Igitt! Jedes zweite Stück Hähnchen vom Discounter ist mit gefährlichen Keimen belastet

Die Umweltorganisation Germanwatch hat bei Hähnchenfleisch aus Billig-Supermärkten in rund jeder zweiten Stichprobe antibiotikaresistente Keime gefunden.
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Die Umweltorganisation Germanwatch hat bei Hähnchenfleisch aus Billig-Supermärkten in rund jeder zweiten Stichprobe antibiotikaresistente Keime gefunden.

In jeder zweiten Hähnchenfleisch-Probe aus dem Discounter finden sich antibiotikaresistente Keime. Das kann Antibiokita wirkungslos werden lassen.

In jeder zweiten Hähnchenfleisch-Probe vom Discounter finden sich antibiotikaresistente Keime. Das hat jetzt eine Umweltorganisation herausgefunden. Problem dabei: Die Keime können Antibiotika wirkungslos werden lassen.

Die Umweltorganisation Germanwatch hat die Hähnchenfleisch-Proben bei Lidl, Netto, Real, Penny und Aldi (Nord und Süd) gekauft. Das Labor der Universität Greifswald analysierte die 59 Proben dann, so Reinhild Benning, Agrarexpertin bei Germanwatch am Dienstag (16. April).

Antibiotika könnte durch die Keime unwirksam werden

Dabei kam heraus, dass 56 Prozent der Portionen Hähnchenfleisch von Discountern mit Keimen besiedelt waren, die resistent gegen bestimmte Antibiotika sind. "Diese Befunde halten wir für alarmierend", ergänzte Benning. Bei Testkäufen in Schlachtereien, die nicht industriell arbeiteten, seien bei elf Proben lediglich neun Prozent des Hähnchenfleischs mit solchen Keimen belastet gewesen.

Jede dritte Probe aus den Discountern ist sogar mit Resistenzen gegen Reserveantibiotika kontaminiert. Das sind spezielle Antibiotika, die bei erkrankten Menschen im Notfall wirken müssen, wenn andere Antibiotika nicht mehr anschlagen. Jede fünfte Probe weist sogar mehrere verschiedene Resistenzen auf.

Germanwatch kritisiert Bundesregierung

"Unsere Stichproben zeigen alarmierend hohe Resistenzraten auf Hähnchenfleisch. Dies spricht dafür, dass die Bundesregierung bei der Bekämpfung von Antibiotikaresistenzen aus Massentierhaltungen bisher versagt", sagt Benning. Die Auflagen beim Einsatz von Reserveantibiotika seien zu lasch.

Wenn das Fleisch gut durchgegart ist, werden die Keime zwar nicht über das Essen übertragen. Risiken gibt es laut Germanwatch aber bei der Küchenhygiene in Restaurants und auch Zuhause. Beim Waschen des Fleischs mit Wasser unter 70 Grad Celsius könnten zum Beispiel Spritzer auf Schneidebretter gelangen. Wenn dann dort auch Lebensmittel geschnitten würden, die roh gegessen werden, könnten die resistenten Keime über Mahlzeiten in den Darm gelangen. Bei späteren Infektionen könnten verschriebene Antibiotika dann auf einmal nicht mehr anschlagen.

Keime richten keinen direkten Schaden an

Außerdem könnten Menschen sich "antibiotikaresistente Keime aus Massentierhaltungen unter anderem über Lebensmittel oder über die Ausdünstungen aus Tierfabriken einfangen", erklärt Dr. Gerd Ludwig Meyer, Facharzt für innere Medizin. Wie viele Menschen durch antibiotikaresistente Keime im Fleisch Schaden nehmen, ist bislang noch unklar.

Die Keime richteten oft keinen direkten Schaden an. Doch wenn ein Mensch mit resistenten Keimen schwer erkrankt und Antibiotika benötigt, könnten Resistenzen die Wirkung verhindern, erläutert Germanwatch. Wenn es um Resistenzen gegen Reserveantibiotika gehe, werde es besonders kritisch.

Einsatz von Antibiotika bei Tieren generell rückläufig

Auch das Bundesinstitut für Risikobewertung entdeckte im vergangenen November in einer Studie, dass in einigen Mastgeflügelketten weiterhin hohe Resistenzraten bestehen. Das Fleisch könne etwa als Quelle für resistente Keime beim Menschen weiter von erheblicher Bedeutung sein. Der Einsatz von Antibiotika in der Tierhaltung sei in den vergangenen Jahren in Deutschland generell aber rückläufig.

Seit 2011 wurden in Deutschland die Mengen antimikrobieller Tierarzneimittel erfasst, die an Tierärzte abgegeben werden. Seither gingen diese Mengen von 1706 Tonnen im Jahr 2011 auf etwa 733 Tonnen im Jahr 2017 zurück, heißt es. Auch die Therapiehäufigkeit mit Antibiotika nehme bei Nutztieren in Deutschland ab.

Allerdings zeigte die BfR-Studie auch, dass in einigen Mastgeflügelketten weiterhin hohe Resistenzraten bestehen. Sie könnten als Quelle für resistente Keime und deren Resistenzgene beim Menschen weiter von erheblicher Bedeutung sein, folgerte das BfR. Mit dpa-Material