem Nachbarland Österreich.

Update vom 28. Oktober, 8.44 Uhr: Nach dem Fehler in der Datenübermittlung meldete das RKI nun einen neuen Rekord bei der Zahl der Corona-Neuinfektionen in Deutschland. Innerhalb eines Tages wurden 14.964 neue Corona-Fälle verzeichnet. Das ist der Höchstwert seit Beginn der Pandemie. Die Zahlen der Todesfälle und Genesenen wurden bislang noch nicht aktualisiert. Auch in der bayerischen Landeshauptstadt München gab es eine Panne bei der Übermittlung der 7-Tage-Inzidenz*.

Corona in Deutschland: Lauterbach setzt auf Rückendeckung der Bevölkerung

Update vom 28. Oktober, 8.29 Uhr: Der SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach setzt im Kampf gegen die steigenden Corona-Infektionszahlen auf die Rückendeckung der Bevölkerung. „Wir sind ethisch und politisch in der Verantwortung, die breite Bevölkerung zu schützen. Und die meisten Menschen verstehen das und erwarten das auch von der Politik“, sagte er gegenüber der dpa. Zudem warnte Lauterbach davor, sich von Maskenverweigerern und sogenannten Corona-Verharmlosern „die Politik bestimmen“ zu lassen.

Der Gesundheitsexperte wirbt für einen zweiwöchigen „Wellenbrecher-Shutdown“. Bei diesem Konzept würden über zwei Wochen hinweg bundesweit Einrichtungen wie Restaurants, Bars und Fitnessstudios geschlossen. Schulen, Kitas und essenzielle Geschäfte blieben hingegen geöffnet. Private Treffen müssten auf ein absolutes Minimum reduziert werden. In Betrieben sollte so viel Homeoffice gemacht werden wie möglich.

Corona in Deutschland: Probleme bei Datenübermittlung der neuen Zahlen beim RKI

Update vom 28. Oktober, 7.53 Uhr: Beim Robert-Koch-Institut scheint es ein Problem mit der Datenübermittlung der neuen Corona-Zahlen zu geben. Auf dem RKI-Dashboard entsprechen die derzeit angezeigten bundesweiten Zahlen zu Neuinfektionen, Todesfällen und Genesenen den am Dienstagmorgen angezeigten. Beim Aufrufen der Website erscheint aktuell der Hinweis: „Aufgrund von Verzögerungen in der Datenaktualisierung kann es zu Varianzen in den einzelnen Grafiken kommen. Wir bitten um Verständnis.“

Corona in Deutschland: Leopoldina empfehlen eine Art Lockdown für drei Wochen

Update vom 27. Oktober, 17.50 Uhr: Die Deutsche Nationale Wissenschaftsakademie Leopoldina und fünf andere Forschungsgemeinschaften empfehlen eine Art Lockdown für drei Wochen. Um den Anstieg der Infektionen zu stoppen, sei es nötig, die sozialen Kontakte ohne Hygienemaßnahmen auf ein Viertel zu reduzieren. Dazu brauche es bundeseinheitliche Regeln, heißt es in einer gemeinsamen Erklärung von Leopoldina, der Deutschen Forschungsgemeinschaft, der Fraunhofer-Gesellschaft, der Helmholtz-Gemeinschaft, der Leibniz-Gemeinschaft und der Max-Planck-Gesellschaft.

„Eine Halbierung der Kontakte ohne Vorsichtsmaßnahmen eines jeden Einzelnen reicht laut wissenschaftlichen Simulationen des möglichen Pandemieverlaufs gegenwärtig nicht aus, um die Zahl von Neuinfizierten pro Woche zu senken“, erklärten die Experten weiter. Der Anstieg der Infektionszahlen sei in vielen Orten Deutschlands nicht mehr kontrollierbar.

Coronavirus in Deutschland: Merkel-Prognose für Weihnachten schon Ende der Woche erreicht

Update vom 27. Oktober, 17.35 Uhr: Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) rechnet damit, dass schon Ende dieser Woche die Marke von 20.000 Corona-Neuinfektionen täglich erreicht ist. Bundeskanzlerin Angela Merkel hatte diese Zahl für für Weihnachten prognostiziert, was zum Teil als unrealistisch bewertet wurde.

„In Deutschland steigt die Zahl der Neuinfektionen jeden Tag um 70, 75 Prozent im Vergleich zur Woche davor“, sagte Altmaier am Dienstag in einer Rede beim Deutsch-Französischen Wirtschaftstag. „Und das bedeutet: Wir werden wahrscheinlich schon Ende dieser Woche 20.000 Neuinfektionen am Tag haben.“ Wir hätten es mit einem „exponentiellen Wachstum“ zu tun, wodruch die Infektionszahlen eine Höhe erreicht hätten, „die wir uns vor drei Wochen noch gar nicht vorstellen konnten.“

Update vom 27. Oktober, 16.22 Uhr: Die Zahl der Todesfälle im Zusammenhang mit dem Coronavirus hat in Deutschland die Marke von 10.000 geknackt. Der Kardiologe Thomas Münzel hat einen erstaunlichen Zusammenhang zwischen Covid-19-Toten und der Luftverschmutzung festgestellt.

Corona in Deutschland: Schleswig-Holstein kündigt harte Kontaktbeschränkungen an

Update vom 27. Oktober, 16.07 Uhr: Mit Schleswig-Holstein kündigte ein Bundesland bereits vor der Konferenz der Kanzlerin mit den Ministerpräsidenten am Mittwoch harte Kontaktbeschränkungen an. Die Zahl 10 werde die Obergrenze für alle Bereiche auch im Freien in den nächsten drei Wochen sein, sagte Ministerpräsident Daniel Günther am Dienstag in Kiel. Dies gelte auch für den Sport. Der Spielbetrieb im Amateurfußball müsse demnach pausieren.

Am Freitag sollen diese Maßnahmen in einer Landesverordnung beschlossen werden, unabhängig von den Ergebnissen der Video-Schalte der Ministerpräsidenten mit der Kanzlerin. Günther kündigte zudem an, dass die Maskenpflicht im Unterricht ab der 5. Klasse um drei Wochen verlängert wird. Darüber hinaus wird diese nun auch auf die Grundschulen ausgeweitet. Dort gelte die Maskenpflicht allerdings nur in Regionen, in denen der Inzidenzwert von 50 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner in den vergangenen sieben Tagen überschritten wird.

Corona in Deutschland: Mehrere Bundesländer erwägen stufenweisen Lockdown

Erstmeldung vom 27. Oktober: München - Am Mittwoch berät Angela Merkel mit den Ministerpräsidenten über die aktuelle Lage in der Corona-Pandemie in Deutschland. Die Kanzlerin zeigte sich in den vergangenen Tagen besorgt angesichts der Entwicklung der Zahl der Corona-Neuinfektionen. In den einzelnen Bundesländern wird der Anstieg der Zahlen ebenfalls mit Sorge gesehen.

Laut einem Spiegel-Bericht diskutieren die von der SPD geführten Bundesländer Brandenburg, Berlin, Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen, Rheinland-Pfalz, Bremen, Hamburg gemeinsam mit Thüringen einen Entwurf für einen Beschlussvorschlag. Darin ist von einem „schrittweisen Herunterfahren des öffentlichen und wirtschaftlichen Lebens“ die Rede. Dieser Lockdown in mehreren Schritten solle kommen, wenn die jetzigen Maßnahmen im Kampf gegen das Coronavirus* keine ausreichende Wirkung zeigen.

Um weitreichende Folgen über die Pandemie hinaus zu verhindern, sollte die Berufstätigkeit generell weiterhin ermöglicht werden, heißt es in dem Entwurf. Dafür sollten Kitas und Schulen offen gehalten werden, soweit möglich. Weitere Maßnahmen sollen von den Ländern in die Corona*-Verordnungen aufgenommen werden. Es wird beispielsweise diskutiert, bis Ende November in Privatwohnungen nur noch Zusammenkünfte von Personen aus zwei Haushalten oder maximal zwei Personen aus anderen Haushalten zuzulassen. Kinder bis zwölf Jahren seien davon ausgenommen. Bei familiären Anlässen wie beispielsweise Hochzeiten oder Beerdigungen sei im Entwurf von höchstens 15 Personen die Rede.

Corona in Deutschland: Maßnahmen zur Senkung der Infektionszahlen geplant

Wie der Spiegel berichtet, sei das Ziel der Maßnahmen, die Infektionszahlen* so weit zu senken, „dass in der Weihnachtszeit wieder mehr Menschen zusammentreffen können“. Sollten die getroffenen Schritte nicht ausreichend sein, wird in dem Entwurf ein schrittweises weiteres Herunterfahren des öffentlichen Lebens skizziert. Die „Schließungs-Reihe“ habe das Ziel „möglichst zusätzliche, unnötige Kontakte sowie An- und Abfahrbegegnungen zu reduzieren, ohne einen vollkommenen Lockdown mit seinen schweren wirtschaftlichen und sozialen Folgen ausrufen zu müssen“, heißt es in dem Entwurf.

Die erwägten Maßnahmen in den verschiedenen Bereichen sollen demzufolge in folgender zeitlicher Reihenfolge getroffen werden:

  • Halbierung der geltenden Höchstgrenzen für Veranstaltungen, danach weitere Reduzierungen
  • Schließung von Theatern, Museen, Messen und Veranstaltungen
  • Hochschulunterricht in der Regel digital
  • Einschränkungen der Gastronomie, die über die Sperrstunden hinausgehen; im Extrem-Fall nur noch Außer-Haus-Verkauf
  • Aussetzen des Vereinssports
  • Schließung von Betrieben mit körpernahen Dienstleistungen, beispielsweise Friseure oder Massagestudios
  • Schließung von Fitnessstudios, Schwimmbädern und Saunen
  • Schließung gewerblicher Unterkünfte, um Reisen auf ein Minimum zu reduzieren
  • Schließung des Einzelhandels für nicht notwendige Güter des täglichen Bedarfs

Corona in Deutschland: Schließung einzelner Bereiche erfordert neue Soforthilfeprogramme

In dem Entwurf heißt es weiter, man sei sich bewusst, dass eine weitere Schließung einzelner Wirtschaftsbereiche neue Soforthilfeprogramme erfordere. Darüber werde mit dem Bund verhandelt. Insbesondere Selbstständige müssten in Sachen Miete und Betriebskosten entlastet werden.

Es sei offen, ob die Vorschläge am Mittwoch von einer Mehrheit der Ministerpräsidenten mitgetragen werden. „Dem Vernehmen nach gehen manchen Länderchefs die Maßnahmen zu weit - andere favorisieren dagegen noch schärfere Regeln“, heißt es im Spiegel-Bericht. Am Mittwoch wird die Kanzlerin die Diskussion mit den Ministerpräsidenten über das weitere Vorgehen während der zweiten Welle* der Corona-Pandemie fortführen. (ph) *Merkur.de und *tz.de sind Teil des Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerks

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