Borna’sche Krankheit

„Selten, aber lebensbedrohlich“: Borna-Virus in Deutschland nachgewiesen

Spitzmäuse zeichnen sich neben ihrer spitzen Nase durch einen stechenden Geruch sowie relativ kleine Augen und Ohren aus.
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Spitzmäuse zeichnen sich neben ihrer spitzen Nase durch einen stechenden Geruch sowie relativ kleine Augen und Ohren aus.

Das Borna-Virus ist äußerst selten, dennoch verläuft eine Erkrankung in vielen Fällen tödlich. In Deutschland ist ein neuer Fall aufgetaucht.

Landkreis Mühldorf am Inn – Die Erkrankung ist äußerst selten, und doch treten immer wieder vereinzelt Fälle mit dem Erreger in Deutschland auf: Das Borna-Virus. Im westlichen Landkreis Mühldorf am Inn ist kürzlich ein solcher Fall gemeldet worden. Das teilte das Landratsamt am Dienstag (7. Juni) in einer Erklärung mit.

Die Erkrankung sei nach einer „Infektion mit dem äußerst seltenen, aber lebensbedrohlichen Borna-Virus (BoDV-1 - Borna Disease Virus 1) aufgetreten“, hieß es in der Mitteilung. Bislang seien „rund 40 Fälle von BoDV-1 Erkrankungen beim Menschen nachgewiesen worden.“

Seltene Erkrankung in Deutschland: Was ist das Borna-Virus?

Doch was hat es mit dem Borna-Virus auf sich? Nach Angaben des Robert Koch-Instituts (RKI) ist der Erreger der sogenannten Borna’schen Krankheit vor allem bei Tieren, wie Pferden, Schafen und anderen Säugetieren in Mitteleuropa bekannt. 2018 wurde das Virus dann zum ersten Mal „als Ursache für schwere Gehirnentzündungen (Enzephalitiden) beim Menschen nachgewiesen“, informierte das RKI in einem Merkblatt. Träger in der Natur von BoDV-1 ist die Feldspitzmaus, die in Mittel- und Südosteuropa vorkommt. Nach RKI-Informationen werden die Viren von infizierten Feldspitzmäusen unter anderem über Speichel, Urin und Kot ausgeschieden, die von anderen Tieren etwa beim Fressen aufgenommen werden können.

„Für den Menschen sind verschiedene Übertragungswege denkbar“, hieß es vom RKI. Neben dem direkten Kontakt mit den Mäusen oder deren Ausscheidungen, können auch verunreinigte Lebensmittel oder Wasser sowie das Einatmen des Virus über kontaminierten Staub zu einer Infektion führen. Eine Übertragung von Mensch zu Mensch sei dem RKI zufolge aber sehr unwahrscheinlich. „Andere Tiere als Spitzmäuse gelten ebenfalls als nicht-infektiös für Tier und Mensch.“

Borna-Virus: Wie viele Fälle treten in Deutschland auf?

Neben dem Landratsamt Mühldorf am Inn weist auch das RKI daraufhin, dass eine Erkrankung mit dem Borna-Virus äußert selten ist. Jedes Jahr treten etwa zwei bis sechs akute Fälle auf, die meisten davon in Bayern. In dem betroffenen Landkreis traten neben dem aktuellen Fall in den vergangenen drei Jahren noch zwei weitere Erkrankungen auf. Deshalb stehe das Landratsamt nach eigenen Angaben im Austausch mit Expertinnen und Experten.

Das bayerische Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) werde den „aktuellen Infektionsfall in seiner laufenden Forschung zum Borna-Virus berücksichtigen“, hieß es weiter. In diesem Zusammenhang setze sich Landrat Max Heimerl dafür ein, die bisherigen Studien über das Virus „zu intensivieren, um die Situation vor Ort, Ursache und die bisher nicht bekannten Ansteckungswege aufzuklären und dadurch weitere Ansteckungen zu vermeiden.“

Borna-Virus in Deutschland: Welche Symptome können auftreten?

Die meldepflichtige Borna’sche Krankheit äußerte sich bei bisher bekannten Patientinnen und Patienten mit Kopfschmerzen, Fieber und einem allgemeinen Krankheitsgefühl. „Bei allen Erkrankungsfällen kam es anschließend zu neurologischen Symptomen, wie Verhaltensauffälligkeiten und Sprach- und Gangstörungen, und im weiteren Verlauf innerhalb von Tagen oder wenigen Wochen zum Koma“, hieß es im RKI-Merkblatt. Den Angaben zufolge verliefen alle bisherigen Erkrankungen mit nur einer Ausnahme tödlich. Spezifische Therapiemöglichkeiten gegen das Virus gibt es weder für Menschen noch für Tiere. Nach Auftreten der ersten Symptome sterben die Betroffenen innerhalb weniger Wochen und Monate.

Angesichts der wenigen Fälle in Deutschland ist die Wahrscheinlichkeit einer Infektion sehr gering. Bestimmte Vorsichtsmaßnahmen des RKI können dieses Risiko weiter reduzieren:

  • Lebende oder tote Spitzmäuse sollten nicht mit bloßen Händen berührt werden
  • Entdecken Sie eine Spitzmaus in ihrem Umfeld, gilt es, die Nahrungsquelle ausfindig zu machen und zu entfernen
  • Komposthaufen und andere Abfälle locken durch Insekten Spitzmäuse an

Borna-Virus: Tipps beim Beseitigen einer toten Spitzmaus

Wer eine tote Spitzmaus entdeckt, etwa weil eine Katze diese ins Haus gebracht hat, sollte das Tier umgehend entfernen. Das RKI empfiehlt dabei das Tragen von Gummihandschuhen und bei Staubentwicklung möglichst eine eng anliegende Gesundheitsmaske. So sollten Sie vorgehen:

  • Tote Spitzmaus und Ausscheidungen gründlich mit einem handelsüblichen Reinigungsmittel besprühen. Das verhindert, dass bei der Entsorgung virusbeladener Staub aufgewirbelt wird
  • Spitzmaus mit einer Plastiktüte aufheben, Tüte verschließen und im Hausmüll entsorgen
  • Kontaminierte Flächen sorgfältig mit Haushaltsreiniger säubern
  • Gründlich duschen (inklusive Haare) und benutzte Kleidung waschen

Obwohl das Borna-Virus eine lebensbedrohliche Erkrankung auslösen kann, ist die Infektionswahrscheinlichkeit in Deutschland gering. Für Anliegen besorgter Bürgerinnen und Bürger hat das bayerische Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit eine Mail-Adresse eingerichtet: servicestelle@lgl.bayern.de. (kas)

Derweil breiten sich Affenpocken in Deutschland und Europa aus. Der erste Patient ist laut einer Klinik nun wieder genesen.

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