"Jeder ein Messer in der Tasche": Bayerischer Politiker erntet Shitstorm nach Messer-Statement

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Hubert Aiwanger, Parteivorsitzender der Freien Wähler, hat mit einem unbedachten Statement zum Messer-Verbot für einen Shitstorm gesorgt. Foto: Felix Hörhager/dpa

Hubert Aiwanger, stellvertretender Ministerpräsident von Bayern, hat mit einem unklugen Statement zu Messern einen Shitstorm losgetreten. Eine Einordnung.

Hubert Aiwanger (48), stellvertretender Ministerpräsident von Bayern, hat mit einem unklugen Statement zu Messern einen Shitstorm losgetreten. Zu Recht? Eine Einordnung.

  • Hubert Aiwanger hat mit einem Statement zum geplanten Messer-Verbot für viel Kritik gesorgt.
  • Er sagte, Deutschland sei sicherer, wenn jeder Anständige ein Messer in der Tasche hätte - und Kriminelle weggesperrt würden.
  • Die unbedachte Äußerung als Aufruf zur Selbstbewaffnung abzutun, greift zu kurz.

Aiwanger: "Jeder Anständige sollte ein Messer in der Tasche haben dürfen"

An diesem Statement reibt sich die deutsche Politik derzeit auf:

"Ich bin überzeugt, Bayern und Deutschland wären sicherer, wenn jeder anständiger Mann und jede anständige Frau ein Messer in der Tasche haben dürfte und wir würden die Schwerkriminellen einsperren. Das wäre der richtige Weg."

Hubert Aiwanger

Es wäre einfach, Aiwanger (Freie Wähler) nun einen Aufruf zur Selbstbewaffnung vorzuwerfen, wie es etwa Grüne ("dumm und gefährlich") und SPD ("Taschenmesserpopulist") tun. Dass kein Land sicherer wird, je stärker die Bevölkerung bewaffnet ist, dürfte unstrittig sein - siehe USA und die Debatte um Schusswaffen. Doch das greift zu kurz.

Politiker aus Bayern sprach vor Jägern

Denn gesagt hat der stellvertretende Ministerpräsident die zwei Sätze am Freitag in einer Rede vor Jägern. Das berichtet der Bayerische Rundfunk. Für die Einordnung ist das deshalb wichtig, weil diese selbstverständlich zu seinen Wählern gehören.

Zudem tragen Jäger wie auch Trachtenträger in Bayern traditionell Messer mit sich herum. Dass er ihnen in einer Debatte zu schärferen Waffengesetzen Zugeständnisse macht, ist daher kaum verwunderlich.

Bundesrat prüft Verbot von Messern mit langer Klinge

Denn der Bundesrat prüft derzeit ein Verbot von Messern mit langen Klingen an vielen öffentlichen Orten. Da kann einem als bayerischer Trachtler schon mal mulmig werden. Ein echtes Verbot von Taschenmessern steht bei einer erlaubten Klingenlänge bis zu sechs Zentimetern aber wohl auch nach der Verschärfung des Waffengesetzes nicht wirklich zur Debatte.

Unglücklich ist die Aussage von Aiwanger auch deshalb, weil er offen lässt, was er überhaupt sagen will. Ein typischer Politiker-Fauxpas, der gerade in Twitter-Debatten reichlich Anlass für Spekulation bietet.

Was sind überhaupt "anständige Männer und Frauen", Herr Aiwanger?

Denn Aiwanger verknüpft die Sicherheit in Deutschland mit gleich zwei Voraussetzungen: "Jeder Anständige darf ein Messer tragen" und "wir sperren Schwerkriminelle ein". Damit bleibt unklar, was der Sicherheit im Lande aus Sicht des Politikers am ehesten zuträglich wäre.

Und überhaupt: Wer bestimmt eigentlich, was "anständige Männer und Frauen" sind?

So verständlich die Aufregung auch ist: Am Ende bleibt die Vermutung, dass Aiwanger Bange davor hat, kein Taschenmesser mehr mit sich tragen zu dürfen - und dass er mit dem kernigen Statement bei potentiellen Wählern punkten wollte. Falls es so sein sollte: Wieso sagt er es nicht gleich?