Wikileaks-Gründer Assange in London festgenommen

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Wikileaks-Gründer Julian Assange ist in London festgenommen worden.

Wikileaks-Gründer - Julian Assange - ist nach Angaben der britischen Polizei in London festgenommen worden. Ihm droht eine 12-monatige Haft.

Wikileaks-Gründer Julian Assangeist nach Angaben der britischen Polizei in London festgenommen worden. Der Australier hatte in London seit 2012 in der ecuadorianischen Botschaft gelebt, um einer Festnahme zu entgehen.

Update, Donnerstag (11. April), 16.05 Uhr: Ein britisches Gericht hat Wikileaks-Gründer Julian Assangeam Donnerstag (11. April) in London für schuldig befunden, gegen seine Kautionsauflagen verstoßen zu haben. Dafür droht ihm eine Haftstrafe von bis zu zwölf Monaten.

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Assange plädiert auf nicht schuldig

Update, Donnerstag (11. April), 15.55 Uhr: Der Wikileaks-Gründer hat wenige Stunden nach seiner Festnahme in London vor einem Gericht auf nicht schuldig plädiert. Er wies damit am Donnerstag (11. April) vor dem Westminster Magistrates' Court in London den Vorwurf zurück, er habe sich unrechtmäßig der Auslieferung nach Schweden entzogen. Wie die Nachrichtenagentur PA berichtete, wollte Assangenicht selbst aussagen, sein Anwalt wollte demnach die Begründung erläutern.

Update, Donnerstag (11. April), 15.45 Uhr: Großbritannien hat bestätigt, dass der Wikileaks-Gründer nicht an die USA ausliefert wird, wenn ihm dort die Todesstrafe droht. Das gelte "unter allen Umständen", und auch für Assange, sagte der Staatssekretär im britischen Außenministerium Alan Duncan dem Sender Sky News am Donnerstag (11. April).

US-Justiz wirft Assange Verschwörung mit Chelsea Manning vor

Update, Donnerstag (11. April), 15 Uhr: Die US-Justiz wirft dem Wikileaks-Gründer Verschwörung mit der Whistleblowerin Chelsea Manning vor. Assange werde beschuldigt, Manning dabei geholfen zu haben, ein Passwort eines Computernetzwerks der Regierung zu knacken, hieß es am Donnerstag (11. April) in einer Mitteilung des Justizministeriums zum US-Auslieferungsantrag an Großbritannien.

Update, Donnerstag (11. April), 14 Uhr: Die US-Justiz hat einen Auslieferungsantrag für den Enthüllungsaktivisten gestellt, wie die britische Polizei am Donnerstag bestätigte. Die Gefahr einer Auslieferung an die USA ist genau das, was Assange veranlasste, in die Botschaft zu flüchten und so lange dort auszuharren.

Ecuadors Präsident Lenin Moreno sagte zugleich, die britische Regierung habe schriftlich zugesagt, Assangenicht an ein Land auszuliefern, in dem ihm Folter oder die Todesstrafe drohten.

Reporter ohne Grenzen melden sich zu Wort

Update, Donnerstag (11. April), 13.45 Uhr:Reporter ohne Grenzen (ROG) fordert die britischen Behörden auf, bei ihrer Behandlung des festgenommenen Wikileaks-Gründers den Prinzipien von Meinungs- und Pressefreiheit einschließlich des journalistischen Quellenschutzes Vorrang zu geben.

Großbritannien sollte in Einklang mit seinen Gesetzen und internationalen Menschenrechtsverpflichtungen handeln und den Wikileaks-Gründer nicht wegen seiner Journalismus-ähnlichen Aktivitäten an die USA ausliefern.

"Wikileaks-Veröffentlichungen wie die Irak-Papiere waren zweifellos von öffentlichem Interesse und haben breite politische Debatten ausgelöst. Assangenoch nach fast neun Jahren dafür zu verfolgen, wäre eine reine Bestrafung und ein gefährlicher Präzedenzfall für Journalistinnen und Journalisten, für Whistleblower und andere journalistische Quellen", sagte ROG-Geschäftsführer Christian Mihr.

Assange solle geschützt werden

"Großbritannien muss gegenüber den USA zu seinen Prinzipien stehen und sicherstellen, dass Assangefür seinen Beitrag zu journalistischer Berichterstattung entsprechend britischem und EU-Recht geschützt wird."

Update, Donnerstag (11. April), 13 Uhr: Julian Assangegilt als maßgeblicher Mitgründer der Enthüllungsplattform Wikileaks. Sie gibt Einblick in unethisches Verhalten von Regierungen und Unternehmen. Seinen Kritikern gilt der 47-jährige gebürtige Australier jedoch vielfach auch als selbstgefälliger Akteur, der mit der Veröffentlichung heikler Informationen sogar das Leben anderer Menschen aufs Spiel setze.

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Assange ist sehr stark in die Kritik geraten

Bekannt wurde die Enthüllungsplattform unter anderem durch die Veröffentlichung von brisanten US-Dokumenten aus den Kriegen in Afghanistan und im Irak. Zuletzt war Assangein die Kritik geraten, nachdem während der heißen Wahlkampfphase in den USA vertrauliche E-Mails von Servern der Demokraten gestohlen und teils auf Wikileaks veröffentlicht wurden.

Das wurde als gezieltes Störfeuer gegen die demokratische Präsidentschaftskandidatin Hillary Clinton gewertet. Die Server der Demokratien waren nach Erkenntnissen von IT-Sicherheitsexperten von russischen Hackern geknackt worden.

Schon als Jugendlicher verschaffte er sich Zugang zu Behörden-Rechnern

Assangekam am 3. Juli 1971 im australischen Townsville in Queensland auf die Welt. Sein Stiefvater betrieb ein Wandertheater. Nach der Trennung der Eltern lebte er an vielen verschiedenen Orten.

Schon früh begeisterte sich Assangefür Computertechnik. Bereits als Jugendlicher verschaffte er sich Zugang zu fremden Rechnern, beispielsweise von Behörden und Unternehmen. Mit 18 Jahren heiratete er und wurde Vater. Die Ehe ging bald in die Brüche.

Assange hat Wikileaks 2006 mitbegründet

Bei der Gründung von Wikileaks 2006 war Assangeeine zentrale Figur. Er ist auch innerhalb der Hackerszene umstritten. So gab es etwa Kritik an seinem autoritären Umgangsstil und auch wegen der Vorwürfe sexueller Vergehen, die in Schweden gegen ihn erhoben worden waren.

Die Anklage in Schweden war dann allerdings fallengelassen worden, während Assangein der Londoner Botschaft Ecuadors lebte, um einer Auslieferung zu entgehen.

Assange wird teilweise wie ein Held verehrt

Andere verehren Assangewie einen Helden und nennen ihn charismatisch. Während seines mehrjährigen Asyls in der Botschaft hat er auch Besuch von Prominenten wie Popsängerin Lady Gaga und Schauspielerin Pamela Anderson bekommen.

Ursprungsmeldung: Wikileaks-Gründer Julian Assange ist in London festgenommen worden. Der Australier hatte in London seit 2012 in der ecuadorianischen Botschaft gelebt, um einer Festnahme zu entgehen. Zuvor hatte ihm die Regierung des lateinamerikanischen Landes das diplomatische Asyl entzogen. Mit dpa-Material